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Tonart | Beitrag vom 01.02.2018

Rhye - "Blood"Musik mit Herz und Seele

Von Marcel Anders

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Mike Milosh, Sänger von Rhye (picture alliance / dpa / Jose Sena Goulao)
Mike Milosh, Sänger von Rhye (picture alliance / dpa / Jose Sena Goulao)

Einfühlsam, sinnlich und handgemacht: Rhye, ein Musiker aus Toronto, hat die Nase voll von den immer gleichen Loops und Beats der aktuellen Popmusik. Sein zweites Album "Blood" ist eine Kampfansage an den Mainstream.

"Ich habe das Gefühl, als wäre das immer derselbe Produzent – hinter allen Stücken, die gerade im Radio laufen. Weshalb ich die aktuelle Musik nicht mag: Es sind immer dieselben Loops und derselbe Beat, den ich in mindestens 500 Songs höre. Kann man nicht mal etwas anderes verwenden? Das geht mir auf die Nerven – eben, dass es immer dasselbe ist. Ich habe die Nase voll davon."

Mike Milosh lässt Dampf ab, appelliert an die Berufsehre seiner Kollegen und geht mit gutem Beispiel voran: In den letzten 15 Jahren hat der Kanadier vier Solo-Alben veröffentlicht, gilt als Indie-Veteran und studierter Multiinstrumentalist. Für seine One-Man-Band Rhye greift er auf rotierende Gastmusiker zurück. Wobei alles handgemacht und live ist. Ohne Hightech, aber mit Herz, Seele und Können. Mit einem Mix aus Soul, Funk, Jazz und Pop. Und einer Kampfansage an den Mainstream. 

Tiefentspannt, soft und feminin

Wie geschulter Gesang klingt, demonstriert Milosh mit dem neuen Rhye-Album "Blood". Da besticht der Mittdreißiger durch eine imposante Mehr-Oktaven-Stimme, kommt – wenn er will - genauso hoch wie Thom Yorke von Radiohead, aber wirkt meist tiefentspannt, soft und feminin. Was für Spekulationen bezüglich seines Geschlechts sorgt – und für Vergleiche mit 80s Ikone Sade. Die kann Milosh zwar nicht nachvollziehen, findet sie aber zumindest amüsant. 

"Anfangs dachte jeder, ich wäre ein Mädchen. Was ich für lustig hielt. Nach dem Motto: Wirklich? Das sehe ich zwar anders, aber wenn dem so ist – auch OK. Ich versuche nicht zu kontrollieren, was die Leute über mich denken. Denn das funktioniert nicht. Und es ist ja auch amüsant, wenn sie Vermutungen anstellen, die der Wahrheit nicht mal im Ansatz entsprechen. Ich höre zum Beispiel oft, dass ich ein mürrischer, trauriger Typ wäre. Da kann ich nur sagen: Eigentlich bin ich ziemlich glücklich." 

"Wenn ich mir anhöre, wie in der heutigen Kultur – gerade in der urbanen Musik - über ‚bitches und hoes‘ geredet wird, ist das besorgniserregend. Und ich käme nie auf den Gedanken, meine Freundin so zu bezeichnen - weil ich sie nicht so sehe. Für mich ist sie mein bester Freund. Und ich finde es seltsam, dass gerade Frauen Künstler mit dieser Wortwahl verehren. Da denke ich mir: Wie wichtig ist es, dass es jemanden wie mich gibt."

Ein gesundes Selbstbewusstsein, das sich Milosh leisten kann. Denn selbst wenn er mit "Blood" vielleicht nicht Millionen von Alben verkauft: Mit seiner Musik hat er schon einiges erreicht:

"Ich habe eine Menge Fotos und Ultraschallbilder von Babys gesehen, die zu meinen Songs gezeugt wurden. Und ich habe etliche Kinder getroffen, die Rhye heißen. Anfangs war ich sehr überrascht. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass es scheinbar öfter vorkommt."

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