Seit 14:05 Uhr Kompressor
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 14:05 Uhr Kompressor
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.08.2011

"So lässt man Leute ins offene Messer laufen"

Medienwissenschaftler: Boettichers Rückzug kommt Partei gelegen

Rainer Burchardt im Gespräch mit Matthias Hanselmann

Podcast abonnieren
Christian von Boetticher (m.) nach seinem Rücktritt vom CDU-Frakionsposten in Schleswig-Holstein
Christian von Boetticher (m.) nach seinem Rücktritt vom CDU-Frakionsposten in Schleswig-Holstein

Der Kieler Medienwissenschaftler Rainer Burchardt geht im Fall Christian von Boetticher von einer parteiinternen Intrige aus. Der schleswig-holsteinischen CDU komme der Rücktritt ihres Spitzenkandidaten für die Landtagswahl durchaus gelegen, lautet seine Einschätzung.

Burchardt sagte, Parteifreunde seien seit Monaten unzufrieden mit Boetticher gewesen. Die CDU habe befürchtet, die Landtagswahl zu verlieren. Nach dem Bekanntwerden einer früheren Beziehung Boettichers zu einer 16-Jährigen habe man "in letzter Sekunde die Notbremse gezogen". "Ich gehe von einer parteiinternen Intrige aus und glaube tatsächlich, dass man das der Bild-Zeitung zugespielt hat." Den wahrscheinlichen Nachfolger, Wirtschaftsminister Jost de Jager, habe man "schon längst im Köcher gehabt".

Burchardt erinnerte daran, dass nach Angaben Boettichers Parteifreunde seine Beziehung zu einer 16-Jährigen gutgeheißen hatten: "So lässt man Leute ins offene Messer laufen." Bei passender Gelegenheit werde so eine Affäre "ans Licht gezerrt und damit ist so ein Mann politisch tot".

Der Professor für Medien- und Kommunikationsstrukturen an der Fachhochschule Kiel räumte ein, dass "die Grenze des Privaten im Politischen" schwer zu ziehen sei. Ein Politiker müsse wissen, dass als Persönlichkeit des öffentlichen Lebens sein Recht auf Schutz der Privatsphäre eingeschränkt sei. Ein wichtiges Kriterium dabei sei der "gesellschaftliche Informationswert" von Berichten über das Privatleben eines Politikers. "Im Fall von Boetticher würde ich ganz deutlich sagen: Dieser Mann ist einfach nicht reif für so ein Amt". Das habe der CDU-Politiker mit der Affäre bewiesen, sagte Burchardt.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das vollständige Gespräch mit Rainer Burchardt, das im Radiofeuilleton lief, können Sie mindestens bis zum 16.1.2012 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDer Gegner, der in die Karten spielt
Ein Demonstrant hält ein Protestplakate mit der Aufschrift "Ihr seid Nazis Punkt!" hoch. (dpa / Frank Rumpenhorst)

Auf der Frankfurter Buchmesse wurden Bücher von rechten Verlagen geklaut oder mit Zahnpasta beschmiert. Andererseits hätten Anhänger der identitären Bewegung eine Veranstaltung gestört. "Die Zeit" schreibt über diesen "Kampf zwischen linkem und rechtem Denken".Mehr

weitere Beiträge

Fazit

Filmfestival in SüdkoreaFilme, die Türen öffnen
Filmstars laufen 2016 bei der Eröffnung des 21. Filmfestivals in Busan über den roten Teppich. (imago / stock&people / Yonhap)

Während die USA und Südkorea Kriegsschiffe ins Japanische und Gelbe Meer senden, treffen sich in der südkoreanischen Hafenstadt Busan die Stars der internationalen Filmbranche. Das dortige Filmfestival zeigt, wie das südkoreanische Kino die Trauma der Vergangenheit verarbeitet.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur