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Mittwoch, 22.11.2017

Kulturnachrichten

Sonntag, 3. September 2017

Schriftsteller Rushdie will "die reale Welt beschreiben"

Rushdie: "Unsere Welt steht derzeit kopf"

Anlässlich seines neuen Buches "Golden House" hat sich der Schriftsteller Salman Rushdie grundsätzliche Gedanken über sein Schaffen gemacht. Es sei angsteinflößend und "sehr gefährlich, dass es diese fortgesetzten Angriffe auf die Wahrheit gibt": "Wenn sehr mächtige Menschen ständig Lügen propagieren, ist dies vielleicht keine gute Zeit für Menschen wie mich, die sich ja Geschichten ausdenken", sagte er der "Welt am Sonntag". Es sei nicht die Zeit, um, "wie in meinem letzten Roman, Geschichten zu schreiben, in denen es von fliegenden Teppichen wimmelt. Ich will die reale Welt beschreiben". Er habe die Hoffnung, dass die Leser dadurch "ein besseres Gespür" für die reale Welt bekämen, sagte Rushdie weiter. Rushdies neuer Roman beschreibt den Zeitgeist im heutigen New York und den Aufstieg einer despotischen Comic-Figur zum Präsidenten. Das Buch erscheint am Deinstag. Im Bezug auf eine extremistische Auslegung des Islams erklärte Rushdie: "Die Wurzeln dieses Terrors gehen auf eine Propaganda zurück, betrieben unter anderem von den Saudis, dem Iran und anderen, verbreitet durch ein Netzwerk von Imamen." Der Schriftsteller glaube nicht, "dass Religion per se Gewalt innewohnt", aber man könnte "auch ohne Religion leben": "Religionen sind für mich wie eine Seuche". Es sei "verstörend", dass sich vor allem junge Menschen radikalisierten, fügte Rushdie hinzu. Ältere seien oftmals liberaler. "Auch das zeigt, dass unsere Welt derzeit kopfsteht." Die Zivilgesellschaft sei gefragt: "Auch eine tolerante Gesellschaft darf nicht so tolerant sein, Menschen zu unterstützen, die diese Gesellschaft zerstören wollen", unterstrich der Autor.

Steely-Dan-Gitarrist gestorben

Walter Becker wurde 67 Jahre alt

Der amerikanische Gitarrist Walter Becker, Mitbegründer der Jazz-Rock-Band Steely Dan, ist gestorben. Das wurde auf der Webseite des Musikers mitgeteilt. Nähere Angaben zur Todesursache gab es nicht. Becker wurde 67 Jahre alt. Er sei ein "exzellenter Gitarrist und großartiger Songschreiber" gewesen, schrieb sein Bandkollege Donald Fagen in einem Nachruf für das Musikmagazin "Rolling Stone". Songs wie "Rikki Don't Lose That Number" und "Dirty Work" zählten zu den größten Hits der Band. Fagen und Becker hatten sich 1967 auf dem Bard College im Bundesstaat New York kennengelernt. 1972 gründeten sie dann ihre eigene Formation Steely Dan. Das Debütalbum "Can't Buy A Thrill" mit dem Song "Do It Again" wurde gleich ein Hit. In den 1980er Jahren trennten sich ihre Wege, doch im Jahr 2000 feierten sie mit dem gemeinsamen Album "Two Against Nature" ein Comeback. Für die Platte heimste das Duo vier Grammys ein, unter anderem für das "Album des Jahres".

"Klimawechsel" an deutschen Kliniken gefordert

Hecker: "Meldesysteme müssen nicht nur angeboten, sondern auch gelebt werden"

Die Medizinerin Ruth Hecker fordert einen "Klimawechsel" an deutschen Kliniken. Es müsse "eine Stimmung herrschen, in der sich jeder trauen kann und verantwortlich fühlt, einen Verdacht oder Fehler zu äußern, ohne Angst haben zu müssen, dass dies negative Folgen für ihn hat", sagte Hecker, die Vorstandsmitglied des Aktionsbündnisses Patientensicherheit ist, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Mordserie des ehemaligen Krankenpflegers Niels H. sei indes "ein Einzelfall von einer Grausamkeit, die man vermutlich nur schwer verhindern kann". Als Leiterin des Qualitäts- und klinischen Risikomanagements an der Uniklinik Essen kennt Hecker Meldesysteme, in denen Fehler, aber auch Beinahefehler wie "fast hätte ich die Blutproben vertauscht" oder Verdachtsfälle angegeben werden könnten. Diese Meldesysteme müssten allerdings "nicht nur angeboten, sondern auch gelebt werden". In Kliniken fehle es am Gedanken "aufeinander aufzupassen": "Es geht nicht ums Anschwärzen, sondern darum, im Sinne des Patienten darauf zu achten, dass alles optimal läuft", fügte die Expertin hinzu. Bessere Meldesysteme für Krankenhäuser hatten zuletzt auch die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Ingrid Fischbach (CDU), sowie Patientenschützer gefordert.

