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Interview | Beitrag vom 13.09.2017

Redenschreiberin über Jean-Claude Juncker"Er hat die Stange sehr hoch gelegt"

Jacqueline Schäfer im Gespräch mit Christine Watty

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Juncker im EU-Parlament in Straßburg (AFP)
Juncker im EU-Parlament in Straßburg (AFP)

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker spricht in Straßburg zur Lage der Union. Emotional sollte er sein, aber nicht dramatisch. Offen Niederlagen eingestehen, aber dennoch den Menschen Hoffnung auf ein starkes Europa machen - sagt Redenschreiberin Jacqueline Schäfer.

Heute ist ein wichtiger Tag für den EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker. Der Luxemburger hält in Straßburg seine Rede zur Lage der Union. Die wird mit  Spannung erwartet – denn vor zwölf Monaten hieß es in einer anderen Rede von ihm: Das kommende Jahr werde entscheidend für die Entwicklung der EU sein.

Abgesehen von dieser Bilanz: Wie muss die Rede gestaltet sein, um die Zuhörer aufzurütteln, mitzureißen? Jacqueline Schäfer, Präsidentin des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache, sagt: Emotional müsse die Rede sein – "ganz einfach deshalb, weil Emotionen als erstes im limbischen System ankommen – die Menschen reagieren als erstes auf Dinge, die sie gefühlsmäßig verarbeiten können."

Keine Drama, keine Show

Das bedeute aber nicht, dass Juncker übertriebene Dramatik in seine Rede bringen solle – es sei sicherlich nicht ratsam, "eine Show hinzulegen". Er müsse Werte ansprechen, die die Menschen in der EU auch verarbeiten könnten.

Und: Indem Juncker in seiner Rede im vergangenen Jahr "die Stange sehr hoch gelegt" habe, "möchte ich jetzt natürlich als Zuhörer wissen: Was ist denn passiert in den letzten zwölf Monaten. Ich würde mir an seiner Stelle seine alte Rede vornehmen und ganz kurz darauf eingehen: Was haben wir denn geschafft, von dem, was damals angekündigt worden ist. Was haben wir nicht geschafft – und warum jeweils?"

Leidenschaftlicher Europäer

Da Juncker ein leidenschaftlicher Europäer sei, werde es ihm vermutlich nicht schwer fallen, diese auch so rüberzubringen. Wichtig sei nur: Der Kommissionspräsident müsse offen mit Niederlagen und Fehlern der letzten zwölf Monate umgehen. Und statt nur Fakten aufzuzählen, solle er seine Rede auch mit anekdotisch vorgetragenen, persönlichen Eindrücken würzen, etwa über Begegnungen mit Menschen in der EU.

Jacqueline Schäfer sagte weiter: Die EU brauche Rituale wie eine solche Rede an die Union – diese seien sinnstiftend, auch wenn die EU aus 28 sehr verschiedenen Mitgliedern bestehe.

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