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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 20.08.2008

Selbstgerechter Rächer mit Selbstzweifeln

Neu im Kino: "Batman - The Dark Knight" und "Nicht dran denken"

Vorgestellt von Anke Leweke

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Christian Bale spielt "Batman" und der verstorbene Heath Ledger den "Joker" (AP/Warner Bros. Pictures, Stephen Vaughan)
Christian Bale spielt "Batman" und der verstorbene Heath Ledger den "Joker" (AP/Warner Bros. Pictures, Stephen Vaughan)

Superheld Batman wird in "The Dark Knight" von Selbstzweifeln und seinem Widersacher Joker geplagt. Der bringt ihn dazu, die Methoden des Gegners anzuwenden. Anspielungen auf die USA nach dem 11.9.2001 sind nur allzu deutlich. "Nicht dran denken" ist eine italienische Tragikomödie, in der verschiedene Lebensentwürfe aufeinanderprallen.

"Batman - The Dark Knight"
USA 2008. Regie: Christopher Nolan. Buch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan, David S. Goyer. Mit: Christian Bale, Michael Caine, Heath Ledger, Aaron Eckhart, Maggie Gyllenhaal, Morgan Freeman, Gary Oldman, Eric Roberts. 152 Minuten. FSK: keine Angabe

Das Realitätsprinzip ist nach Gotham City zurückgekehrt. Vor Christopher Nolans "Batman returns" waren die Filme rund um den Superhelden im Fledermaus-Kostüm zu albernen, konventionellen Actionstreifen verkommen, die den düsteren Charakter der Vorlage nicht weiter berücksichtigten.

In seinen ersten Batman-Film begann Nolan, den Mythos noch einmal neu zu erzählen. Das Superheldendasein als Trauma-Bewältigung war das zentrale Motiv. Als kleiner Junge musste Batman mit ansehen, wie seine Eltern von Gangstern brutal ermordet wurden. Von Rache getrieben, beschloss er, gegen das Böse in der Welt anzutreten. Batman - ein selbst ernannter Gerechtigkeitsfanatiker.

Im neuen Film "The Dark Knight" fragt sich Batman nun, ob er überhaupt noch gebraucht wird. Mittlerweile hat Gotham City einen neuen, strahlenden Staatsanwalt, der der Unterwelt den Kampf angesagt. Zudem bekommt Batman es mit Nachahmern im Fledermauskostüm zu tun, die ihn eigentlich unterstützen wollen und ihm doch nur in die Quere kommen.

Und dann ist da der Joker (großartig gespielt von Heath Ledger), sein amoralischer Gegner, dem es nicht ums Geld geht, sondern der das Chaos in die Welt setzen will. Er stellt Batman und Gotham City vor schwere moralische Prüfungen in einem Film, der immer wieder Bilder von 9/11 zitiert, der in einem Amerika spielt, das nach den Attentaten so angeschlagen wie von sich selbst irritiert scheint. Die Identitätskrise des Landes ist auf Batman übergegangen.

Die Wahl der Waffen ist das große Thema von "Batman- The Dark Knight". Welche Mittel sind gerade noch angemessen, wie viel Brutalität ist erlaubt? Wie weit darf man gehen, um den Gegner zu besiegen, ohne sich selbst mit ihnen gemein zu machen? - das ist die höchst aktuelle Frage, die der neue Batman Film "The Dark Knight" aufwirft. Batman muss der Versuchung widerstehen, die gleichen Methoden anzuwenden wie sein Erzfeind der Joker. Der niemals ein Gesicht verziehende Superheld und der ständig grimassierende Bösewicht. Sind sie die zwei Seiten ein oder derselbe Medaille, eine Metapher für ein janusköpfiges Amerika?

Die Reflexion über die Moral in den Zeiten des Terrors lastet jedenfalls schwer auf den Schultern der Superhelden, nur noch mit gebeugtem Kopf schreiten sie zur Tat.


"Nicht dran denken"
Italien 2007. Regie: Gianni Zanasi. Buch: Michele Pellegrini, Gianni Zanasi. Mit: Valerio Mastandrea, Anita Caprioli, Giuseppe Battiston, Caterina Murino, Teco Celio, Gisella Burinato. 104 Minuten

Stefano ist das, was man einen Berufsjugendlichen nennt: mit 36 lebt er immer noch in den Tag hinein, trägt lässige Kleidung und träumt davon, Musiker zu werden. Als es mit der CD-Aufnahme wieder einmal nichts wird und er seine Freundin auch noch mit einem anderem im Bett erwischt, beschließt Stefano, Rom den Rücken zu kehren. Bei seinen Eltern und Geschwistern in Rimini will er eine Auszeit nehmen, auf neue Ideen für sein Leben kommen.

Doch statt Ruhe findet er Chaos vor, statt familiärer Nähe muss er die Streitereien zwischen den Eltern schlichten und sich um den älteren Bruder kümmern, der in Scheidung lebt, Tabletten schluckt und die Kirschkonservenfabrik in den Ruin treibt.

Visuell mag "Nicht dran denken" eher konventionell fotografiert sein, doch verzichtet er im Gegensatz zu manch anderen Familienfilmen auf jeden versöhnlerischen Gestus. Die verschiedenen Lebensentwürfe der einzelnen Familienmitglieder prallen munter aufeinander: Weder der nonkonformistische Lebensstil des Freaks Stefano noch die bürgerlichen Konzepte haben sich bewährt. Im Scheitern des einen erkennt sich der andere wieder und plötzlich sieht man vertraute Menschen in einem anderen Licht.

"Nicht dran denken" ist kein großer, aber ein durchaus sympathischer Film.

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