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Fazit | Beitrag vom 13.02.2018

Regisseur Claus Peymann"Wilfried Minks war die Sensation der 60er-Jahre"

Moderation: Britta Bürger

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Der Bühnenbildner und Regisseur Wilfried Minks  (dpa / Bernd Thissen)
Bühnenbildner und Regisseur Wilfried Minks (dpa / Bernd Thissen)

Nicht nur sanfter Revolutionär, sondern auch Störenfried, wurde er anfangs genannt, als er die Theaterbühne zu entrümpeln begann und Platz schuf für neue Gedankenräume. Ein anderer Störenfried, Claus Peymann, hat lange mit Minks zusammengearbeitet und ist froh, ihn gekannt zu haben.

Der Bühnenbildner und Theaterregisseur Wilfried Minks ist mit 87 Jahren in Berlin gestorben. Als Störenfried habe er, so Peymann, Wilfried Minks gar nicht empfunden: "Er war einfach die Sensation der 60er-Jahre!" Minks sei derjenige gewesen, der den Naturalismus ablöste und mit seinen Zuspitzungen in den Räumen ein neues Theater erfand.

Eine neue Ästhetik für das Theater

Hinter den bedeutenden Theaterleuten Peter Stein und Peter Zadek habe immer Wilfried Minks mit seinen ganz tollen Ideen gestanden. Er sei eigentlich von Anfang an ein "Bühnenbildner als Regisseur" gewesen. Dass Minks später angefangen habe selbst zu inszenieren, sei da nur folgerichtig gewesen.

Regisseur Claus Peymann spricht bei einer Gedenkfeier  (dpa/picture-alliance/Paul Zinken)Regisseur Claus Peymann (dpa/picture-alliance/Paul Zinken)

"Aber in dieser sogenannten großen Bremer Zeit hat er wirklich auf eine bestimmte Art eine neue Ästhetik für das Theater erfunden", meint Peymann. "Mit ihm zu arbeiten war gar nicht einfach, weil er ja auch so einen bäuerlichen Dickkopf hatte", so Peymann weiter. Der Abschied, der jetzt passiert sei, der war zu erwarten, weil er Minks in den letzten Jahren oft in Berlin gesehen habe und den körperlichen Abbau mitverfolgen konnte.

Ein Tsunami für das Bühnenbild

Der Abschied Minks als Künstler am Berliner Ensemble sei nicht frei gewesen von einer tragischen Komponente, erzählt Peymann, da eine mit Minks geplante Uraufführung des Stücks "Die schönen Tage von Aranjuez" von Peter Handke schief gegangen sei. "Er war ganz besessen, manchmal manisch besessen, wie wir Regisseure sind. (...) "Aber er war für das Bühnenbild ein Tsunami, das kann man sich heutzutage überhaupt nicht mehr vorstellen."

Das Herz eines Stückes treffen

In der Zuspitzung habe Minks immer das Herz eines Stückes getroffen. Im Grunde habe er das erfunden, was dann Karl Ernst Hermann und Erich Wonder dann fortgesetzt haben, urteilt Peymann: "Er war in den 60er- und 70er-Jahren das deutsche Theater."

Szene mit Antigone und Ismene aus einer Inszenierung von Intendant Kurt Hübner am Theater in Bremen im Jahr 1967 - vor einem Bühnenbild von Wilfried Minks (picture-alliance/ dpa)Szene mit Antigone und Ismene aus einer Inszenierung von Intendant Kurt Hübner am Theater in Bremen im Jahr 1967 - vor einem Bühnenbild von Wilfried Minks (picture-alliance/ dpa)

Auf eine bestimmte Weise sei Minks ein Wegbereiter des Regietheaters gewesen, er habe manchmal die Stücke zusammengefasst in eine Metapher. Und darüber hinaus sei er "ein sehr, sehr liebenswerter Mensch gewesen und (...) ein Monument, ein ganz großer Mann.

"Der Erfinder des modernen Bühnenbildes hat die Theaterbühne verlassen und wir sollten trauern", so Peymann abschließend.


Wilfried Minks habe die bildende Kunst ins Theater gebracht, etwa mit Ikonen wie dem legendären Roy-Lichtenstein-Bildzitat in großer Bremer Zeit. Die Kraft des Theaters erschien Minks ungebrochen über die Jahrhunderte hinweg, meint unser Kritiker Michael Laages. 

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