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Im Gespräch | Beitrag vom 04.01.2018

Till Bastian über seinen Vater und Petra Kelly"Mit der Todeswaffe habe ich als Kind gespielt"

Moderation: Ulrike Timm

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Die Grünen-Politiker Gert Bastian und Petra Kelly anlässlich der Bundesversammlung der Grünen 1985. (imago / Sven Simon)
Die Grünen-Politiker Gert Bastian und Petra Kelly anlässlich der Bundesversammlung der Grünen 1985. (imago / Sven Simon)

Er arbeitet als Arzt, schreibt Krimis sowie Sachbücher. In den Fokus der Öffentlichkeit geriet Till Bastian als Sohn von Gert Bastian, dem Generalmajor der Bundeswehr, der sich der deutschen Friedensbewegung anschloss und 1992 die Grünen-Politikerin Petra Kelly und sich selbst tötete.

Till Bastian ist 43 Jahre alt, als sein Vater und Petra Kelly in ihrer Wohnung in Bonn tot aufgefunden werden. Bis heute seien die genauen Todesumstände offen. Bastian junior vermutet einen sogenannten erweiterten Selbstmord seines Vaters. Die Beziehung von Bastian senior und Kelly sei sehr symbiotisch gewesen. Bis heute frage er sich aber, was die überzeugte Pazifistin an seinem Vater, einem Generalmajor der Bundeswehr, fasziniert habe:

"An einem Menschen, der immer mit einer geladenen Pistole in der Hosentasche rumgelaufen ist. Mein Vater war schon ein Waffennarr. Das hat auch meine Jugend bestimmt, auch die Tatwaffe mit der er dann sich und Petra erschossen hat, die habe ich öfters in der Hand gehabt und als Kind damit rumgespielt."

Sein Vater habe der Gewalt nie konsequent abgeschworen, und das Widersprüchliche habe ihn bis in den Tod hinein geprägt.

Der Mediziner, Psychotherapeut und Schriftsteller Till Bastian (privat)Der Mediziner, Psychotherapeut und Schriftsteller Till Bastian (privat)

Glücklich durch innere Vielfalt

In den 80er-Jahren sind Vater und Sohn Teil der deutschen Friedensbewegung, die vor allem den NATO-Doppelbeschluss, sprich die atomare Aufrüstung von in Europa stationierten US-Raketen vehement ablehnt. Fünf Jahre lang arbeitet Till Bastian als Geschäftsführer der deutschen Sektion "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges". Die Organisation bekommt 1985 den Friedensnobelpreis verliehen. Politisches Engagement von frühester Jugend an und viele unterschiedliche Tätigkeiten prägen das Leben von Till Bastian. Als "Mehrfelderwirtschaft" bezeichnet er selber sein abwechslungsreiches Berufsleben: 

"Na ja, die Mehrfelderwirtschaft ist sozusagen der Gegenbegriff zur Monokultur. Und ich bin der Meinung, dass Monokultur immer störungsanfällig ist, ob in der Landwirtschaft, ob bei der Viehzucht oder sonst wo – und eben auch beim Seelenleben. Es ist für unsere Seele nicht gut, alles auf eine Karte zu setzen. Es ist besser, sich innere Vielfalt zu bewahren, dann wird man glücklicher."

Arzt und Autor

Mit 68 arbeitet er noch heute als Arzt tageweise in einer psychosomatischen Klinik, und er schreibt Krimis sowie Sachbücher. Mit der Seele des Menschen und der Frage, wie sehr wir heute noch durch die Evolution geprägt sind, beschäftigen sich seine jüngsten Veröffentlichungen. Zur Zeit schreibt er an einem neuen Sachbuch. Er würde aber gern auch wieder ein belletristisches Werk verfassen:

"Wobei mich da mehr das Genre des historischen Romans im Moment interessiert; aber vielleicht kommt auch mal wieder ein Krimi ans Licht – mal schauen."

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