Seit 01:05 Uhr Tonart
 

Sonntag, 19.11.2017

Aktuell / Archiv | Beitrag vom 04.05.2017

Theatertreffen BerlinStarke Stücke

89/90: Annett Sawallisch, Andreas Dyszewski, Anna Keil, Denis Petković, Tilo Krügel, Wenzel Banneyer (Projektion) (v.l.n.r.) (Rolf Arnold )
89/90: Annett Sawallisch, Andreas Dyszewski, Anna Keil, Denis Petković, Tilo Krügel, Wenzel Banneyer (Projektion) (v.l.n.r.) (Rolf Arnold )

Zehn Inszenierungen sind von einer Kritikerjury für das 54. Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen in Berlin (6. bis 21. Mai) ausgewählt worden - von Klassikern wie "Der Schimmelreiter" oder "Die Räuber" bis hin zu neuen Stücken von Milo Rau oder Ersan Mondtag.

Unter dem Titel "Shifting Perspectives" werden beim diesjährigen Berliner Theatertreffen auch fünf Gastspiele aus afrikanischen Ländern gezeigt. Alle setzten sich mit dem Thema Identität und Identitätskonstruktionen auseinander, sagt Dramaturg Daniel Richter.

Die zehn Inszenierungen:

"Der Schimmelreiter"

Von Theodor Storm, Regie Johan Simons (Thalia Theater Hamburg)

Der Novellen-Klassiker als meditative Parabel: Am Thalia Theater in Hamburg inszeniert Johan Simons Theodor Storms "Der Schimmelreiter" - und legt verblüffend tiefe Schichten der Erzählung frei. Jens Harzer glänzt in der Titelrolle des Hauke Haien. - Rezension von Bernhard Doppler

"Pfusch"

Von Herbert Fritsch, Regie Herbert Fritsch (Volksbühne Berlin)

Abstrakt, grimmig, formalistisch: Herbert Fritsch inszeniert zum letzten Mal für Frank Castorfs Volksbühne in Berlin. "Pfusch" ist kein leichter Komödienspaß, sondern ein irritierendes Schaustück, das den Zuschauer staunend nach Hause gehen lässt. - Rezension von André Mumot

"89/90"

Nach dem Roman von Peter Richter, Regie Claudia Bauer (Schauspiel Leipzig)

"Die Borderline Prozession - Ein Loop um das, was uns trennt"

Von Kay Voges, Dirk Baumann und Alexander Kerlin, Regie Kay Voges (Schauspiel Dortmund)

Seit 2011 ist Kay Voges Intendant des Theaters Dortmund und hat es zu einem politischen und angesagten Ort gemacht. Ein Ort, an dem mit Grenzüberschreitung von neuen Medien und Theater experimentiert wird. Nun hatten dort nun zwei Uraufführungen Premiere: "Borderline Prozession" und "Der goldene Schnitt". Rezension von Dorothea Marcus

"Die Räuber"

Von Friedrich Schiller, Regie Ulrich Rasche (Residenztheater, München)

Am Münchner Residenztheater setzt Intendant Martin Kusej auf politisches Theater und eröffnet die neue Spielzeit mit Schillers "Räubern" und Sartres "Schmutzigen Händen". Gleich zwei Stücke, die nach der Legitimation politischer Gewalt fragen. Rezension von Sven Ricklefs

"Traurige Zauberer"

Von Thom Luz, Regie Thom Luz (Staatstheater Mainz)

"Die Vernichtung"

Von Ersan Mondtag und Olga Bach, Regie Ersan Mondtag (Konzert Theater Bern)

Drei Großstadt-Menschen um die 30 frönen dem Hedonismus in verzweifelter Weise mit Sex und Drogen. Regisseur Ersan Mondtag und Autorin Olga Bach zeigen in "Die Vernichtung" am Theater Bern eindrucksvoll die Langeweile dieser Generation - sowie die Sehnsucht nach Eindeutigkeit und auch Zestörung. Rezension von Sven Ricklefs

