Mittwoch, 22.11.2017

Tonart | Beitrag vom 13.09.2017

Star-Produzent Don Was "Meine Vision: Keine schlechten Alben zu machen"

Von Marcel Anders

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Musiker Don Was bei der Einweihung des Sterns für ihn auf dem Walk of Fame am 8. Februar 2010 (dpa / Picture Alliance / Nina Prommer)
Don Was: Musikproduzent der Superstars (dpa / Picture Alliance / Nina Prommer)

Don Was ist der Produzent etlicher Superstars – von den Rolling Stones über Bob Dylan bis Elton John. Trotz seiner Beliebtheit an den Reglern – er versteht sich vor allem als Fan. Seinen 65. Geburtstag feiert das musikbegeisterte Arbeitstier natürlich im Studio.

Ein Grund, warum Don Was diese berühmten Kunden hat, liegt darin, dass er ein Vollblutmusiker ist, was bei anderen Musikern natürlich gut ankommt. Zu seinen Stammkunden zählen neben den Stones, Bob Dylan und Elton John auch Brian Wilson, Iggy Pop, Van Morrison und Gregg Allman.

Und noch einen Grund für seine Beliebtheit an den Reglern gibt es: Trotz seiner langen Karriere hat sich der Star-Produzent die Begeisterung eines echten Musikfans bewahrt.

"Musik ist ein Nervenkitzel wie Surfen"

"Ich mag, was ich tue. Für mich ist Musik ein Nervenkitzel wie Surfen, aber auch wie Meditation. Insofern verstehe ich meine Tätigkeit nicht als Job. Sondern: Sie ist aufregend und ich schätze mich wahnsinnig glücklich. Ich kann selbst nicht glauben, mit wem ich alles im Studio und auf der Bühne war. Und: Wie könnte man das ablehnen?"

Don Was spricht wie ein großer Junge und wie ein Fan. Seine Sätze enden mit "man" oder "dude", er grinst wie ein Honigkuchenpferd und sieht aus, als wäre er auf Tournee: Buschiger Vollbart, ausgebleichte Dreadlocks, angewachsene Sonnenbrille, Hut, Jeans und T-Shirt. Der Look eines Rockmusikers.

Doch diese Phase hat Was hinter sich. Seine Band "Was (Not Was)" hatte in den 1980ern einen Hit mit "Walk The Dinosaur".

"Bob Dylan ist ein großer Spaß" 

Heute arbeitet er erfolgreich mit Künstlern, die im Studio als echte Diven gelten – sich unter seiner Regie aber handzahm und charmant erweisen.

"Da sind so viele, Mann. Bob Dylan ist zum Beispiel ein großer Spaß, was man nicht erwarten würde. Nur: In seinen Anfangstagen haben ihn die Leute mit Charlie Chaplin verglichen – weil er auf der Bühne unglaublichen Humor gezeigt hat. Und er ist immer noch witzig. Der Lustigste, mit dem ich je gearbeitet habe, war aber Randy Newman. Jeden Abend, wenn wir im Studio fertig waren, tat mir das Gesicht weh – vom vielen Lachen."

"Der fünfte Stone"

Ins Schwärmen gerät Don Was auch bei seinen berühmtesten Stammkunden, den Rolling Stones. Seit "Voodoo Lounge" von 1994 bestimmt er als Produzent den Sound der Band – und gilt mittlerweile als so etwas wie der fünfte Stone.

Und auch beim nächsten Album, das 2018 erscheinen soll, wird er wieder dabei sein, wie er lächelnd verrät. Mehr könne er aber noch nicht sagen, weil die "Jungs", wie er sie nennt, sich gerade bei einigen Europa-Konzerten warmspielen und noch an Songideen feilen.

"Das ist die beste Band, die ich je gehört habe. Die Chemie ist unglaublich und sie haben enormes Charisma. Wir waren öfter in riesigen Studios, in die auch ein 90-köpfiges Orchester gepasst hätte, aber die vier waren da ganz allein – und haben den Raum komplett ausgefüllt. Einfach weil sie Charakter, Persönlichkeit und Talent haben."

"Miley Cyrus - eine großartige Künstlerin"

Als Musikfan, der seit den späten 60ern aktiv ist, hat Don Was eine lange Wunschliste mit Künstlern, mit denen er gerne arbeiten würde. Darunter finden sich einige überraschende Namen, weil sie eigentlich nicht zu seiner Rock-Klientel passen. Doch da hat der Mann aus Detroit, der aktuell in Los Angeles lebt, keine Berührungsängste.

"Weißt du, wen ich toll finde? Miley Cyrus – eine großartige Künstlerin! Und hätte ich eine Zeitmaschine, würde ich gerne mit Muddy Waters und John Lennon arbeiten. Davon träumt ja jeder Produzent. Und natürlich mit Miles Davis."

Boss des Jazz-Labels Blue Note

Die Erwähnung von Miles Davis ist kein Zufall: Wenn er nicht hinterm Mischpult sitzt, leitet Don Was "Blue Note" – eines der ältesten und bekanntesten Jazz-Labels der Welt. Dem steht er seit 2012 als Präsident vor und hat das Unternehmen zurück in die schwarzen Zahlen geführt:

"Ich habe eine simple Vision: Nämlich keine schlechten Alben zu machen", sagt er lachend.

"Das ist der Schlüssel zum Erfolg in der Musikindustrie. Und wenn ich Leute höre, die über die Probleme der Branche reden, dann sage ich: 'Würdet ihr bessere Alben machen, hättet ihr die nicht.' Im Ernst: Man muss Künstler unter Vertrag nehmen, an die man glaubt – und sie dann ihr Ding machen lassen, ohne ihnen reinzureden."

"Wahrscheinlich werde ich im Studio feiern"

Weniger Kontrolle, weniger Druck, aber umso mehr Vertrauen und Unterstützung. Don Was versteht sich als Musiker, der mit Musikern arbeitet, der weiß, wie sie ticken und sich als einer von ihnen sieht. Kein Boss in Schlips und Kragen, kein Buchhalter-Typ, sondern ein Kumpel oder "dude". Damit hat er es weit gebracht und wird es noch weit bringen.

Schließlich begeht er heute erst seinen 65. Geburtstag – und zwar so, wie es sich für ein musikbegeistertes Arbeitstier gehört:

"Wahrscheinlich werde ich im Studio feiern, wo ich mit Charles Lloyd arbeite – einem meiner Helden. Ich habe ihn als Teenager mit dem Keith Jarrett-Quartett gesehen und seitdem bin ich ein Fan. Ich schätze, wir werden uns etwas zu essen bestellen und durcharbeiten. Denn am nächsten Morgen geht es zum Monterey Jazz-Festival. Ein netter Event."

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