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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 13.03.2017

Soziologin Jutta AllmendingerWarum bedingungslose Auszeiten vom Job wichtig sind

Moderation: Katrin Heise

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Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (dpa / picture alliance / Peer Grimm)
Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (dpa / picture alliance / Peer Grimm)

Sie spricht sich für eine 32-Stundenwoche aus: Jutta Allmedinger erforscht, wie Arbeitsmarkt und Bildungssystem den Lebensverlauf der Menschen prägen. Die Soziologin leitet das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung - und mischt sich gern in öffentliche Debatten ein.

Wenn es darum geht, Jutta Allmendinger zu charakterisieren, wird gern die Geschichte von Hase und Igel herangezogen: Die Soziologin ist meist schon angekommen, wenn die anderen noch gar nicht losgelaufen sind. Studium, Promotion, Habilitation – all das hat die heute 60-Jährige in Rekordzeit erledigt. Mit 36 war sie Professorin, sie hat in den USA geforscht und war später Beraterin der Bundesregierung.

Wie das Bildungssystem den Lebensverlauf prägt

Seit zehn Jahren leitet die gebürtige Mannheimerin nun das renommierte Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), wo sie unter anderem erforscht, wie Arbeitsmarkt und Bildungssystem den Lebensverlauf der Menschen prägen. Ihre ersten Forschungsarbeiten zum Thema Bildungsbiografie führte sie währen ihres USA-Aufenthaltes durch:

"Das erste Mal, wo ich mich damit beschäftigt habe, war tatsächlich auch in den USA, weil ich da in Gastfamilien leben durfte und die Kinder beobachtete, die ja in ein ganz anderes Schulsystem gehen, welches eben nicht in einem frühen Alter trennt von zehn Jahren. Das hat mich fasziniert. Ich bin schon damals mit diesen Kindern meiner Gastfamilie in die Schule gegangen und habe mir das angeschaut.

Ich habe dann auch mein Thema vollständig gewechselt und habe einen internationalen Vergleich von Schulsystemen in den USA gemacht, um auch zu verstehen, wie es eigentlich sein kann, dass diese Bremsen, wo man also auch Kinder unterschiedlicher Schichten ausbremst in den unterschiedlichen Systemen, unterschiedlich schnell im Lebensverlauf angesetzt werden."

Frauen wollen weniger Opfer bringen

Zu ihren jüngsten Projekten gehört eine sogenannte Vermächtnisstudie, in der die Teilnehmer unter anderem gefragt werden, was sie heute anders machen würden:

"Bei Frauen beispielsweise ganz exemplarisch: Frauen sagen: Nee, im nächsten Leben, da sollte man doch ein bisschen mehr auf sich achten, zumindest weniger Opfer für eine Partnerschaft bringen. Bei den Kindern ist das etwas anderes. Da will man genauso sich verhalten, wie man sich im Moment auch verhält. Man will präsenter im Beruf sein. Diese ganzen Vorstellungen kommen da sehr schön raus.

Aber es kommen auch die jungen Väter, die nicht alle so jung sein müssen. Auch so 50-, 60-jährige Väter, die zu ihren Kindern in Anführungszeichen sagen 'Ich habe irgendwie verpasst, groß zu werden. Mach das mal anders als ich'."

32-Stundenwoche und bedingungslose Auszeiten

Vom WZB aus mischt sich Jutta Allmendinger außerdem in die öffentlichen Debatten ein – und spricht sich etwa für eine 32-Stundenwoche und bedingungslose Auszeiten für Arbeitnehmer aus. Auch sie selbst achtet auf regelmäßige Auszeiten von ihrer Arbeit, die sie unter anderem nutzt, um sich um ihre Familie und Freundschaften zu kümmern.

Jutta Allmendinger freut sich, dass sie längst keine Ausnahmeerscheinung mehr ist in ihrer Leitungsposition und sie beobachtet, dass Frauen sich immer besser vernetzen.

"Frauennetzwerke werden langsam klasse, aber zu meinen Zeiten waren sie einfach nicht vorhanden, weil die Frauennetzwerke keine anderen Frauen umspannten, die auch in Führungspositionen sind. Das ist jetzt anders. Also in Berlin formt sich langsam ein richtig tolles Frauennetzwerk, wenn man das so fassen möchte, über ganz unterschiedliche Berufe, Disziplinen, Tätigkeitsbereiche hinweg."

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