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Dienstag, 21.11.2017

Fazit / Archiv | Beitrag vom 04.01.2016

Reihe Schöne PaareStädel Museum entwickelt Online-Kurs mit Leuphana Uni

Von Ludger Fittkau

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Der "Liegende Hund im Schnee" (um 1910/11) von Franz Marc im Städel Museum. (Städel Museum und Liebieghaus Skulpturensammlung)
Eine der Klassiker im Städel Museum: "Frau mit Mandoline in Gelb und Rot" von Max Beckmann (Städel Museum und Liebieghaus Skulpturensammlung)

Digital Natives inszenieren Alte Meister für einen Online-Kurs zur Kunstgeschichte – so könnte man das Ergebnis des Kreativ-Tandems Städel und Uni Lüneburg zusammenfassen. Der für Anfang 2016 geplante Online-Kurs basiert auf Werken der Sammlung des Städel Museums.

Filmausschnitt: "Bin ich jetzt Teil des Kunstwerks?"

Fragt in einer Videosequenz der Schauspieler Sebastian Blomberg. Er nähert sich im Frankfurter Kunstmuseum Städel einigen Bildern und Skulpturen in Charlie-Chaplin-Manier.

"Komisch, die Texte stehen doch sonst daneben?"

"Wieso ist das Kunst, wenn jemand ein Kunstwerk abfotografiert?"

"Das war jetzt ein Einstieg in den Kurs. Man lernt sozusagen unseren Presenter kennen. Man lernt ein paar Schauplätze kennen. Man hat schon gesehen, ein Schauplatz war in der grafischen Sammlung. Einer war in der Gegenwart, einer war in der Kunst der Moderne."

Axel Braun leitet die Öffentlichkeitsarbeit im Städel-Museum. Auf dem Bildschirm seines Büros präsentiert er erste Rohfassungen von Filmsequenzen, die in den Online-Kurs zur Kunstgeschichte eingebaut werden sollen, den das Städel gerade mit Hilfe der Leuphana Universität Lüneburg vorbereitet.

"Und das soll jetzt moderne Kunst sein?"

Mit Fragen, die sich Museumsbesucher bisweilen so stellen, führt der auch aus dem TV bekannte Theaterschauspieler Sebastian Blomberg die Teilnehmer des Online-Kurses an die Themen heran. Damit spielt Blomberg in den fünf Modulen des Kurses als eine Art Kunst-Conférencier eine wichtige Rolle, so Städel-Sprecher Axel Braun, der an der Entwicklung des aufwändig gestalteten Kurses aktiv teilnimmt:

"Dadurch, dass das das Ganze ein sehr komplexes System ist mit unterschiedlichen multimedialen Vermittlungsebenen, wo man auch selber individuell entscheiden kann, wie tief möchte ich denn in diese Inhalte einsteigen. Also auch ein sehr selbstbestimmtes lernen, wo man auch individuell den Zeitpunkt bestimmen kann, wo man jederzeit aussteigen kann und auch wieder einsteigen. Das ist sicherlich wie alle digitalen Initiativen sehr, sehr komplex. Aber wir sind jetzt schon über ein Jahr dabei, sehr intensiv und eben mit guten Partnern. Insofern ist gerade ein Ende in Sicht, so dass wir im Frühjahr damit planmäßig an den Start gehen können."

Ein entscheidender Partner für dieses Projekt ist die Leuphana Universität Lüneburg. Das betont Dr. Chantal Eschenfelder. Die Kunsthistorikerin leitet den Bereich "Kulturelle Bildung" im Städel Museum und ist inzwischen auch Lehrbeauftragte an der Lüneburger Uni, von deren digitaler Kompetenz das Frankfurter Museum für den Online-Kurs profitierte:

"Das war für uns schon sehr hilfreich. Zum einen, weil da ein ganzes Netzwerk war, von Leuten aus der Filmbranche. Die haben halt dieses 'Center for Digital Cultures', wo sie aus verschiedenen Bereichen schon Menschen zusammengeführt haben. Also IT, Filmproduktion, aber auch ganz klassische Kunstgeschichte und da auch neue Methoden erprobt wurden du man da auch von dem Netzwerk profitieren konnte. Also wir haben beispielsweise einen ganz wunderbaren Kameramann bekommen und möglicherweise wären wir auch nicht mit Sebastian Blomberg auf so wunderbare Weise in Kontakt gekommen."

Ziel des Online-Kurses: Neue Besucher anlocken

Blomberg: "Was verbirgt sich hinter diesem Chaos aus collagierten Atelierrückständen?"

Braun: "Das war jetzt ein Beispiel aus dem ersten Modul. Da geht es um 'Sehen lernen'. Um formale – wenn man so will- Bildanalyse. Um Sachen wie Komposition, Farbe, Raum. So ganz klassische Mechanismen und was sie da schon gesehen haben, bei einem der Themen gab es ein Werk von Francis Bacon, von Isa Genzken, ein Werk aus unserer Altmeistersammlung. Das ist so ein bisschen der Zeitstrahl, aber an all diesen Werken kann man eben diese klassischen kompositorischen Elemente auch wiedererkennen und nachvollziehen."

Durch die Kooperation des Städel-Museums am Mainufer mit der Uni Lüneburg haben nun auch einige Studierende aus dem Norden der Republik zum erstem Mal die Frankfurter Institution besucht, so Chantal Eschenfelder.

"Das war auch für uns am Anfang so eine Frage: Die Geschichte der Moderne anhand der Städel-Sammlung zu erzählen, das ist auch schon ein Schritt, den wir bewusst gegangen sind, einfach auch um zu sagen, es unterschiedet sich von allen anderen Kunstgeschichtsbüchern, die man sonst so hat. Wo dann immer derselbe Corbet gezeigt wird oder derselbe van Gogh. Wir haben die Möglichkeit, tatsächlich 'sehen lernen' zu vermitteln auch an Werken, an denen man sich vielleicht noch nicht so abgesehen hat. Und die man nicht wieder gleich in eine Schublade legt."

Und doch es ist nicht das primäre Ziel des Online-Kurses, neue Besucher ins Städel zu locken. Mit dem Wissen des Kurses könne man am Ende jedes Museum der Republik mit anderen Augen besuchen, hofft Axel Braun:

"Der Kurs hat jetzt nicht das Ziel, den Menschen da draußen die Städel-Sammlung zu erklären. Sondern der Kurs hat das Ziel, den Menschen da draußen die Entwicklung der modernen Kunst zu erklären. Anhand von Städel-Werken. Das ist ein wichtiger und zentraler Unterschied."

Blomberg: "Und das soll jetzt moderne Kunst sein?"

Ja, tatsächlich. Digitalisiert und kurzweilig vermittelt. Der Online-Kurs zur Kunstgeschichte soll – wie gesagt – im Frühjahr fertig werden. Er ist dann kostenlos für alle Wissbegierige zugänglich.


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