Seit 22:30 Uhr Studio 9 kompakt
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 22:30 Uhr Studio 9 kompakt
 
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 29.12.2015

Terrorgefahr durch den IS"Wir benötigen eine globale Strategie"

Asiem El Difraoui im Gespräch mit Katrin Heise und Vladimir Balzer

Podcast abonnieren
Man sieht zwei Polizisten in blauer Uniform, einer von beiden trägt ein Maschinengewehr. (picture-alliance / dpa / Nicolas Maeterlinck)
Polizisten sichern den "Grand Place" in Brüssel. (picture-alliance / dpa / Nicolas Maeterlinck)

Der Irak will die Terror-Organisation "Islamischer Staat" im kommenden Jahr aus dem Land treiben - gleichzeitig scheint Brüssel einem IS-Anschlag nur knapp entgangen zu sein. Der Politologe Asiem El Difraoui plädiert für eine globale Präventionsstrategie. Mit Bomben allein komme man nicht weiter.

US-Militärbeobachter gehen davon aus, dass die Terror-Organisation "Islamischer Staat" (IS oder amerik. DAESH) im Laufe eines Jahres rund 14 Prozent ihres Territoriums eingebüßt hat - allein im Irak sollen die Dschihadisten ein Viertel ihres Einflussgebiets verloren haben. Allerdings hätten die reinen Gebietsverluste keine allzu große Bedeutung, sagte der Politologe Asiem El Difraoui am Dienstagabend auf Deutschlandradio Kultur.

Zumeist handele es sich um große unbewohnte Wüsten-Regionen, die zurückerobert worden seien, sagte der Strategie-Experte. Von größerer Bedeutung seien dagegen strategische Rückeroberungen, wie zuletzt in der Stadt Ramadi, aus der die IS-Kämpfer vertrieben worden seien.

Die Einschätzung, dass die Gefahr von Anschlägen in Europa wächst, weil der IS im Nahen Osten an Boden verliert, kann Difraoui nicht teilen:

"Die Anschlagsgefahr ist seit Jahren genauso hoch. DAESH wird weiter probieren, Anschläge in Europa zu verüben. Die Frage ist nur: Sind die europäischen Sicherheitskräfte aufgewacht? Gibt es mehr Kooperation?"

Difraoui: Der Westen konzentriert sich zu sehr auf den IS

Die Anschläge vor wenigen Wochen in Paris seien gelungen, weil die Geheimdienste auf europäischer Ebene zu wenig zusammengearbeitet hätten, sagte Difraoui. Dabei gehe die Gefahr nicht allein vom IS aus, sondern auch von der Ideologie des Dschihadismus als solcher. So hätte das US-Militär erst am Dienstag vor neuen Al-Kaida-Aktivitäten gewarnt. In Afghanistan seien neue Lager dieser Terror-Gruppierung entdeckt worden. Daher fordert Difraoui:

"Wir müssen wirklich probieren, einen globalen, präventiven und internationalen Ansatz zu finden - nicht nur gegen DAESH, sondern gegen diese so gefährliche dschihadistische Ideologie, der inzwischen Dutzende Bewegungen auf der Welt angehören."

Mehr zum Thema:

Deutschlands Kampf gegen den IS - "Der Einsatz ist Symbolpolitik"
(Deutschlandradio Kultur, Tacheles, 19.12.2015)

Tadschikistan - Der Islamische Staat im Anmarsch
(Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 15.12.2015)

Militärallianz gegen den Terror - Saudi-Arabien will führen
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 15.12.2015)

Interview

Tier- und ArtenschutzThüringen und der böse Wolfhund
Wolsmischlingsumrisse und glänzende Augen sind vor dem schwarzen Hintergrund zu erkennen. (picture alliance / Bundesanstalt für Immobilienaufgaben / dpa)

Seit dem Jahr 2000 gibt es in Deutschland wieder Wölfe. In Thüringen seit diesem Jahr auch sechs Wolf-Hunde. Die allerdings werden nun zum Problem für den Artenschutz und zum Politikum. Ein Gespräch über die Angst vor Wölfen, Gefahren für Menschen und eine reinrassige Wolfspopulation.Mehr

Russlandpremiere "Matilda"Der Zar als Mensch
Der deutsche Schauspieler Lars Eidinger bei der Vorstellung des Films "Matilda" in Russland. (pa/dpa/Sputnik/Novozhenina)

Vor der Russlandpremiere des umstrittenen Films "Matilda" ist die Sorge um Angriffe durch ultrakonservative Kritiker groß. Moskau-Korrespondentin Sabine Stöhr allerdings nennt den Film "harmlos". Die filmische Darstellung des letzten Zaren Nikolaus II rühre aber offenbar an Tabus. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur