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Freitag, 15.12.2017

Im Gespräch | Beitrag vom 02.12.2017

Stürme, Hitze, FlutenWie können wir uns an den Klimawandel anpassen?

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Wasserdampfschwaden steigen vor Sonnenaufgang in den farbigen Morgenhimmel aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerkes Jänschwalde der LEAG (Lausitz Energie Bergbau AG) hinter einem Karpfenteich in Peitz (Brandenburg).  (Patrick Pleul/dpa)
Braunkohlekraftwerk in Brandenburg. (Patrick Pleul/dpa)

Eine Erderwärmung, die auch in Europa starke Auswirkungen hat, ist kaum mehr abzuwenden. Wie können Städte und Bürger sich auf den Klimawandel vorbereiten? Meteorologin Daniela Jacob und Städteplaner Jörg Knieling geben hierauf Antworten.

Überschwemmungen, Hitzewellen und verheerende Stürme: der Klimawandel bringt immer mehr Wetterextreme mit sich. Flankierend zum Klimaschutz müssen Städte und Regionen Maßnahmen ergreifen, um sich den Veränderungen anzupassen – auch in Europa. Darum ging es auch bei der Weltklimakonferenz in Bonn.

"Die Anpassung an den Klimawandel ist eine große gesellschaftliche Aufgabe", sagt Professorin Daniela Jacob. Die Meteorologin leitet das Climate Service Center Germany (GERICS) in Hamburg. "Schon bei einer Erderwärmung von zwei Grad im Vergleich zu der Zeit vor der Industrialisierung werden wir sehr deutliche Veränderungen in ganz Europa sehen. Wir müssen zum Beispiel davon ausgehen, dass die Wintermonate im Norden Europas deutlich nasser werden und dass wir Europäer mehr Hitzewellen erleben werden."

Gebäude klimagerecht umbauen

Das GERICS berät Interessierte, wie sie ihre Städte klimagerecht umbauen können: Um die Hitzefolgen abzumildern, können zum Beispiel Dächer und Fassaden begrünt, bei der Planung neuer Wohnviertel bereits Luft- und Kälteschneisen eingeplant werden. Forscher testen hitzefeste Straßenbeläge; in der Landwirtschaft werden klimaresistente Nutzpflanzen und Bäume erprobt. Ihre Mahnung: "Wenn wir es nicht schaffen, die Emissionen zu reduzieren, werden wir auch die Klimaanpassung nicht schaffen."

Hafenstädte vor Herausforderungen

"Wir müssen damit rechnen, dass wir immer mehr Klimaanpassung brauchen, je weniger Klimaschutz wir betreiben. Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen",  sagt Jörg Knieling, Professor für Stadtplanung und Regionalentwicklung an der HafenCity Universität Hamburg.

Dies führe aber auch zu Konflikten: "Überall werden neue Wohnungen gebaut; gerade in Hamburg ist das ein großes Thema. Im gleichen Moment brauchen wir aber auch mehr Überflutungsflächen für die Flüsse."

Wofür entscheidet sich die Politik, wo wird das Geld investiert? Seine Beobachtung: "Es gibt auch starke Lobbyinteressen; gerade die Wirtschaft verhält sich extrem zukunftsunfähig." Der Stadtplaner setzt bei der Klimaanpassung daher auf mehr Bürgerbeteiligung. "Von Seiten der Bürger erleben wir oft eine größere Aufgeschlossenheit, während die Politiker in ihren Bahnen verharren."

Stürme, Hitze, Fluten – Wie können wir uns an den Klimawandel anpassen? – Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9:05 bis 11 Uhr mit der Meteorologin und Leiterin des Climate Service Center Germany Daniela Jacob und Jörg Knieling, Professor für Stadtplanung und Regionalentwicklung an der HafenCity Universität Hamburg. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

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