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Feature / Archiv | Beitrag vom 31.03.2018

Sexualtherapeutin "Dr. Ruth" über ihre FlüchtlingsjahreDas geduldete Flüchtlingskind

Von Stephen Tree

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Die deutsch-amerikanische Sexualtherapeutin Ruth Westheimer im Jahr 2013. (picture alliance / dpa / Georg Wendt)
Die deutsch-amerikanische Sexualtherapeutin Ruth Westheimer im Jahr 2013. (picture alliance / dpa / Georg Wendt)

In den 80ern gab sie in ihrer Radio-Show Tipps für guten Sex – "Dr. Ruth" ist wohl die berühmteste Sexualtherapeutin der USA. Was wenige wissen: Sie wuchs in Frankfurt in einer jüdischen Familie auf. Den Nationalsozialismus überlebte sie nur, weil ihre Eltern sie 1938 in die Schweiz schickten.

"Das Leben in Frankfurt damals für ein Kind aus frommen jüdischen Haus war wunderbar", sagt Ruth Westheimer. "Weil ich in einer jüdischen Schule war, habe ich von Antisemitismus nichts gespürt." Als einziges Kind einer jüdischen Familie lebte sie ein behütetes Leben. Jeden Freitag nahm ihr Vater sie in die Synagoge, kaufte ihr auf dem Weg dorthin Eis.

Der Nationalsozialismus zerstörte das Leben der Familie. Um ihre Tochter zu retten, schickten ihre Eltern Ruth Westheimer 1938 in die Schweiz. Dort lebte sie als Zehnjährige in einem von der Jüdischen Gemeinschaft betriebenen Heim – gemeinsam mit ihrer besten Freundin und Schicksalsgefährtin Ilse Wyler-Weil. Ruth Westheimer sagt:

"Wenn ich nicht in dem Kinderheim Wartheim gewesen wäre, das für uns ein Waisenhaus geworden ist, wäre ich nicht am Leben."

Während Ruth Westheimer in der Schweiz (über-)lebte, wurden ihre Eltern in Ausschwitz ermordet. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin und Schicksalsgefährtin Ilse Wyler-Weil erinnert sich Ruth Westheimer in diesem Feature an ihre Kindheit und Jugend als knapp geduldete Flüchtlingskind. Und auch ihre damalige Betreuerin Liselotte Hilb erzählt, wie sie die Situation damals erlebte.

(mw)

Von Stephen Tree
Regie: der Autor
Mit: Hans-Michael Rehberg, Martina Krauel
Ton: Thomas Monnerjahn
Produktion: SRF 2016

Länge: 54'18

Stephen Tree, Feature-Autor und Regisseur. In der Schweiz aufgewachsen, mit einer Mutter, die selber jüdische Flüchtlingskinder betreut hat, darunter Ilse Wyler-Weil. Autor zahlreicher Radiosendungen, viele davon über jüdische Themen. Verfasser der Rowohlt-Monographie über Moses Mendelssohn und der deutschen Biographie des jiddischen Nobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer.

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