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Kompressor | Beitrag vom 13.05.2015

Spieleforscher-Konferenz in Lüneburg Doch lieber spielen als leben?

Der Game-Forscher Markus Rautzenberg im Gespräch mit Timo Grampes

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Retrogames auf der Gamescom 2014 in Köln. (imago/Manngold)
Retrogames auf der Gamescom 2014 in Köln. (imago/Manngold)

Computerspiel - das ist weit mehr als nur ein weit verbreitetes Hobby. Es ist zum Gegenstand der Wissenschaft geworden, die "spielerische Erkenntnislehren" liefert. Eine davon lautet: Das Spiel kann auch von der existentiellen Last des Lebens befreien.

Morgen beginnt an der Leuphana-Universität in Lüneburg eine große Spieleforscher-Konferenz: die jährliche Zusammenkunft der Digital Games Research Association (DiGRA).  Einer der Konferenz-Redner ist der Berliner Philosoph und Medientheoretiker Markus Rautzenberg, der sich in seinem Vortrag mit den ästhetischen Erfahrungen von Computerspielen auseinandersetzt.

Rautzenberg sprach im Deutschlandradio Kultur über den Nutzen der wissenschaftlichen Beschäftigung mit diesem Phänomen:

"Diese Konferenz findet zu einem Zeitpunkt statt, wo sich das Medium Computerspiel von einem relativ überschaubaren Hobby von einigen pubertierenden Jungens zu einem globalen Phänomen entwickelt hat. Das nicht nur alle Gesellschaftsschichten durchdringt, sondern auch alle Geschlechterdifferenzen."

Die geisteswissenschaftliche Forschung beschäftige sich auch mit der "spielerischen Erkenntnislehre", sagte Rautzenberg. Dabei gehe es darum, dass der "Kern des Spiels" der "Umgang mit Unbestimmtheit" sei:

"Ein Spiel ist erst dann ein Spiel, wenn es irgendwo ein Element  von Unsicherheit gibt, wie es ausgeht. Das ist ganz normal: In einem Glücksspiel darf nicht klar sein, wie der Würfel fällt. Sonst macht es keinen Spaß. In jedem einzelnen Spiel gibt es dieses Problem der Unbestimmtheit."

Probehandlungen ohne Risiko

Diese Situation sei im Spiel nicht bedrohlich. Man könne mit solchen Erfahrungen Probehandlungen durchführen und Risiken eingehen, die im normalen Leben vielleicht fatale Folgen hätten:

"Es befreit den Spieler. Es befreit ihn von einer existentiellen Last, die das Leben einem nun einmal aufbürdet. Solche Umgänge mit Unbestimmtheiten sind im Leben normalerweise existentielle, ernste Angelegenheiten. Im Computerspiel ist die Ernsthaftigkeit zwar immer noch vorhanden, aber sie kann in einem geschützten Raum neu angegangen werden."

Markus Rautzenberg ist Philosoph und Medientheoretiker. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind Medientheorie, Bildtheorie, philosophische Ästhetik und Games Studies.

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