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Lesart | Beitrag vom 28.08.2017

"The Poetry Project" erhält Lyrikpreis "In Gedichten werde viel mehr gesagt, als in Dialogen"

"The Poetry Project" im Gespräch mit Joachim Scholl

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Susanne Koelbl (Initiatorin von The Poetry Project), Aarash Spanta (Übersetzer) und die beiden Autoren Shahzamir Hotaki und Samiullah Rasouli stehen auf der Dachterrasse von Deutschlandfunk Kultur. (Deutschlandradio – Laura Lucas)
Susanne Koelbl, Initiatorin von "The Poetry Project", freut sich mit Übersetzer Aarash Spanta und den beiden Autoren Shahzamir Hotaki und Samiullah Rasouli über den Preis (Deutschlandradio – Laura Lucas)

Sie schreiben Gedichte über Sehnsucht, Liebe und ihre Flucht. Samiullah Rasouli und Shahzamir Hotaki sind junge Männer aus Afghanistan und Mitglieder von "The Poetry Project". Die Gruppe wird nun mit dem Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis ausgezeichnet.

Mit gegründet wurde "The Poetry Project" von der "Spiegel"-Auslandskorrespondentin Susanne Koelbl. Als im Jahr 2015 so viele Menschen nach Deutschland kamen, überlegte sie zusammen mit Freunden, wie man den geflüchteten Menschen helfen könne.

"Wir sind in die Notunterkünfte gegangen und haben gefragt: ´Wer spricht Farsi?` Warum Farsi? Weil ich selbst sehr viel in diesem persisch-sprachigen Raum unterwegs war", sagte Susanne Koelbl im Deutschlandfunk Kultur. 

Weil sie mehr über die Menschen und ihre Geschichten erfahren wollten, nutzten sie ein Hilfsmittel dafür. 

"Ich wusste von meinen Reisen, dass das Gedicht quasi als Nachrichtenträger ein wirklich gutes Mittel ist, um sich zu verständigen. Und wir nutzen diese Möglichkeit, diese orientalische kulturelle Eigenheit, um uns zu verständigen, weil in Gedichten werden viel mehr Sachen gesagt, als sie in normalen Dialogen gesagt werden."

Zu der Gruppe gehören heute sechs junge Poeten. Darunter die jungen Afghanen Samiullah Rasouli und Shahzamir Hotaki.

Sehnsucht nach dem Vater

Samiullah Rasouli ist 17 Jahre alt und wuchs in Ghazni, Afghanistan, auf. Die Region ist heute stark umkämpft. Sein Vater starb vor wenigen Jahren. Er selbst war vier Wochen auf der Flucht.

"Ich habe gesehen, wie die Taliban einen Polizisten erschossen hat. Ich war ein Zeuge, die Taliban haben mich verfolgt", so Samiullah Rasouli im Deutschlandfunk Kultur.

Bei der Polizei sollte er eine Aussage machen. Aus Angst vor der Taliban floh er vor zwei Jahren nach Europa. Hier in Deutschland hat er mittlerweile eine Ausbildung zum Handelskaufmann begonnen. Seine Gedichte handeln von der Liebe und der Sehnsucht nach dem Vater.

Nur knapp dem Tod entkommen

Seine Eltern hatten Angst um ihren einzigen Sohn, deshalb schickten sie den 16-jährigen Shahzamir Hotaki aus Mazar-e-Sharif fort nach Europa. Auf der Überfahrt nach Griechenland sank das Boot und Shahzamir entging nur knapp dem Tod.

"Ich habe vor meinen eigenen Augen gesehen, wie viele Kinder gestorben sind. Da habe ich auch gedacht, vielleicht ist das der letzte Tag von mir."

Nach etwa einer Stunde wurden er und andere Überlebende von der griechischen Polizei gerettet, sagte Shahzamir Hotaki im Deutschlandfunk Kultur.

"Erstaunlich reife lyrische Schicksalsbeschreibungen"

Anfang 2018 ist die Preisverleihung und aus der Begründung der Jury heißt es: "Die Texte seien erschütternde, erstaunlich reife lyrische Schicksalsbeschreibungen der 14 bis 18 Jahre alten Jugendlichen, die die Geschichte ihrer Flucht dokumentierten. Die poetischen Lebenszeichen erinnerten auch an deutsche Exilanten wie Else Lasker-Schüler und ihre Werke."

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