Mittwoch, 25.04.2018
 

Interview | Beitrag vom 16.04.2018

Sprachwissenschaftler Jörg Meibauer"Lügner legen sich nicht gern fest"

Jörg Meibauer im Gespräch mit Dieter Kassel

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein gesprayter Schriftzug auf einer Wand: "Mal ehrlich" (imago )
Immer ganz ehrlich sein? Für Menschen ist das fast unmöglich. (imago )

Nur Menschen können lügen - Tiere nicht. Für unser soziales Handeln sei diese "kognitive Fähigkeit" sehr wichtig, meint der Sprachwissenschaftler Jörg Meibauer. Erkennen könne man den Lügner bisweilen an seiner Vorliebe für bestimmte sprachliche Ausdrucksformen.

Nicht alle "sprachlichen Formen" können gleichermaßen gut zum Lügen genutzt werden. So lasse sich mit Aussagesätzen nicht gut lügen, sagte Jörg Meibauer, Professor für deskriptive Sprachwissenschaft an der Universität Mainz, im Deutschlandfunk Kultur. 

Wissenschaftler hätten auf Basis statistischer Daten herausgefunden, dass Lügner beispielsweise häufig in der dritten Person von etwas reden. Auch würden sie bestimmte Ausdrücke öfter verweden – Wörter, die ihnen eine Ausflucht ermöglichen, wie "wahrscheinlich", "vermutlich" oder "könnte sein". Lügner würden sich nunmal ungern auf ein zu überprüfbaren Sachverhalt festlegen lassen, meinte Meibauer.

Klar sei auch, dass die Evolution das Lügen allein dem Menschen vorbehalten habe:

"Soweit wir wissen, können Tiere nicht lügen, die können täuschen. Lügen ist in dem Sinne eine spezielle menschliche kognitive Fähigkeit, die sehr wichtig ist für unser ganzes soziales Handeln."

(huc)

Mehr zum Thema

Gesellschaft - Du sollst nicht lügen – oder?
(Deutschlandfunk Kultur, Im Gespräch, 10.02.2018)

Lügen als politische Strategie - Trump lügt durchschnittlich fünfmal pro Tag
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 03.01.2018)

Zur Interkulturalität des Schwindelns - Das Lügen der Anderen
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 16.11.2017)

Interview

SchweinemastAlternativen zur Ferkelkastration gesucht
Schweinezuchtbetrieb in Nordwestmecklenburg - wenige Tage alten Ferkel liegen am 21.08.2014 in einer Box in den Abferkelställen der Tierzucht Gut Losten. (dpa / picture-alliance / Jens Büttner)

Männliche Ferkel werden kastriert, weil der strenge Geruch von Eberfleisch die Verbraucher stört und weil die Haltung von geschlechtsreifen Ebern aufwendig ist. Der Eingriff erfolgt meist ohne Betäubung. Über alternative Methoden sprechen wir mit dem Tierarzt Siegfried Moder.Mehr

Programm der RuhrtriennaleFlucht und Veränderungen aller Art
Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp bei der Programmpräsentation, rechts ein Plakat zur Ruhrtriennale 2018-2020 (Edi Szekely / Ruhrtriennale)

Die Intendantin der Ruhrtriennale, Stefanie Carp, hat das Programm des nächsten Kunstfestivals vorgestellt. Flucht ist Thema - aber jenseits von Begriffen wie Problematik und Krise: "Die Flüchtlinge sind ja keine Krisen, die flüchten aus Krisen, die Europäer verursacht haben", sagt sie.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur