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Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.08.2011

"So lässt man Leute ins offene Messer laufen"

Medienwissenschaftler: Boettichers Rückzug kommt Partei gelegen

Rainer Burchardt im Gespräch mit Matthias Hanselmann

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Christian von Boetticher (m.) nach seinem Rücktritt vom CDU-Frakionsposten in Schleswig-Holstein
Christian von Boetticher (m.) nach seinem Rücktritt vom CDU-Frakionsposten in Schleswig-Holstein

Der Kieler Medienwissenschaftler Rainer Burchardt geht im Fall Christian von Boetticher von einer parteiinternen Intrige aus. Der schleswig-holsteinischen CDU komme der Rücktritt ihres Spitzenkandidaten für die Landtagswahl durchaus gelegen, lautet seine Einschätzung.

Burchardt sagte, Parteifreunde seien seit Monaten unzufrieden mit Boetticher gewesen. Die CDU habe befürchtet, die Landtagswahl zu verlieren. Nach dem Bekanntwerden einer früheren Beziehung Boettichers zu einer 16-Jährigen habe man "in letzter Sekunde die Notbremse gezogen". "Ich gehe von einer parteiinternen Intrige aus und glaube tatsächlich, dass man das der Bild-Zeitung zugespielt hat." Den wahrscheinlichen Nachfolger, Wirtschaftsminister Jost de Jager, habe man "schon längst im Köcher gehabt".

Burchardt erinnerte daran, dass nach Angaben Boettichers Parteifreunde seine Beziehung zu einer 16-Jährigen gutgeheißen hatten: "So lässt man Leute ins offene Messer laufen." Bei passender Gelegenheit werde so eine Affäre "ans Licht gezerrt und damit ist so ein Mann politisch tot".

Der Professor für Medien- und Kommunikationsstrukturen an der Fachhochschule Kiel räumte ein, dass "die Grenze des Privaten im Politischen" schwer zu ziehen sei. Ein Politiker müsse wissen, dass als Persönlichkeit des öffentlichen Lebens sein Recht auf Schutz der Privatsphäre eingeschränkt sei. Ein wichtiges Kriterium dabei sei der "gesellschaftliche Informationswert" von Berichten über das Privatleben eines Politikers. "Im Fall von Boetticher würde ich ganz deutlich sagen: Dieser Mann ist einfach nicht reif für so ein Amt". Das habe der CDU-Politiker mit der Affäre bewiesen, sagte Burchardt.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das vollständige Gespräch mit Rainer Burchardt, das im Radiofeuilleton lief, können Sie mindestens bis zum 16.1.2012 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

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