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Samstag, 18.11.2017

Studio 9 | Beitrag vom 19.07.2017

Thea Dorn über die Tour de FranceDoping ist "ähnlich wie beim Wettrüsten"

Schriftstellerin Thea Dorn im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

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Der deutsche Radsportler Marcel Kittel (zweiter von links) hat die siebte Etappe der Tour de France gewonnen. Er kam vor dem Norweger Edvald Boasson Hagen (Mitte) ins Ziel. (dpa-Bildfunk / AP / Peter Dejong)
Alle dopen - "ähnlich wie beim Wettrüsten", meint Thea Dorn. (dpa-Bildfunk / AP / Peter Dejong)

Schriftstellerin Thea Dorn findet die Empörung über Doping im Radrennsport unverständlich. Es sei keine Schummelei, da vermutlich jeder Radler ähnliche Mittel nehme. Möglicherweise könne Doping den "Extremsport" sogar sicherer machen.

"Ich finde es tatsächlich relativ schwierig zu beschreiben, wo genau das Problem beim Doping liegt", sagt die Schriftstellerin Thea Dorn Schriftstellerin, die sich dazu bekennt, begeisterter Radsport- und Tour-de-France-Fan zu sein.

Das Argument, es handele sich beim Doping um "Schummelei" und wäre unfair, möchte sie nicht gelten lassen:

"Wenn man sich ein bisschen mit der Sportart beschäftigt, wird man feststellen, dass das Fairness-Problem kein echtes ist."

Schließlich würden die Radrennfahrer vermutlich alle dopen und letztendlich auf gleiche Mittel zurückgreifen, vermutet Dorn - "ähnlich wie beim Wettrüsten".

"Das sind Extremisten, solche Radler"

"Ich glaube, dieses große Gerechtigkeitsproblem, dass hier dramatisch Siege entschieden werden, nur weil eine Mannschaft oder ein Fahrer dopt, das halte ich – ehrlich gesagt – für naiv."

Schriftstellerin und Literaturkritikerin Thea Dorn (Deutschlandradio / Manfred Hilling)Schriftstellerin und Literaturkritikerin Thea Dorn (Deutschlandradio / Manfred Hilling)

Dorn geht sogar noch weiter. Ihrer Meinung nach könnte Doping bisweilen sogar helfen, den lebensgefährlichen Sport sicherer zu machen. Aus Gesprächen mit Radrennfahrern habe sie erfahren: Wenn man aufgrund von Doping "noch den Milli-Prozentsatz mehr Konzentration in so einer tödlich-gefährlichen Abfahrt" habe, weil man eben "nur fertig und nicht tödlich fertig" sei, könne dies sogar zu "einer Sicherheit des Fahrers beitragen".

"Ich will ja auch gar nicht sagen: Jungs, dopt, das ist prima", meint Dorn.

"Ich habe keine Sympathie für Doping, aber eine klare Aversion gegen Heuchelei."

Denn letztendlich sei nicht das Doping sondern der extrem gefährliche Radsport schon ein "lebensgefährlicher Skandal".

"Das sind Extremisten, solche Radler. Schauen Sie sich zum Beispiel solche Bergabfahrten an. Das ist lebensgefährlich, was diese Jungs da treiben."

(lk)

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