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Dienstag, 21.11.2017

Konzert / Archiv | Beitrag vom 16.07.2017

Schola Heidelberg bei den Schwetzinger FestspielenGriff über die Jahrhunderte

Aufzeichnung aus dem Rokokoschloss

Der italienische Komponist Luigi Nono, Foto von ca. 1988.  (imago)
Der italienische Komponist Luigi Nono (1924-1990) (imago)

Über vier Jahrhunderte liegen zwischen den Geburtsjahren von Luca Marenzio (1554) und Caspar Johannes Walter (1964); doch im Konzert, nebeneinander interpretiert, verstehen sich die beiden Komponistenkollegen über alle Distanzen hinweg ausgesprochen gut.

Dass man aus einer gewissen Entfernung oft besser miteinander auskommt als in der Konstellation "dicht bei dicht", gilt also nicht nur für familiäre Verhältnisse oder Großraumbüros. Wie fabelhaft sich ziemlich alte und ganz neue Musik manchmal zusammenfinden, ist eine häufig gemachte Hörerfahrung, die bei diesem Konzert in Schwetzingen, wo das Rokoko-Ambiente von Schloss und Park gleich noch eine dritte Zeitebene einbringt, besonders genießerisch ausgekostet wird. Zwei ausgesprochene Spezialensembles – das mit elektronischen Klängen arbeitende SWR Experimentalstudio und die auf vorbarocke Vokalmusik ebenso wie auf Neue Musik spezialisierte Schola Heidelberg – musizieren nebeneinander und einmal, in Luigi Nonos später, utopisch-bekenntnishafter Klangvision "Das atmende Klarsein", auch gemeinsam.

Man will es da fast nicht mehr als Zufall nehmen, dass ein Name wie Caspar Johannes Walter ganz zwanglos in allen drei Epochen beheimatet sein könnte, die hier zusammentreffen. Denn in der Renaissance wie zu Bachs Zeiten gab es etliche komponierende "Walter" oder "Walther", während ihr heute im Programm erscheinender Namensvetter zwar 1964 in Frankfurt am Main geboren wurde, aber in seinen Arbeiten oft eine starke Affinität zur Alten Musik erkennen lässt – und sei es nur in einer Besetzung wie der für Orgel und Theorbe bei seinen in Schwetzingen uraufgeführten Interludien, die gleichsam aus dem Generalbasszeitalter in die Moderne herübergeholt erscheinen: ein weiterer die Jahrhunderte überspannender Griff in diesem interessanten Programm.

Schwetzinger SWR-Festspiele
Schlosstheater
Aufzeichnung vom 16. Mai 2017

Giovanni Gabrieli
"Amor dove mi guidi”

Carlo Gesualdo
Zwei Madrigale

Caspar Johannes Walter
Interludien für Orgel und Theorbe (Uraufführung)

Luca Marenzio
Zwei Madrigale

Luigi Nono
"Das atmende Klarsein" für Chor, Bassflöte, Live-Elektronik und Tonband

Michelangelo Rossi
Zwei Madrigale

Hans Leo Hassler
"Ecco che fa chi segue"

Schola Heidelberg
Eva Furrer, Bassflöte
Johannes Keller, Orgel
Simon Linne, Theorbe
SWR Experimentalstudio
Leitung: Walter Nußbaum

Konzert

musicadia BremenDas goldene Zeitalter der Gambe
Das Bild zeigt die Gartenfassade des Schlosses von Versailles, im Vordergrund der Apollo-Brunnen. (picture-alliance / dpa / Olivier Boitet)

Ein Abend der oft leisen, aber dennoch eindringlichen Klänge: die Stücke von Marin, Couperin und Forqueray kommen aus einer Zeit, wo Aufführungsräume häufig viel kleiner als heute und Konzerte manchmal sehr private Vergnügungen waren.Mehr

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