Clooney kritisiert Umgang mit USA-Geschichte

US-Regisseur stellt Film über Rassismus vor

Anlässlich der Filmvorstellung von "Suburbicon", kritisierte der Hollywood-Schauspieler und -Regisseur, George Clooney, den US-amerikanischen Umgang mit ihrer Geschichte. Es könne nicht sein, dass jemand heute noch die Flagge der Konföderierten aufhänge, sagte der 56-Jährige beim Filmfest in Venedig: "Das ist ein Symbol der Sklaverei." Mit Blick auf die Ausschreitungen in Charlottesville im vergangenen Monat sagte Clooney, Themen wie weiße Wut seien in seinem Land leider nie aus der Mode. Über den USA hänge eine dunkle Wolke: "Wir haben noch viel Arbeit zu tun", kritisierte er. Sein neuster Film ist eine Groteske über Rassismus in den 50er Jahren in den USA. Der Film läuft im Wettbewerb des Festivals und ist mit Matt Damon und Julianne Moore prominent besetzt. Laut Clooney sei "Suburbicon" unter anderem durch den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump inspiriert worden, es sei ein "sehr wütender Film, aber kein Film über Donald Trump".

Käßmann: "Menschen zerstören die Schöpfung Gottes"

Reformationsbotschafterin fordert bewussteren Umgang mit der Umwelt

Angesichts der Überschwemmungen im US-amerikanischen Süden fordert die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, bewussteren Umgang mit der Umwelt. "Wir wissen seit Jahrzehnten, welche Rolle Autoabgase spielen. Und trotzdem wird weiter Auto gefahren, die Industrie manipuliert", klagt sie in einem Beitrag für die "Bild am Sonntag". Die Theologin kritisierte insbesondere US-Präsident Donald Trump, der den Klimawandel leugne, obwohl dessen Folgen in den USA "handfest spürbar" seien. Gletscher in den Rocky Mountains im Westen Nordamerikas schmölzen, weltweit nähmen Waldbrände und Hitzerekorde zu: "Verantwortlich für die Zerstörung von Gottes Schöpfung sind wir Menschen", mahnt Käßmann: "Die Verpflichtung zur Veränderung liegt bei uns Menschen."

Kunstfest Weimar endet heute Abend

Zum Abschluss wird "Malalai - die afghanische Jungfrau" nach Schiller gezeigt

Zum Abschluss des diesjährigen Kunstfestes in Weimar wird heute Abend noch einmal das internationale Theaterprojekt "Malalai - die afghanische Jungfrau" nach Friedrich Schiller gezeigt. Das Stück von Robert Schuster und Julie Paucker erinnert an eine Sanitäterin aus dem Unabhängigkeitskrieg von 1880 gegen die britische Kolonialmacht. Neben deutschen, französischen und israelischen Schauspielern sind auch Akteure aus Afghanistan beteiligt. Der Gruppe Azdar war im Vorjahr die Einreise verwehrt worden. Auf dem Festivalprogramm standen rund 30 Produktionen mit mehr als 100 Veranstaltungen. Viele der Künstler hinterfragten kritisch das Erbe der russischen Oktober-Revolution, die Thema des Kunstfestes war.

Kritik in Florenz über Schmidts Abgang nach Wien

Eike Schmidt übernimmt 2019 Leitung des Kunsthistorischen Museums Wien

Der verkündete Wechsel des deutschen Direktors der Uffizien, Eike Schmidt, von Florenz nach Wien hat in Italien Sorge und Kritik ausgelöst. "Das ist eine kalte Dusche für die Kulturwelt Italiens", schrieb die Tageszeitung "La Reppublica". Der Kunsthistoriker Schmidt versprach im Gespräch mit der Zeitung, alle Projekte zu beenden und kündigte noch Überraschungen vor seinem Abgang an.
Schmidt wird im zweiten Halbjahr 2019 die Leitung des Kunsthistorischen Museums (KHM) in Wien übernehmen. Sein Mandat in Florenz endet offiziell im November 2019. Italienische Kommentatoren der Kunstszene kritisieren, dass Schmidt seinen Abgang keine zwei Jahre nach Amtsantritt verkündete. Architekt Stefano Boeri warf Schmidt vor, die Uffizien nur als "Trampolin" für seine Karriere benutzt zu haben.

