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Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.12.2016

Theater Magdeburg lädt Kubitschek ein und ausGefährlicher Flirt mit den Rechten

Von Christoph Richter

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Der Rechtspopulist Götz Kubitschek steht am 16.10.2016 auf dem Theaterplatz in Dresden. (dpa / picture alliance / Oliver Killig)
Pegida-Demonstration am 16. Oktober 2016: Der Rechtspopulist Götz Kubitschek steht auf dem Theaterplatz in Dresden. (dpa / picture alliance / Oliver Killig)

Das Theater Magdeburg wollte den rechten Vordenker Götz Kubitschek zur Diskussion einladen - und erntete dafür wütende Reaktionen. Zu Recht, meint Christoph Richter. Den Verantwortlichen sei es nur um die mediale Aufmerksamkeit gegangen.

Das Knallen der Sektkorken in einem Rittergut im Dörfchen Schnellroda im Süden-Sachsen-Anhalts ist heute noch zu hören. Und wahrscheinlich sitzt Götz Kubitschek an einer langen Dankesrede, in der er dem Theater Magdeburg, einer öffentlich subventionierten Institution, für so viel kostenlose Öffentlichkeitsarbeit seine Dankbarkeit erweist. Das Theater Magdeburg, es hat sich komplett verhoben.

Denn das Flirten mit den Rechten ist ein gewagtes Spiel, zumal wenn man keine Auseinandersetzung, sondern nur reine Publicity will. An einer inhaltlichen Debatte waren die Verantwortlichen des Theater Magdeburg nie interessiert. Ihnen war nur wichtig, das Kubitschek – die Schlüsselfigur der Neuen Rechten - auf der Bühne sitzt. Bereits vor Wochen, am Rande des Ersten Politischen Salons flüsterte man geheimnisvoll, man hätte den Kubitschek eingeladen und er wolle kommen. Ja, man war richtiggehend stolz über die eigene Courage.

Nur: Es ist kein Mut, sich mit Götz Kubitschek auf eine Bühne zu setzen. Hätte man eine inhaltliche Auseinandersetzung gewollt, hätte man sich mit den Texten Kubitscheks künstlerisch auseinander setzen müssen. Aber auch mit den Werken, die Kubitschek in seinem Verlag publiziert. Bücher, die radikales Gedankengut, den Neo-Faschismus schwärmerisch verherrlichen.

Ein adäquater Geprächspartner fehlt

Angemessen wäre es auch gewesen, hätte man sich einen adäquaten schlagkräftigen Gesprächspartner auf die Bühne geholt, wie den Münchner Soziologen Armin Nassehi. Kenner des politischen Koordinatensystems eines Götz Kubitschek, der sich im Feld von Feinderklärungen bewegt, wo Andersdenkende keinen Platz haben.

Das man im Theater Magdeburg aber stattdessen Sachsen-Anhalts CDU-Innenminister Holger Stahlknecht als Gesprächspartner wollte, ist mehr als abstrus. Schließlich ist er kein ausgewiesener Kenner der neurechten Bewegung, dessen Vertreter Götz Kubitschek ist.

Ein Intellektueller, der völkisch-nationales Gedankengut mit einem elitär-aristokratischem Habitus verbindet. Kubitschek ist Gründer des sogenannten "Instituts für Staatspolitik", einer bundesweit agierenden Denkfabrik für rechtsnationale und rechtsextreme Politik, die sich in einer Grauzone zwischen Konservativismus und Rechtsradikalismus bewegt.

Um sich mit deren Inhalten konstruktiv auseinanderzusetzen reicht es einfach nicht aus, mit Innenminister Stahlknecht, einen Juristen auf die Bühne zu setzen. Da ist mehr gefordert. Klar wird an dieser Stelle, das ist vom Theater gar nicht gewollt. Stattdessen Publicity. Die war aber gar nicht mehr gegeben, als bekannt wurde, dass Innenminister Stahlknecht nicht teilnehmen wird.

Es entstünde ein Ungleichgewicht in der Debatte, weshalb man auf die Veranstaltung verzichten müsse, heißt es nun von Seiten des Theaters. Eine Erklärung die mehr als deutlich macht: Es ging es um keine gesellschaftspolitische Debatte, keine fundierte Auseinandersetzung, sondern um ein Aufreger-Thema, das postfaktische Bühnen-Spektakel.

Nur Reiner Haseloff bewies Haltung

Der Einzige, der in der Sache Haltung bewiesen hat, war CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff. Er hat dem Theater-Spuk eine Ende bereitet, indem er seinen Innenminister zurückgepfiffen hat. Damit hat er dem Theater Magdeburg gezeigt, dass derart gestrickte Veranstaltungen höchst gefährlich sind, weil damit nur die extreme Rechte aufgewertet werde.

Nur: Innerhalb der eigenen CDU-Basis kommt das überhaupt nicht gut an. Wie zu DDR-Zeiten, das ist ein Maulkorb, heißt es schon. Weshalb Haseloffs beherztes Eingreifen, eine weitere Bruchlinie sein wird, für die bereits jetzt schon äußerst wacklige Kenia-Koalition in Sachsen-Anhalt.

Götz Kubitschek ist das jedoch alles egal. Er sitzt bei deutschem Bier und deutschem Brot in seinem Rittergut in Schnellroda, reibt sich die Hände und wird wahrscheinlich auch heute vor Lachen nicht ins Bett kommen.

Mehr zum Thema

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(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 15.08.2016)

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