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Kompressor | Beitrag vom 19.05.2016

Street-Art-Museum in BerlinWird die Seele einer Subkultur verkauft?

Tobias Morawski im Gespräch mit Max Oppel

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Der Schriftzug "Anarchy" - englisch für Anarchie oder auch Anarchismus - gemalt auf eine Wand, aufgenommen in Berlin im März 2011.  (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)
Streetart steht eigentlich für Protest und Anarchie - in Berlin wird jetzt ein Museum für diese Kunstform gebaut. (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)

Graffitis polarisieren: Für die einen sind sie Schmiererei, für die anderen Protestmittel. In Berlin entsteht nun ein eigenes Street-Art-Museum. Diese Institutionalisierung sieht Tobias Morawski vom Graffitiarchiv kritisch und befürchtet den Verlust offener Debatten.

Im Berliner Stadtteil Schöneberg wird heute mit dem Bau des "Museum for Urban Contemporary Art" begonnen. Dort sollen von Mitte 2017 Street-Art-Künstler aus Deutschland und der ganzen Welt zu sehen sein.

Tobias Morawski, Mitglied des Grafittiarchivs und Autor des Buches "Reclaim your City", sieht das Projekt kritisch. Das Spannende an Urban Art sei ja eigentlich, dass diese Kunst aus sich heraus passiere, sagte er im Deutschlandradio Kultur:

"Es gibt eben keine Kuration davon. Jeder kann es machen. Jeder kann sich Pinsel, Dose oder was auch immer nehmen und selber in den öffentlichen Raum eingreifen. Und das ist ja eigentlich das, was es spannend macht: Eine offene Debatte im öffentlichen Raum zu befeuern, an der jeder teilnehmen kann."

"Wer entscheidet, was gezeigt wird?"

Die Institutionalisierung von Street Art in einem Museum werfe bestimmte Probleme auf, so die Einschätzung von Morawski:

"Wer entscheidet, was gezeigt wird? Wer entscheidet, welche Meinungen zur Sprache kommen? Wer wird gefördert, wer nicht? Wer ist drin und wer ist draußen? Es geht um die ganzen Kriterien, die auf der Straße gar nicht da sind, und dann möglicherweise wieder aufgemacht werden."

Das Dilemma der Graffiti-Künstler

Es gebe eine zweischneidige Beurteilung von Graffiti-Kunst, meinte Morawski:

"Einerseits wird schöne, akzeptierte Urban Art gefördert. Gleichzeitig werden andere Formen nicht geduldet oder bekämpft. Und gleichzeitig gibt es das Dilemma, in dem viele Künstler drin stecken: Dass sie, ob sie wollen oder nicht, zur Aufwertung von einem Stadtimage beitragen. Dann stellt sich die Frage, was die Bewohner eines Hauses davon haben, wenn sie ein hübsches Bild auf der Fassade haben, aber sich gleichzeitig nicht mehr die Miete leisten können."

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