Tom Jones verschiebt US-Tournee

Der Sänger gibt gesundheitliche Gründe an

Der britische Popstar Tom Jones hat eine geplante Konzertreise in die USA kurzfristig verschoben. In einer Mitteilung auf dem Twitter-Profil des 77-Jährigen hieß es, er habe die Entscheidung auf ärztlichen Rat hin getroffen. Details wurden nicht bekannt. Jones bitte seine Fans "aufrichtig um Verzeihung". Er freue sich, alle im Jahr 2018 wiederzusehen. Die US-Tournee sollte am 6. September im US-Bundesstaat Pennsylvania starten und wurde nun auf Mai kommenden Jahres verlegt. Worunter Jones leidet, ist nicht bekannt.

Schimmel in der Elbphilharmonie

Aufwändige Sanierungsarbeiten im kleinen Saal nötig

Das Foyer des Kleinen Saals der Hamburger Elbphilharmonie muss wegen eines Wasserschadens aufwändig saniert werden. Das geht aus einem Bericht der Bild-Zeitung hervor. Demnach war schon Ende April aus einem Nebenraum des Kleinen Saals Heizungswasser aus einem offenen Rohr gelaufen und habe sich auf einer Fläche von etwa 300 Quadratmetern verbreitet. Das Wasser sei in der Folge in die Dämmung der Wände, das Mauerwerk und den Fußboden des Foyers eingedrungen. Kommende Woche wird bekannt gegeben, ob es zu Beeinträchtigungen des Konzertbetriebes im Kleinen Saal kommen wird.

Dercon freut sich auf Neustart an Berliner Vollksbühne

Saisonstart ist am 10. September

Chris Dercon fiebert dem Neustart an der Berliner Volksbühne entgegen. "Ich freue mich unheimlich, dass es jetzt losgeht", sagte der viel kritisierte Nachfolger von Frank Castorf . "Man sollte dem Neuen eine Chance und Zeit zur Entfaltung geben", so Dercon. "Vielleicht könnte es ja sogar gut werden!" Dercon startet am 10. September mit dem zehnstündigen Tanzspektakel "Fous de danse" (übersetzt etwa: Verrückt nach Tanz) des französischen Choreografen Boris Charmatz in seine erste Volksbühnen-Saison. Das Publikum ist bei der Inszenierung aufgefordert, mitzutanzen. "Boris Charmatz' Choreografien handeln von Gemeinschaft, Teilhabe und Teilnahme."

Stuttgart hofft auf Freilassung von Serebrennikow

Chefdramaturg plant notfalls Probenstart ohne Regisseur

Gut zwei Wochen vor dem geplanten Probenstart für "Hänsel und Gretel" überlegt die Staatsoper Stuttgart, wie die Inszenierung auch ohne den in Hausarrest sitzenden Regisseur Kirill Serebrennikow stattfinden könne. Chefdramaturg Sergio Morabito sagte, dass er gerade in Moskau mit Mitarbeitern von Serebrennikow plane, wie das Stück zur Not auch ohne den Regisseur am 22. Oktober Premiere feiern könne. "Alle sind kampfeswillig", sagte Morabito vor dem geplanten Probenstart Mitte September. Am kommenden Montag solle ein Gericht in Moskau über einen Antrag Serebrennikows auf Freilassung entscheiden, sagte Morabito unter Berufung auf Mitarbeiter des 47-Jährigen. Das Staatliche Ermittlungskomitee wirft Serebrennikow vor, 68 Millionen Rubel (knapp eine Million Euro) staatlicher Gelder unterschlagen zu haben. Serebrennikow bestreitet die Vorwürfe. Russische und internationale Stars, die Bundesregierung sowie viele Stuttgarter hatten die Freilassung des Regisseurs gefordert.

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Fazit

Lagos BiennaleKulturelle Zwänge hinter sich lassen
Eine Perfomance des Künstlers Tito Aderemi-Ibitola (Hakeem Jimo)

Auf dem Gelände eines Eisenbahnschuppens für Dampflokomotiven im nigerianischen Lagos findet die erste Kunst-Biennale Lagos statt. 37 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt zeigen ihre sehr politischen und gesellschaftkritischen Werke.Mehr

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