"Drei Schwestern"

Von Simon Stone nach Anton Tschechow, Regie (Theater Basel)

Simon Stones Inszenierung von Tschechows "Drei Schwestern" ist eine Delikatesse: gewagt die Schnoddrigkeit des Textes, famos aber die Gültigkeit und Wirkung wie einst. Eigentlich wollen alle raus aus den alten Bahnen, wollen ein neues Leben, aber dann... - Rezension von Elske Brault

"Five Easy Pieces"

Von Milo Rau, Regie Milo Rau (Eine Produktion des International Institute of Political Murder und CAMPO Gent - in Koproduktion mit Sophiensaele Berlin, Kunstenfestivaldesarts Brussels 2016, Münchner Kammerspiele, La Bâtie - Festival de Genève, Kaserne Basel, Gessnerallee Zürich, Singapore International Festival of Arts (SIFA), SICK! Festival UK, Le phénix scène nationale Valenciennes pôle européen de création)

Der Schweizer Regisseur Milo Rau wagt ein Experiment: Er arbeitet mit acht- bis 13-jährigen Kindern und bringt mit ihnen in Brüssel das Leben des Kindermörders Marc Dutroux auf die Bühne. Kann das funktionieren? - Gespräch mit Eberhard Spreng

"Real Magic"

Von Forced Entertainment, Konzept und Regie Forced Entertainment. Künstlerische Leitung Tim Etchells (In Koproduktion mit PACT Zollverein, Essen, HAU Hebbel am Ufer Berlin, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt,Tanzquartier Wien, ACCA Attenborough Centre for the Creative Arts, University of Sussex, Spalding Gray Consortium - On the Boards, Seattle, PS122 NYC, Walker Art Center Minneapolis, Warhol Museum Pittsburgh)

Ein Moderator, ein Kandidat und ein Gegenkandidat - fertig ist das Ensemble einer Quizshow, deren geringer Inhalt immer und immer wieder aufs Neue gespielt wird. Mit diesem simplen Konzept schafft die Gruppe Forced Entertainment tatsächlich "Real Magic". - Rezension von Ulrike Gondorf

Programmtipps:
Samstag, 6.5.
- Fazit, ab 23:05 Uhr: Sondersendung Theatertreffen - Live vom Eröffungsabend im Haus der Berliner Festspiele
Sonntag, 21.5.
- Fazit, ab 23:05 Uhr: Abschlusskommentar

Mehr zum Thema:

Theatertreffen Berlin - Meine drei Highlights
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 06.05.2017)

Auswahl für das Theatertreffen - Ultrakomisch, subtil und bilderberauscht
(Deutschlandradio Kultur, Kommentar, 07.02.2017)

Regisseur Herbert Fritsch - "Pfusch" auf der Bühne - und in der Kulturpolitik
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 24.11.2016)

Studio 9

Umstrittene Ausstellung in BerlinTapfere Drogenhändler?
Ein vorläufig festgenommener, mutmaßlicher Drogenhändler steht am 10.02.2014 in Handschellen vor einem Polizeiwagen in Berlin und lässt sich von einem Polizisten die Jacke schließen. Bei einer Razzia rund um den Görlitzer Park in Kreuzberg überprüfte die Polizei 49 Personen und leitete neun Strafermittlungsverfahren wegen Drogenhandels ein. Insgesamt wurden 69 kleine Drogentütchen, vier Ampullen mit Amphetaminen und drei Kugeln Heroin beschlagnahmt. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)

In Berlin eröffnet demnächst im Bezirksmuseum Friedrichshain-Kreuzberg eine Ausstellung über afrikanische Drogendealer. Der US-Amerikaner Scott Holmquist porträtiert dort Menschen, die zum Beispiel im Görlitzer Park Drogen verkaufen. Selbst Toleranten ist das zu viel.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur