Seit 14:00 Uhr Nachrichten

Donnerstag, 24.05.2018
 
Seit 14:00 Uhr Nachrichten

Interview | Beitrag vom 12.02.2018

Regional-Studie zum Gender Pay GapFrauen in Cottbus verdienen mehr als Männer

Michaela Fuchs im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

Beitrag hören Podcast abonnieren
Symbolbild zur Ungleichbezahlung von Frauen und Männern (imago / McPhoto)
Ungleich in Ost und West: Die Ungleichbezahlung von Frauen und Männern (imago / McPhoto)

Frauen in Ostdeutschland verdienen mehr als Männer. In Bayern ist es nach wie vor umgekehrt. Gründe dafür sind unterschiedliche Werte und das Frauenbild in der DDR, aber teils auch schlicht die Autoindustrie.

"Generell ist es so, dass die Männer in die gut bezahlten Jobs gehen. Die nehmen auch Aufstiegsmöglichkeiten anders wahr, vielleicht aktiver als Frauen. Und die verdienen dann mehr als Frauen", sagt Michaela Fuchs vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Sachsen-Anhalt-Thüringen.

Eine dort aktuell laufende Studie zum Paygap zwischen Frauen und Männern ergibt, dass Frauen in Ostdeutschland mehr verdienen als Männer. In Cottbus im Durchschnitt 17 Prozent mehr. Umgekehrt verhält es sich in Dingolfing-Landau, einem Landkreis im östlichen Teil von Bayern, wo Frauen im Schnitt 38 Prozent weniger verdienen als Männer.

Der Grund dafür liege auf der Hand, erklärt Michaela Fuchs. In dieser Region gebe es viele hochbezahlte Jobs in der verarbeitenden Industrie, besonders in der Kfz-Industrie. "Und das sind Männerjobs. In der Fertigung, Ingenieurjobs. Die Frauen orientieren sich bei der Berufswahl eher in andere Richtungen. Also eher in Gesundheit, Sozialberufe oder Erziehungsberufe."

"Es gibt ein ganzes Bündel an Erklärungsfaktoren, warum Frauen immer in spezielle Berufe gehen. Und warum das auch immer so ganz konstant ist über die Zeit", erklärt Fuchs. Soziale Werte und Normen spielten dabei eine ganz große Rolle. Aber auch historische Unterschiede zwischen Ost und West wirkten bis heute nach:

"Zu DDR-Zeiten hatten die Frauen ein anderes Selbstverständnis. Man ging arbeiten, wenn man eine Stelle hatte. Und die Kinderversorgung war ja gesichert. Die Frauen sind auch etwas affiner für Berufe, die etwas mehr in den technischen Bereich gehen. Und es gibt auch mehr Frauen in Führungspositionen in Ostdeutschland."

Frauen arbeiten eher im öffentlichen Dienst

Dass Frauen in strukturschwachen Regionen mehr Geld verdienen, liege jedoch vor allem an den Auswahlmöglichkeiten, die Männer und Frauen vor Ort hätten. Gerade in Cottbus oder in Frankfurt/Oder spiele das verarbeitende Gewerbe eher eine untergeordnete Rolle, während der öffentliche Dienst, gut bezahlte Jobs bereitstelle, die in der Regel tarifgebunden seien. Und diese Jobs nähmen die Frauen wahr.

Der Glücksfall von Regionen wie Dingolfing-Landau sei, dass dort große Industrieunternehmen säßen, die tolle Jobs anböten. "Aber da profitieren eben leider nur die Männer von. Oder hauptsächlich die Männer."

Mehr zum Thema

Gender studies - Getrennte Spielwelten
(Deutschlandfunk, Hintergrund, 30.01.2018)

Gesetz zur Lohngerechtigkeit - Symbolpolitik der Regierung
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 07.10.2016)

Zehn Jahre nach der Konzern-Offensive - Was ist aus der "Charta der Vielfalt" geworden?
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 23.02.2016)

Interview

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur