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Fazit / Archiv | Beitrag vom 23.11.2016

Streit um Kiefer-Ausstellung in PekingRoth: "Kunstwelt hat endlich wieder einen Skandal"

Martin Roth im Gespräch mit Andrea Gerk

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Martin Roth aufgenommen am 25.11.2010 im Museum of Islamic Art (MIA) in Doha. (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
Martin Roth, früherer Direktor des Londoner Victoria und Albert Museums, hält die Einbeziehung von Künstlern bei einer Ausstellungskonzeption für "höchstnotwendig" (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Darf man eine Ausstellung ohne eine Zusammenarbeit mit dem Künstler planen? Darüber wird in Zusammenhang mit der Anselm-Kiefer-Ausstellung in Peking diskutiert. Für eine sinnvolle Interpretation brauche man die Meinung des Künstlers, sagt der Ausstellungsmacher Martin Roth.

Der Kunstwissenschaftler Martin Roth, früherer Direktor des Victoria und Albert-Museums in London, hat sich im Deutschlandradio Kultur zur Auseinandersetzung um die Ausstellung "Anselm Kiefer in China" geäußert. Sie wird im CAFA Art Museum in Peking gezeigt und ist ohne Einbeziehung des Künstlers konzipiert worden. Kiefer hat sich öffentlich von dem ganzen Projekt distanziert. Kuratorin Beate Reifenscheid vom Ludwig Museum in Koblenz steht jetzt in der Kritik.

Der Streit sei ein "traumhaftes Thema", zu dem sich jetzt sicherlich viele Medien und Künstler äußern würden, meinte Roth:

"Die Kunstwelt hat endlich wieder einmal einen Skandal."

Er betrachte die Angelegenheit erst einmal ganz nüchtern und unter rechtlichen Gesichtspunkten. Wenn ein Künstler seine Werke über einen Galeristen verkaufe, habe er eigentlich kein Anrecht mehr auf die Interpretation seiner Werke. Für eine Ausstellung sei eine Kooperation mit dem Künstler allerdings sehr notwendig, so Roth:

"Niemand kann einen Kurator dazu zwingen, mit einem Künstler zusammenarbeiten zu müssen. Gleichwohl und aus vielerlei Gründen hätte ich nie eine Ausstellung gemacht - etwa über Neo Rauch -, ohne mit Neo Rauch oder seinem langjährigen Galeristen Judy Lybke zusammengearbeitet zu haben. Das wäre höchstnotwendig, um das Werk richtig zu interpretieren. Das heißt: Wenn man eine sinnvolle Interpretation des Werkes in die Öffentlichkeit ragen möchte, braucht man die Meinung des Künstlers."

Warnung vor "China-Bashing"

Er kenne den Präsidenten und den Direktor des CAFA Museums in Peking seit langer Zeit, sagte Roth. In der Zusammenarbeit mit ihnen habe er nie schlechte Erfahrungen gemacht:

"Deshalb muss man dann auch ein bisschen aufpassen, dass da nicht wieder so ein China-Bashing passiert. Dass man sagt: Denen ist dass alles egal. Das stimmt einfach nicht. Das sind zwei hochkompetente und inhaltlich sehr sensible Kollegen."

Kritik an Zusammenarbeit mit kommerziellen Unternehmen

Er betrachte allerdings mit Sorge, dass bei dieser Art von Zusammenarbeit mehr und mehr kommerzielle Unternehmen das Sagen hätten, äußerte Roth. Bei der Organisation der Kiefer-Schau in Peking war auch das kommerzielle Unternehmen "Bell Art GmbH" beteiligt:

"Ich würde nie mit einem kommerziellen Unternehmen zusammenarbeiten. Und wenn man es ganz brutal sehen möchte, dann haben alle jetzt ihre Freude daran. Die einen haben ihren Skandal, die anderen haben ihre Besucher. Es geht kreuz und quer durchs Internet. Wir beide reden jetzt auch darüber. Und so redet jeder über die Ausstellung. Und Herr Kiefer freut sich wahrscheinlich auch, weil sein Name in aller Munde ist. .

Mehr zum Thema

"Anselm Kiefer in China" - Streit um Anselm-Kiefer-Ausstellung in Peking
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 22.11.2016)

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