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Tonart | Beitrag vom 06.06.2018

Solodebüt von Shannon ShawKratzige Stimme, sanfte Gitarre

Von Kerstin Poppendieck

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Die blonde Sängerin und Bassistin Shannon Shaw mit einer Hochsteckfrisur und schwarzem Shirt (Alysse Gafkjen)
Die Sängerin und Bassistin Shannon Shaw (Alysse Gafkjen)

Mit "Shannon in Nashville" hat die amerikanische Sängerin Shannon Shaw ein zeitloses Debütalbum vorgelegt. Es zeigt, wie aus einer selbstzweiflerischen eine selbstbewusste Musikerin wurde, die mal in Richtung Motown, mal in Richtung Country geht.

Eine leicht kratzige Stimme mit hohem Wiedererkennungswert, eine sanft gezupfte Pedal-Steel-Gitarre und eine Box voller sentimentaler Erinnerungen, von denen eben diese leicht kratzige Stimme gefühlvoll singt. "Golden Frames" ist nicht nur der Eröffnungssong von Shannon Shaws Debütalbum, dieses Lied war das erste, das Shaw an den Produzenten und Black-Keys-Frontman Dan Auerbach schickte. Aber um die Geschichte richtig zu erzählen, müssen wir noch ein paar Monate zurückgehen.

Als Dan Auerbach in einem Plattenladen in Memphis/Tennessee ein Album von Shannon And The Clams hörte, war er nicht nur begeistert, er wollte unbedingt ein Soloalbum mit der Sängerin, eben Shannon Shaw, aufnehmen. Er lud sie ein in sein Studio nach Nashville, aber sie zögerte, hatte Angst, Auerbachs Ansprüchen nicht zu genügen. Schließlich hatte sie damals auch nicht mehr als eine Handvoll Songs vorzuweisen. Die Selbstzweifel blieben, trotzdem stieg sie ins Flugzeug.

"Ich war so angespannt und ängstlich. Viele der Studiomusiker haben schon auf Alben mitgespielt, die heute Klassiker sind. Bei Elvis zum Beispiel, Neil Diamond, Aretha Franklin und Johnny Cash. Ich hab mich am Anfang so einsam gefühlt, denn all die anderen Musiker kannten sich schon lange und wussten genau, was sie taten. Ich dagegen war panisch, denn ich hatte so noch nie gearbeitet. Aber ich wusste, je länger ich mich verschließe und verängstigt bin, desto mehr Zeit im Studio würde ich verschwenden. (...) Das war für mich wie ein Neuanfang. Alles, was ich bisher musikalisch gemacht habe, habe ich über Bord geworfen und ganz neue Dinge ausprobiert."

Stolz auf die eigene musikalische Vielfalt

Wenn Shannon Shaw heute von ihren Erlebnissen in Nashville erzählt, merkt man ihr an, wie stolz sie auf sich ist. Nicht nur auf ihre Musik, auch auf sich als Person – auf die vielen Stile, die sie sich angeeignet hat. Und so gehen die dreizehn Songs auf ihrem Album "Shannon in Nashville" mal in Richtung Motown, mal in Richtung Country, Soul, R'n'B und Western Sound.

Ohne Frage hat neben Shannon Shaw Dan Auerbach den größten Anteil an diesem Album. Er hat die Songs mitgeschrieben, hat sie komponiert und produziert. Und tatsächlich ist es mittlerweile so etwas wie ein Lottogewinn, von Auerbach produziert zu werden. Shannon Shaw findet sich da jetzt in der Gesellschaft von Musikern wie Lana Del Rey, The Pretenders, Lucinda Williams oder Robert Finley wieder – Auerbachs letzte große Entdeckung.
Shannon Shaw: "Dan Auerbach ist ein echtes Arbeitstier. Alles, was ihn interessiert, ist Musik zu schreiben und im Studio zu arbeiten. Ich glaube, er hat den Spaß am Touren verloren. Aber als Produzent blüht er auf, wenn er sich den ganzen Tag in einem Studio ohne natürlichem Licht vergräbt und von früh bis spät neue Sounds kreiert. Er mag es, seine eigenen Ideen mit denen anderer Musiker zu verschmelzen." 

Auerbach schafft es, die außergewöhnliche Stimme Shannon Shows in den Mittelpunkt des Albums zu stellen, und gleichzeitig den Studiomusikern den verdienten Raum zu geben. Neben Schlagzeug, Gitarre und Klavier setzen Streicher, Vibraphon und Glockenspiel Akzente. Auch wenn manche Songs sich ordentlich an Genre-Klischees bedienen, hat Shannon Shaw mit ihrem Solodebüt "Shannon in Nashville" ein zeitloses Album vorgelegt, dass beeindruckend zeigt, wie aus einer selbstzweiflerischen Shannon Shaw eine selbstbewusste Musikerin wurde. Gut für Shannon Shaw selbst und gut für uns.
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