Seit 01:05 Uhr Tonart
 

Montag, 18.12.2017

Buchkritik | Beitrag vom 27.10.2017

Stefan Klein: "Das All und das Nichts"Mit staunenden Augen durchs Weltall

Von Gerrit Stratmann

Beitrag hören Podcast abonnieren
Buchcover "Das All und das Nichts" von Stefan Klein, im Hintergrund eine Strenschnuppe am Nachthimmmel (S. Fischer Verlag / dpa / /Patrick Pleul)
Buchcover "Das All und das Nichts" von Stefan Klein, im Hintergrund eine Strenschnuppe am Nachthimmmel (S. Fischer Verlag / dpa / /Patrick Pleul)

Warum gibt es Licht? Was ist Zeit? Wieso sind wir überhaupt da? In "Das All und das Nichts" gibt Stefan Klein Antworten auf die grundsätzlichen Fragen zur Entstehung der Welt. Dabei regt der Physiker und Philosoph die Leser vor allem zum Staunen an.

In den zehn Kapiteln seines Buches "Das All und das Nichts" lehrt uns Stefan Klein, unsere Welt und das Universum mit anderen Augen zu sehen. Denn die Welt ist anders, als sie uns erscheint, planlos, fremdartig und groß. Viel größer als wir uns vorzustellen in der Lage sind.

Zunächst ist sein Blick der eines Physikers: Stefan Klein erzählt von Chaos und Ordnung, von der Geschwindigkeit des Lichts, der Unberechenbarkeit der Zukunft, der Unumkehrbarkeit der Zeit und von den unendlichen Entfernungen im Weltall.

Dann schaut er aber auch immer wieder mit den Augen eines Romantikers auf die Welt, der sich auf die Suche nach dem begibt, was hinter dem Sichtbaren auf uns wartet, der von Poesie spricht, vom schöpferischen Universum und seinen Geheimnissen, mit denen er uns bezaubern will. Und der keinesfalls glaubt, dass die Welt an Schönheit verliert, wenn man sie erklärt.

Bildhafte Beispiele statt nüchterner Erklärungen

Nun können Erklärungen unglaublich nüchtern sein. Stefan Klein jedoch füllt sein Buch mit persönlichen Geschichten, anschaulichen Zusammenhängen, bildhaften Beispielen und neugierig machenden Fragen.

Inhaltlich spannt er dabei den Bogen vom ersten Licht der Welt (der kosmischen Hintergrundstrahlung) über die Natur der Photonen hin zu Relativität, Schmetterlingseffekt und Quantenmechanik. Vom Higgs-Feld zur Dunklen Materie, über die Inflation bis hin zur möglichen Existenz unendlich vieler Universen und damit zur Wahrscheinlichkeit für intelligentes Leben.

Der Physiker, Philosoph und Wissenschaftsautor Stefan Klein (Andreas Labes)Der Physiker, Philosoph und Wissenschaftsautor Stefan Klein (Andreas Labes)

Vordergründig arbeitet er damit das Standardmodell der Kosmologie ab (auch wenn manche Antworten dieses Modells noch als vorläufig gelten müssen). Für eine solche Beschreibung bräuchte man das Buch nicht kaufen. Das Standardmodell wird in anderen Büchern umfassender und detaillierter dargestellt. Aber Stefan Klein geht es nicht um Vollständigkeit, sondern vor allem um die Punkte des modernen Welterklärungsmodells, die zum Staunen anregen. Als Physiker und Philosoph weiß Klein, dass gerade die grundlegenden Fragen viel Staunenswertes und Unerklärliches bereithalten: Warum gibt es Licht? Was ist Zeit? Gibt es das Nichts? Warum konnten Zucker, Äpfel, Sterne entstehen? Und warum sind wir überhaupt da?

Wunderbar zugänglicher Wegweiser

So ist es weniger der Inhalt als die abwechslungsreiche Art der Präsentation, die das Buch lesenswert macht. Stefan Klein entfaltet nicht nur das physikalische Weltbild, das die Forscher in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben, er regt auch zu Perspektivwechseln an, um die rätselhafte Beschaffenheit der Welt vor Augen zu führen. Das gelingt ihm sogar fast ohne Bilder. Allein seine anschaulichen Beispiele und konkreten Schilderungen machen das Buch zu einem wunderbar zugänglichen Wegweiser durch das All.

Stefan Klein: "Das All und das Nichts. Von der Schönheit des Universums"
S. Fischer Verlag, München 2017
240 Seiten, 20,00 Euro

Mehr zum Thema

60 Jahre Sputnik - Das erste Piepsen aus dem Weltall
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 04.10.2017)

Mars-Kolonien - Können Menschen im Weltall siedeln?
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 22.07.2015)

Raumfahrt - Wer wird die erste Deutsche im All?
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 17.08.2017)

Sommerreihe - Ferne Welten - Auf der Suche nach Leben im All
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 31.07.2017)

Buchkritik

weitere Beiträge

Literatur

Schriftsteller und ihre PseudonymeDie Lizenz zur Lüge
Tippen auf einer alten Schreibmaschine (imago / Busse )

"Pseudonyme sind wie kleine Menschen. Es ist gefährlich, Namen zu erfinden – ein Name lebt", schrieb Kurt Tucholsky, der unter anderem als Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel Texte veröffentlichte. Wozu dieses Versteckspiel vieler Autoren hinter Pseudonymen?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur