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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 14.03.2018

Streit um vergifteten russischen Ex-Spion"Eine Dynamik, die sich als bedrohlich erweisen könnte"

Bettina Gaus im Gespräch mit Korbinian Frenzel

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Polizisten stehen vor einem Parkplatz in der Ashley Wood Recovery Garage in Salisbury, wo das Auto des Spions Sergej Skripal geparkt war (imago/i Images)
Polizisten stehen vor einem Parkplatz in der Ashley Wood Recovery Garage in Salisbury, wo das Auto des Spions Sergej Skripal geparkt war. (imago/i Images)

Ist Russland für den Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal verantwortlich? Bisher gebe es nur "Verdachtsmomente", warnt die Journalistin Bettina Gaus. Sowohl Moskau als auch London hätten Interesse an einer Eskalation des Konflikts.

Der Konflikt um den vergifteten russischen Ex-Spions Sergej Skripal spitzt sich zu: Die britische Regierung macht Russland für den Anschlag verantwortlich und kündigte am Mittwoch an, 23 russische Diplomaten des Landes zu verweisen.

Die politische Korrespondentin der "taz", Bettina Gaus, sieht die Eskalation des Konflikts kritisch, da es bisher "reine Verdachtsmomente" seien, die für eine Täterschaft Russlands oder des russischen Geheimdienstes sprächen. "Russland hat gesagt, es will an der Untersuchung beteiligt sein, es hat gesagt, sie sind bereit, mit internationalen Organisationen in dem Zusammenhang zusammenzuarbeiten. Das muss man als Angebot, finde ich, auch erstmal zur Kenntnis nehmen", so Gaus im Deutschlandfunk Kultur.

Beide Seiten haben Interesse an einer Eskalation

Die politische Korrespondentin der "taz" betont, dass sowohl Moskau als auch London ein innenpolitisches Interesse an einer Eskalation hätten. Putin könne es bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag helfen, einen äußeren Feind zu präsentieren, wo man dann sagen könne: "Da sieht man, die Welt ist gegen uns, nur wir stehen fest zusammen."

Die britische Premierministerin May wiederum sei innenpolitisch heftig umstritten und habe große Probleme, den Brexit zu organisieren. "Da hilft es auch, wenn man einen Feind nach außen präsentieren kann, hat Margaret Thatcher beim Falkland-Krieg auch so gemacht. Und das ist eine Dynamik, die könnte sich als bedrohlich erweisen."

Bettina Gaus (dpa/picture alliance/Karlheinz Schindler)Bettina Gaus (dpa/picture alliance/Karlheinz Schindler)

Die Journalistin begrüßt die bisherige Reaktion der britischen Partner in NATO und EU. "Keine Solidarität zu verkünden, ist innerhalb der NATO ja auch schwierig", sagt sie.

"Ich finde, bisher ist, um es neudeutsch zu formulieren, das 'Wording' ganz gut. Man zeigt Solidarität, aber rasselt nicht mit dem Säbel. Ich fände es ganz schön, dabei würde man es belassen."

(uko)

Hören Sie hier die gesamte Sendung "Studio 9 - Der Tag mit Bettina Gaus": 

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