Seit 17:30 Uhr Tacheles
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 17:30 Uhr Tacheles
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.03.2015

StadtarchivDas Gedächtnis von Köln arbeitet wieder

Von Moritz Küpper

Podcast abonnieren
Eine Restauratorin reinigt im Restaurierungszentrum des Kölner Stadtarchivs eine historische Schrift. (dpa / picture alliance / Oliver Berg)
Eine Restauratorin reinigt im Restaurierungszentrum des Kölner Stadtarchivs eine historische Schrift. (dpa / picture alliance / Oliver Berg)

Am 3. März jährt sich der Einsturz des Kölner Stadtarchivs zum sechsten Mal. Wer noch den Trümmerkrater im Kopf hat, kann es kaum glauben: Inzwischen sind 18.000 Objekte wieder verfügbar und die Nutzung des Archivs ist rege.

Am Tag vor dem sechsten Jahrestag des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs sollte es positive Nachrichten geben.

Bettina Schmidt-Czaia, die Leiterin des Historischen Archivs der Stadt Köln, sitzt in einem Raum auf der 16. Ebene des Kölner Stadthauses in Köln-Deutz und zieht Bilanz. Seit längerem ist ja schon bekannt, dass 95 Prozent der insgesamt 30 Regal-Kilometer Archivmaterial geborgen werden konnten. Doch nun, nach einer ersten Aufarbeitungs-Phase, steht fest, dass nach Aussagen des Archivs insgesamt 96 Prozent dieses Materials nach einer Erstbehandlung wieder nutzbar wären. Mit anderen Worten: Nur vier Prozent der geborgenen Archivalien seien so stark beschädigt, dass ohne eine aufwändige Restaurierung keine Nutzung möglich ist.

Für Archivleiterin Bettina Schmidt-Czaia angesichts der Bilder aus dem März 2009, als sich Akten und Urkunden mit Bauschutt und Wasser durchmischten, eine mehr als positive Nachricht:

"Ja, das hätte man auf jeden Fall in den ersten Tagen nach dem Einsturz nicht gedacht. Und wir sind sehr stolz darauf, dass wir praktisch die Spannungslinie vom ersten Tag der Entscheidung, man will bergen und man will es wieder rausholen aus dem Einsturzgelände, dass das durchgehalten hat bis heute, mit den Restaurierungskampagnen, mit dem Aufbau des RDZ."

Denn vor allem diesem Restaurierungs- und Digitalisierungszentrums in Köln ist es zu verdanken, dass mittlerweile 1115 Objekte abschließend wiederhergestellt werden konnten. Insgesamt sind rund 18.000 Objekte – Stand heute – wieder verfügbar.

Objekte, die dringend für Forschungs- oder andere Zwecke benötigt werden, aber noch nicht restauriert wurden, können innerhalb von drei bis vier Monaten zugänglich gemacht werden. Bei Anfragen würde man diese vorziehen, so Archivleiterin Schmidt-Czaia, und danach entweder analog oder digital zur Verfügung stellen.

Zehn "Asyl-Archive" helfen den Kölnern

Voraussetzung ist aber, dass sie in Köln gelagert werden. Das soll etwa die Hälfte des Materials sein, der Rest verteilt sich auf sogenannte Asyl-Archive, beispielsweise in Bonn und Münster, aber auch in Freiburg oder Schleswig. Wie hoch der bereits nutzbare Anteil des gesamten Archivmaterials ist, ließ sich aber nicht beziffern.

Dennoch konnte das Archiv in der jüngeren Vergangenheit wieder verstärkt seiner eigentlichen Aufgabe nachkommen: Alleine im vergangenen Jahr gab es über eine halbe Millionen Nutzungen.

Die Leiterin des Kölner Stadtarchivs, Bettina Schmidt-Czaia (dpa / picture alliance / Oliver Berg)Die Leiterin des Kölner Stadtarchivs, Bettina Schmidt-Czaia (dpa / picture alliance / Oliver Berg)

Im Vergleich: Im Jahr 2012 waren es noch nur rund 166.000 gewesen. Doch die Zersplitterung der Bestände verhindert aktuell noch eine umfassende Nutzung. Für Schmidt-Czaia daher ein Zustand, der rasch beendet werden muss:

"Was wir uns jetzt für die Zukunft wünschen, ist eine sehr schnelle Realisierung des Neubaus, denn nur in einem Neubau wird es möglich sein, die Stücke, die jetzt noch in zehn Asyl-Archiven liegen durch die Restaurierungskampagnen zu schleusen, damit fortschreitende Schäden zu verhindern und tatsächlich die Nutzung zu realisieren. Das ist ja unser größtes Ziel, eine Benutzung zu realisieren. Die können wir nur in Köln anbieten, dazu müssen wir tatsächlich alles Archivgut zusammenführen in Köln."

76 Millionen Euro kostet das neue Stadtarchiv

Ursprünglich sollte dieser Neubau ja bereits in diesem Jahr eröffnet werden, doch die Realisierung verzögerte sich. Nach einem Ratsbeschluss der Stadt Köln aus der vergangenen Woche wird das neue Stadtarchiv nun kleiner werden: Die kommunale Kunst- und Museumsbibliothek, anders als ursprünglich vorgesehen, wird nicht in das Gebäude integriert, so spart man rund 22 Millionen Euro. Insgesamt belaufen sich die geschätzten Kosten auf 76 Millionen Euro.

Das Baugenehmigungsverfahren wurde nun eingeleitet und liegt, laut Petra Rinnenburger, zuständige geschäftsführende Betriebsleiterin der Gebäudewirtschaft, voll im Zeitplan:

"Wir haben also aktuell in unserer Bauzeitenplanung kein Bodenrisiko zu erwarten, was aus der Denkmalpflege kommt. Wir haben aktuell auch kein Risiko, das aus dem Thema autonomes Center kommt, weil die Autonomen wie gesagt schon umgezogen sind."

Durch das bereits erfolgreiche Räumen der Fläche soll nun im Jahr 2019 der Neubau fertig sein. Er soll auf fast 15.000 Quadratmetern die Bestände des Kölner Stadtarchivs endlich wieder zusammenführen. Aktuell muss das Archiv für Miete und Reisekosten gut drei Millionen Euro pro Jahr aufwenden. Verständlich, dass Archivleiterin Schmidt-Czaia diesen Zeitpunkt herbeisehnt:

"Uns kann es eigentlich nicht schnell genug gehen."

Mehr zum Thema:

Stadtarchiv Köln - Ursachen für Einsturz noch immer ungeklärt
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 3.3.2014)

Erinnerungskultur - Wenn ein Archiv an Demenz leidet
(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 27.2.2014)

Leiterin Kölner Stadtarchiv: Wir geben nichts auf
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 2.3.2010)

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Fazit

"Rheingold" in DüsseldorfEin veritables Wagner-Wunder
(Hans Jörg Michel)

Vorzügliche Darsteller und ein Regisseur, der sich "erfrischend überhaupt nicht" um die Erwartungen an diesen "Mount Everest" des Musiktheaters schert: Unsere Kritikerin Ulrike Gondorf hat in Düsseldorf eine gelungene Inszenierung von Wagners "Rheingold" erlebt.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur