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Tonart | Beitrag vom 17.06.2015

Songwriterin Meg BairdDen Pazifik vor Augen

Von Fanny Tanck

Kalifornien: San Francisco Golden Gate Brücke, 2006 (picture alliance / dpa / Udo Bernhart)
Golden Gate Bridge in San Francisco. Die Nähe zum Meer macht sich auf Meg Bairds neuem Album bemerkbar. (picture alliance / dpa / Udo Bernhart)

Sängerin und Multi-Instrumentalistin Meg Baird war lange Zeit ein Aktivposten in Philadelphias Musikszene und Aushängeschild des Psychedelic Folk. Jetzt ist sie nach San Francisco übergesiedelt und das hört man ihrem neuen Album auch an.

Beinahe reglos auf einem Stuhl sitzend, die Beine übergeschlagen, formt sie mit geschlossenen Augen Töne wie Rauch. Töne, die sich, kaum dass sie den Mund verlassen haben, als sanfte Nebelschleier über endlose, durchlässige Gitarrenakkorde legen - sphärisch, mysteriös und irgendwie anders: So kennt man Meg Baird. Ihre Stimme scheint von weit her zu kommen- und trifft dennoch auf wundersame Weise einen "entrückten" Nerv der Zeit.

Vor vier Jahren ist Meg Baird von Philadelphia nach San Francisco gezogen, ein Tapetenwechsel, der ihre Musik hörbar verändert hat.

"Umziehen an sich ist ja schon eine schwierige Angelegenheit. Es ist aufregend, aber es setzt auch viele komplizierte Gedanken frei. Dinge, die man woanders nie oder nie so gedacht hätte. Mich haben aber z.B. auch ganz naheliegende, natürliche Phänomene beeinflusst, das völlig andere Klima hier und dass man so nah am Pazifik ist, das dominiert das ganze Lebensgefühl."

Eine Platte wie ein Skizzenblock

Dementsprechend klingt "Don’t Weigh Down The Light" wie ein Skizzenblock, in dem die Gerüche, Geschmäcker und Lichtverhältnisse der Westküste zu atmosphärischen Kleinoden verwoben und gesammelt werden.

Wenngleich weniger minimalistisch und deutlich opulenter produziert als ihre früheren Alben, sind es auch diesmal die Gegensätze, die Meg Baird am meisten interessieren: Das Spiel von Licht und Schatten, traurig schöne, gebrochene Stimmungen, die sie mit klaren musikalischen Formen kontrastiert. Instrumente und Klangtexturen werden nach dem Ying-Yang-Prinzip ergänzt: Was sich hier reibt, wird dort harmonisch vereint. So entstehen Songs wie der Mensch selbst: widersprüchlich im Detail, einheitlich als atmender Organismus.

"Mit dieser Platte wollte ich wirklich das Helle und Dunkle hervorheben. Und auch die beiden Seiten einer neuen Heimat. Das Positive und das Negative. Da dies mein kalifornisches Album ist, möchte ich natürlich zeigen, wie schön es hier sein kann, wie schön und fröhlich und feierlich, aber es gibt auch diese andere Seite hier: eine tiefe Traurigkeit hinter der Fassade."

Meg Baird besitzt keinen Facebook Account und lebt auch sonst eher zurückgezogen. Dennoch, oder gerade darum ist die Nähe ihres Wohnorts zum Schmelztiegel technologischer Supermächte ein Thema, das sie umtreibt und nachdenklich macht. Nicht selten verspürt sie den Wunsch, das ursprünglich Humane, Berührbare, Erdige zumindest in ihrer Musik zu konservieren.

Musik als Speichermedium

"Für mich ist Musik wie ein Speichermedium. Sie ruft Erinnerungen wach. Alles, was man mal gehört, gelesen oder gesehen hat, ist da drin. Ich glaube, wenn man so ein Typ ist, jemand, der Musik mit Bildern und Erfahrungen anfüllt, dann wird man diese Songs genießen."

Im Unterschied zu Philadelphia ist San Francisco ein Ort der Professionalisierung und Vermarktung geworden. Trotz seiner symbolträchtigen Hippie-Vergangenheit soll auch Musik hier inzwischen möglichst schnell, poliert und multimedial funktionieren - mit Ausnahme einiger Nischen.

In denen sitzen die Menschen mit längeren Aufmerksamkeitsspannen. Meg Baird gehört dazu. Und ihre Musik ist für ihresgleichen gemacht. Für Leute, die ohne Verpackungslügen auskommen und lieber ihrer eigenen Vorstellungskraft vertrauen.

Tonart

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