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Profil / Archiv | Beitrag vom 24.09.2009

Spiele fürs Kreative

Erfinderin Anja Wrede im Porträt

Von Camilla Hildebrandt

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Anja Wrede (Sabine Lohf)
Anja Wrede (Sabine Lohf)

Anja Wrede hat bereits über 40 Spiele auf den Markt gebracht und auch einen eigenen Verlag gegründet. Nun ist eine Ausstellung über sie und ihre Arbeit im Unternehmerinnenzentrum Hannover zu sehen.

Aus Spielanleitung:
"Gänsemarsch: Inhalt - 1 Fuchs, 8 Bewegungskarten, 24 Wiesenkarten, 1 Spielanleitung."

Anja Wrede: "”Mit meiner Schwester habe ich viel gespielt, auch mit Mama und Papa, aber mit Papa hörte das ganz schnell auf, als die Mädchen anfingen ihn beim Dame und Mühle zu besiegen, dann verlor er plötzlich die Spiellust ziemlich spontan.""

Aus Spielanleitung:
"Spielidee: Die Kinder toben mit den Gänsen auf der Wiese herum. Dabei machen die Gänse, je nach Karte, acht verschiedene Bewegungen vor ...."

Aus Spielanleitung:
"Aufgabe: Können die Kinder jede Bewegung mindestens einmal ausführen, bevor der Fuchs um die Gänsewiese herumgelaufen ist ...?"

Spiele seien einfach wunderbar, sagt Anja Wrede und schaut amüsiert den Drei- bis Fünfjährigen in der Kita zu, die wie aufgescheuchte Hühner um den Tisch herum rennen und "der Fuchs" schreien. Einer lauter als der andere – schließlich ist das die Aufgabe.

Spiele fördern die Kreativität, die Sozialentwicklung und vieles mehr, meint die 41-jährige Spiele-Erfinderin. Und das sowohl bei kleinen als auch bei großen Teilnehmern.

Anja Wrede: "”Am leichtesten beschreiben kann man das, wenn man sich so eine Situation am Tisch vorstellt, da sitzen mehrere Leute zusammen, die einigen sich darauf die Regeln zu befolgen, die im Regelheft stehen. Das ist schon mal eine Qualität: alle halten sich an die Regeln. Die Erwachsenen genauso wie die Kinder. Das ist manchmal für die Kinder ganz toll, dass für den Papa die gleichen Regeln gelten, und er nicht die Macht hat wie im normalen Alltag ...""

Zum Spiele erfinden ist Anja Wrede, schmal, mit rot-braunem, kurzen Haarschopf, per Zufall gelangt. Denn nach dem Abitur versuchte sie sich zunächst als Textilnäherin, nahe ihrem Geburtsort Emmen in Niedersachsen. Eine Entscheidung, die sie bald bereute.

"Das war 1990, und da waren so karierte Sakkos in Mode. Und da musste ich monatelang diese Rückennaht nähen. Und wenn ich dann irgendwo war, damals war ich dann auch mal in Berlin, da hab ich dann sämtlichen Männern in der U-Bahn auf die Rückennähte geschaut und geguckt, ob die ordentlich genäht sind oder ob sich da was verschoben hatte."

Nach einem Sozialpraktikum in Frankreich stand es aber schließlich fest: sie wollte Erziehungswissenschaften studieren mit Fachrichtung: Spiel und Bildungsmittelberatung.

"Damit haben sie mich dann gekriegt, weil meine Schwester und ich, wir haben beide immer sehr viel gezeichnet und gebastelt und meine Mutter hat auch gerne gezeichnet und mein Vater von Berufs wegen, weil er Tischler war und die ganzen technischen Zeichnungen gemacht hat."

Während eines Praktikums bei einer Spielwarenfirma bekam Anja Wrede schließlich zum ersten Mal die Aufgabe gestellt, selbst ein Spiel zu entwickeln. Das war der Beginn ihrer professionellen Leidenschaft. Seitdem hat sie über 40 Spiele erfunden und illustriert. Außerdem gibt sie regelmäßig Seminare, in denen sie Lehrern und Erziehern erklärt, wie wichtig Spiele im Lernprozess sind.

Anja Wrede: "Moment, nein, die sind nicht gemischt ..."

Aus Spielanleitung:
"Hai-Alarm am Küchentisch: Spielinhalt: je 32-Hai- und Delfine-Karten. Wer als Erster sieben Delfine zusammenbringt, wer mit drei Haikarten mehr als alle anderen Hai-Alarm auslösen kann, hat gewonnen!"

Anja Wrede: "”Das geht gut mit Erwachsenen, weil man da bluffen muss ... Zu Beginn hat jeder drei Karten, die nehmen Sie auf die Hand, und da sind entweder Haie oder Delphine drauf ...""

... erklärt Anja Wrede, die mittlerweile wieder zuhause an ihrem Schreibtisch sitzt und die Karten auf den Tisch legt. Auf dem Boden neben dem Tisch hat es sich Hündin Afra gemütlich gemacht – eine ihrer größten Inspirationsquellen. Z. B. für das Bewegungsspiel "Schnuffi Wuff".

"Ja, da war Afra mit ausschlaggebend. Denn sie kann ziemlich viele Tricks. Sie kann sich um sich selbst um sich selbst drehen, bellen, heulen auf Kommando, natürlich pinkeln.

Das erste Mal hab ich gemerkt, als ich Blockflöte gespielt habe, da hat sie sich hingesetzt und mitgeheult. Und inzwischen macht sie es auch, wenn eine ihr vertraute Menschengruppe heult, dann setzt sie sich daneben und macht mit, was natürlich sehr lustig ist."

Zusammen mit Afra ist Anja Wrede gerade erst von Hannover nach Berlin umgezogen. Der Grund: der Spiele-Verlag Edition Siebenschläfer, den sie zusammen mit Claudia Hartmann – ihrer ehemaligen Studien-Kollegin - dieses Jahr ins Leben gerufen hat.

Anja Wrede: "”Als wir angefangen haben, da war von Wirtschaftskrise noch nicht die Rede. Wir sind da seit zwei Jahren dran, dass wir das machen wollen. Und wir wollen es eigentlich machen, um wirklich Projekte zu haben, die wir von vorne bis hinten selbst bestimmen und aber auch komplett selbst verantworten. Es gibt nicht so viele Verlage aber viele Spiele-Autoren, es gibt wenige Aufträge, und das meiste ist klassisches Klinken-Putzen.""

Ob sie denn heute auch noch selbst spiele, zum Beispiel mit ihren Freunden? Na klar, sagt Anja Wrede.

Anja Wrede: "”Also, ich finde Spielen schön, weil man geht einfach anders miteinander um, als im normalen Alltag, man bekommt etwas mit über den anderen, ohne ihn groß auszufragen.""

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