Seit 05:05 Uhr Studio 9

Donnerstag, 24.05.2018
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Nachspiel | Beitrag vom 13.05.2018

Tischtennis-Ass Omar AssarEin Afrikameister kommt ins Rheinland

Von Cornelia Wegerhoff

Beitrag hören Podcast abonnieren
(Foto: Borussia Düsseldorf)
Der ägyptische Tischtennisspieler Omar Assar spielt jetzt für Düsseldorf. (Foto: Borussia Düsseldorf)

Im Tischtennis ist er die Nummer 17 der Welt, aber der 26-jährige Ägypter Omar Assar er will noch weiter nach oben: Die Top Ten sollen es schon sein. Ab Juli spielt Assar für Borussia Düsseldorf, den Klub von Timo Boll. Der ist sein großes Vorbild.

Tischtennis-Training bei Borussia Düsseldorf. Einer der Sportler ragt deutlich aus der Menge hervor: Mit 1,96 Metern ist Omar Assar rein körperlich der größte an den blauen Platten. Und es gibt auch große Erwartungen an den Ägypter, der offiziell zum 1. Juli, dem Start der neuen Bundesliga-Saison, für den Rekordmeister antritt. Borussia Düsseldorf-Sprecher Alex Schilling:

"Wir erwarten, dass er für uns viele Punkte sammelt. Er hat sich in der Welt deutlich verbessert, ist "unter den Top 20, also einer der besten Spieler der Welt mittlerweile."

Aktuell auf Rang 17 der Tischtennis-Weltrangliste. Durchgeschwitzt kommt Omar Assar nach dem Training aus der Box.

"Ich muss noch zum Stretching und duschen und dann komm ich."

Auch der jüngere Bruder ist Tischtennisprofi

Eine halbe Stunde später steht er vor dem Getränke-Automat im Foyer des Düsseldorfer Tischtennis-Zentrums und lässt sich einen warmen Kakao in die Tasse laufen.

"In Ägypten trinken wir eigentlich viel Tee", erzählt Omar Assar auf Arabisch. Er ist gut aufgelegt, macht Scherze, freut sich, mal wieder in seiner Muttersprache zu plaudern.

"Ich war jetzt ein Jahr und zwei Monate lange nicht in Ägypten. Es gibt eine Menge Sachen, die ich vermisse. Am meisten meine Mutter. Sie wird mich im Sommer besuchen. Sie ist Schuldirektorin und sobald die Prüfungen vorbei sind, kann sie kommen, so Gott will."

Omar Assar stammt aus Kairo. Geboren ist er aber in Kafr el Scheich, einer Kleinstadt im Nildelta. Die ländliche Gegend ist bekannt für Reisanbau und den alt eingesessenen Tischtennis-Club im Ort. Assars mittlerweile verstorbener Vater und sein Onkel waren dort Trainer. Und selbst im Hausflur des Großvaters stand schon eine Tischtennis-Platte.

"Ich habe sehr früh mit Tischtennis angefangen, schon mit vier. Als ich acht war, hat mein Vater dann entschieden nach Kairo umzuziehen, damit ich bessere Chancen habe."

Zum Training im Al-Ahly-Club geht Omar schon bald in Begleitung. Auch der anderthalb Jahre jüngere Bruder Khaled spielt Tischtennis, ist inzwischen ebenfalls Profi:

"Wir waren die ersten Brüder, die gemeinsam zu den Olympischen Spielen gefahren sind. Das war wirklich toll. Mein Bruder ist afrikanischer Juniorenmeister und ich bin afrikanischer Seniorenmeister. Die Konkurrenz in Afrika ist gerade sehr hart. Der Tischtennis-Sport wird dort immer stärker. Das macht's interessant."

Sechs bis sieben Stunden trainiert er täglich

Omar Assar zog es jedoch schon mit 13 Jahren nach Europa, um weiter an starker Konkurrenz zu wachsen. Er spielte in den Jugendabteilungen internationaler Spitzenvereine in Schweden, Dänemark und Frankreich. 2009 wurde er ausgerechnet in der Tischtennis-Hochburg China Junioren-Weltmeister. Und als Erwachsener holte er bei der WM 2013 Bronze. An der Tischtennis-Platte sei er ein völlig anderer Mensch, meint der ansonsten eher ruhige Ägypter.

"Ich bei ein sehr agressiver Spieler. Auf der einen Seite ist das gut, auf der anderen zu viel. Denn manchmal bin ich auch zu hart zu mir selbst, wenn ich einen Punkt verliere. Ich versuche zu lernen, mehr Balance zu halten."

Sechs bis sieben Stunden täglich trainiert das Tischtennis-Ass. Irgendwann nebenbei hat er auch noch Wirtschaft studiert und einen Bachelor-Abschluss gemacht. Aber Omar Assar muss ehrlich zugeben:

"Ich hatte nicht so viel Spaß am Studium. Ich hab das am Ende mehr gemacht, um meinen soziales Image in Ägypten zu pflegen, dass ich einen Universitäsabschluss habe. Gebildet sein ist wichtig, Sprachen zu sprechen, Wissen zu haben. Aber mein Herz ist woanders."

Großes Vorbild: Timo Boll

Omar Assar will in die Top Ten: "Meine Nachbarn und Freunde in Ägypten sagen mir immer: Omar, wir warten noch auf mehr. Und als sie hörten, dass ich zu Borussia Düsseldorf gehe, dem größten Tischtennis-Club der Welt… Sie können sich nicht vorstellen, was für eine große Sache das in Ägypten war. Der geht zum Real Madrid des Tischtennis, hieß es."

Auch für den 26-Jährigen selbst ging ein Traum in Erfüllung, als Borussia Düsseldorf ihn mit einem Zwei-Jahres-Vertrag von Werder Bremen an den Rhein holte. Denn dort trifft er auf sein großes Vorbild Timo Boll. 

"Er war einer der Gründe, warum ich nach Düsseldorf gekommen bin. Er hat diese sportliche Stabilität. Er ist seit so vielen Jahren so fit. Beim Training neben ihm gibt es eine Menge von Timo zu lernen."

Und noch etwas hat sich Omar Assar vorgenommen:

"Normalerweise mache ich gleich nach dem Aufwachen ein 15-Minuten-Workout. Ich denke, es wäre nicht schlecht, wenn ich 15 Minuten dazu packe… to learn Deutsch. Ich lerne Deutsch…"

Mehr zum Thema

Tischtennis - Das Kreuz mit dem Aufstieg
(Deutschlandfunk, Sport am Wochenende, 03.09.2017)

Nachspiel

150 Jahre Rennbahn HoppegartenLeben im Galopp
Zuschauer sehen sich auf der Rennbahn Hoppegarten einen Lauf an, aufgenommen 2012 (picture alliance / dpa / Florian Schuh)

Die vielleicht schönste Pferderennbahn Deutschlands wird 150: Hoppegarten am östlichen Stadtrand von Berlin. Von Preußenkönig Wilhelm I. persönlich eröffnet, überdauerte sie die Nazi-Herrschaft und die DDR und ist heute wieder eine Topadresse für den Pferdesport.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur