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Kompressor | Beitrag vom 17.04.2018

Stephan Dillemuth im InterviewDie politischen Potentiale der Kunst auf dem Prüfstand

Moderation: Max Oppel

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Ein Einkaufswagen vor einem Ölgemälde (Imago / Manja Elsässer)
Ein Einkaufswagen vor einem Ölgemälde (Imago / Manja Elsässer)

Kunst, die der modernen höfischen Gesellschaft gefällt und von ihr konsumiert wird, wird immer teurer. Für den Künstler Stephan Dillemuth ist diese Kunst "Corporate Rococo". Um der Dominanz des Kunstkommerz zu entgehen, brauche es alternative Räume für den Diskurs über die Werke, betont der Künstler.

Für den Künstler Stephan Dillemuth sind viele derzeit sehr teuer gehandelte Kunstwerke lediglich dekorative Gegenstände für eine kleine Elite. "Corporate Rococo" nennt er den aktuellen Zustand der Kunstwelt. Im Deutschlandfunk Kultur sagte er:

"Corporate Rococo spielt für mich eine Rolle als Wortprägung in der Vorstellung, das wir auf ein Kunstsystem blicken, das schon lange vorbei ist, nämlich das Roccoco und uns vorstellen, wie Kunst damals funktioniert hat: Mehr oder weniger als Spiegel einer höfischen Gesellschaft. Und 'Corporate' - das wären die Bedingungen von heute und morgen nämlich: eine zunehmende Dominierung des politischen Geschehens weltweit durch die Interessen von großen Corporations und von wenigen Leuten, die immer reicher werden."

Die Kunst wird immer mehr zur Geldanlage

Der Kunstmarkt sei in den letzten Jahrzehnten explodiert, denn noch nie gab es so viel Geld, das in der Kunst zirkuliere. "Kunstwerke sind Wertanlagen und Spekulationsobjekte geworden", so Dillemuth.

Es stelle sich für den Künstler die Frage, wie er da herauskomme. "Man könnte das ganze System verlassen und in die Wüste gehen und beten, also Mönch werden", so Dillemuth. Doch als jemand, der sich selbst reibe an einem Betrieb, daran teilhabe, sich damit auseinandersetze, könne man aber das System nicht so leicht verlassen, weil man dann auch die Diskurse verlasse.

Eigene Räume als Alternative zum modernen Kunstmarkt

Eine der möglichen Lösungen könne sein, teilzunehmen aber sich dafür seine eigenen Räume zu schaffen: "Also eigene Texte zu schreiben, eigene Kunstmagazine zu gründen, und für eine Weile gab es in den frühen 90ern dann parallel zum etablierten und kommerziellen Kunstbetrieb eine Form von selbstorganisierter Kunstwelt."

Aber Dillemuth schränkt auch klar ein, dass er nicht jede Kunst, die verkauft werde, als "Kommodifizierung" abkanzeln wolle: "Wir wissen ja alle, dass wir von irgendetwas leben müssen."

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