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Samstag, 18.11.2017

Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 25.02.2011

Schauplätze eines romanhaften Lebens

Helmut Brenner/Reinhold Kubik: "Mahlers Welt: Die Orte seines Lebens", Residenz Verlag, St. Pölten 2011, 408 Seiten

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Schloss Belvedere in Wien mit Park (dradio.de/Janine Wergin)
Schloss Belvedere in Wien mit Park (dradio.de/Janine Wergin)

Mit nahezu 600 zum großen Teil noch nie veröffentlichten Fotos, Skizzen, Briefen, Erinnerungen und Meldedokumenten werden erstmals alle Orte, die Gustav Mahlers Künstlerleben prägten, ins Bild gesetzt.

Gustav Mahler war einer der berühmtesten Komponisten und Dirigenten seiner Zeit. An der Schnittstelle zwischen Spätromantik und Moderne liefen alle Fäden des Fin de Siècle bei ihm zusammen.

Seinen Anfang nahm dieses Leben in Böhmen, wo Mahler als Sohn eines jüdischen Branntweinbrenners geboren wurde. Nach dem Studium in Wien begann seine lange Kapellmeister-Wanderschaft. Von Laibach führte sie über Olmütz, Kassel, Prag, Budapest und Leipzig nach Hamburg.

In Wien wurde Gustav Mahler schließlich Hofoperndirektor. Es war der Gipfel seiner Karriere. Mahler machte die Hofoper für einige Jahre zur bedeutendsten Musiktheaterbühne der Welt, kämpfte gegen Konventionen und Schlendrian an. Aber auch die hochproblematische, schließlich scheiternde Ehe mit der mannstollen Salondame Alma Schindler, die nach Mahlers Tod noch Walter Gropius und später Max Werfel ehelichte, war ein einziger Kampf.

In bisher einzigartiger Weise haben Helmut Brenner (Mahler-Publzist) und Reinhold Kubik (Editionsleiter der Mahler-Gesamtausgabe und Vizepräsident der Internationalen Gustav-Mahler-Gesellschaft) die Kampfplätze des romanhaften Lebens Gustav Mahlers, die ja auch die Schauplätze seiner "romanhaften Musik" (Theodor W. Adorno) waren, in Bild und Wort dokumentiert.
Beruflich und privat hatte Mahler Skandinavien, Finnland, Deutschland, die Länder der Donaumonarchie, Russland, Italien, England und die USA bereist. Die Autoren haben diese expansive Reiseexistenz in klugen, ebenso informativen wie essentiellen Texten ausgebreitet.

Mit nahezu 600 zum großen Teil noch nie veröffentlichten Fotos, Skizzen, Briefen, Erinnerungen und Meldedokumenten werden dabei erstmals alle Orte, die Mahlers Künstlerleben prägten, ins Bild gesetzt. Mahlers Wohnadressen werden ebenso rekonstruiert wie die Musikstätten, an denen er wirkte, aber auch die Orte, die er "nur" besuchte – mit Freunden und Familie, zum Komponieren und Alleinsein, beruflich und privat: Hotels, Pensionen, Salons, Ferienhäuser, Mietwohnungen, Stadtpalais’, Konzerthäuser und Theater.

Viele davon sind heute nicht mehr erhalten. Das Buch ist eine noch nie da gewesene Topographie des Gewesenen, die in Text und Bild, chronologisch geordnet, neue Einblicke in die Lebens- und Komponierwelten des Künstlers zwischen 1860 und 1911 gibt: Mahlers Leben als Zeitreise zum Lesen und An¬schauen – ein Buch nicht nur zum Informieren und Nachschlagen, sondern auch zum genüsslichen Schmökern und Schauen; schon im Vorfeld des anstehenden 100. Todestages eine der gewiss wichtigsten Veröffentlichungen des Mahlerjahres.

Besprochen von Dieter David Scholz

Helmut Brenner/Reinhold Kubik: Mahlers Welt: Die Orte seines Lebens
Residenz Verlag, St. Pölten 2011
408 Seiten, 39,90 Euro

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