Seit 06:07 Uhr Studio 9
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 06:07 Uhr Studio 9
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 15.08.2012

Steinfeld: Kein literarischer Racheakt an Schirrmacher

Feuilleton-Skandal um Schwedenkrimi

Podcast abonnieren
Thomas Steinfeld, Feuilleton-Chef der Süddeutschen Zeitung (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
Thomas Steinfeld, Feuilleton-Chef der Süddeutschen Zeitung (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Der Feuilleton-Chef der Süddeutschen Zeitung, Thomas Steinfeld, hat unter dem Pseudonym Per Johannson den Schwedenkrimi "Der Sturm" verfasst. Darin wird ein Zeitungs-Chefredakteur umgebracht. Dass diese Figur FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher sein soll, bezeichnet Steinfeld als "völligen Unsinn".

Anfang der Woche äußerte "Welt"-Literaturchef Richard Kämmerlings den Verdacht, bei dem fiktiven Großjournalisten handele es sich um Frank Schirrmacher, den Mit-Herausgeber der Frankfurt Allgemeinen Zeitung. Im Deutschlandradio Kultur sagte Kämmerlings:

"Ganz offensichtlich gibt es hier, ja, eine offene Rechnung oder so etwas wie den Wunsch jedenfalls, ja, also die vielleicht Rivalitätsgefühle gegenüber der Konkurrenz, gegen einen Konkurrenten speziell, eben Chef eines anderen großen Feuilletons, ja, den eben symbolisch zu vernichten, könnte man oder muss man eigentlich nach Lektüre des Romans sagen."

Nun hat sich Thomas Steinfeld zu den Vorwürfen geäußert. Er bestätigte, den Roman verfasst zu haben. Den Vorwurf eines literarischen Rufmords wies er allerdings entschieden zurück. Steinfeld sagte: "Dieser Großjournalist ist ein Amalgam aus lauter Figuren, die wir alle kennen. Er ist nichts Spezifisches von einer Person. Es ist eine rein abstrakte Figur."

Kämmerlings führte als Indiz für seine These vom Schirrmacher-Mord an, dass der im Roman ermordete Chefredakteur zu denselben Themen publiziert hätte wie Schirrmacher. Steinfeld verwies darauf, dass Problemfelder wie "Finanzkrise" und "Überalterung der Gesellschaft" nicht allein vom FAZ-Mitherausgeber besprochen würden: "Das sind die großen Themen, die uns alle die letzten Jahren beschäftigt haben."

Dennoch sei er überrascht gewesen, dass seine Identität hinter dem Pseudonym derart schnell publik wurde, sagte Steinfeld. Er bestätigte zudem, dass sich hinter dem Pseudonym Per Johannsen auch noch ein weiterer Autor verbirgt. So sei der Roman in enger Zusammenarbeit mit einem Münchner Arzt entstanden, der sich sehr gut mit Kriminalromanen auskenne.

Nach knapp zehn Büchern zu wissenschaftlichen Themen wollte Steinfeld sich einer anderen Herausforderung stellen. Der Kriminalroman zähle für ihn zu den wichtigsten Genres der Literatur. Mittlerweile bewertet Steinfeld sein Projekt etwas anders: "Was mich in den vergangen zwei Tagen diese Geschichte schon an Nerven gekostet hat, da bin ich mir gar nicht so sicher, ob ich, wenn ich die Wahl gehabt hätte, das hätte machen wollen."

Hinweis:
Sie können das vollständige Gespräch mit Thomas Steinfeld mindestens bis zum 16.1.2013 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Subtile Vergeltung

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsWenn Berlin baut
Der Rohbau des Berliner Schlosses (M), das den Namen Humboldt-Forum trägt, ist am 09.06.2015 in Berlin am Schinkelplatz zwischen dem eingerüsteten Neubau von Nobelappartements (l-r), der Humboldt-Box, dem Hotel Park Inn, dem Fernsehturm und der Schaufassade der Schinkelschen Bauakademie (r) zu sehen. Das Humboldt-Forum soll ab 2019 als Museum und für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden.  (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

In Berlin beschäftigt man sich gern ausführlich mit einem Bauwerk, ohne dass es dadurch wirklich gut oder wenigstens fertig wird - siehe Flughafen BER oder Humboldt-Forum. Letzteres ist Anlass für eine Grundsatzkritik in der "Süddeutschen Zeitung". Mehr

weitere Beiträge

Fazit

Kunstfälschungen"Heute juristisch nicht mehr relevant"
Eine Doppelbelichtung der Dada-Künstlerin Hannah Höch (Auszug der Fotografie um 1930).  (picture-alliance / Stephanie Pilick)

Offenbar sind gerade wieder etliche renommierte Kunstmuseen von Fälschungen betroffen. Im Zentrum steht die Sammlerfamilie Koretzky und eine Galerie, von der nicht feststeht, ob es sie wirklich gegeben hat. Kunstjournalist Carsten Probst erklärt die Zusammenhänge.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur