Seit 06:05 Uhr Studio 9
 

Samstag, 20.01.2018

Interview / Archiv | Beitrag vom 23.01.2016

Rassismus-Vorwurf gegen Oscar-Verleihung"Nur die Spitze des Eisbergs"

Filmkritikerin Anna Wollner im Gespräch mit Thorsten Jabs

Podcast abonnieren
John Krasinski und Academy-Präsidentin Cheryl Boone Isaacs präsentieren die Nominierten der Kategorie "Weibliche Hauptrolle". (AFP - Mark Ralston)
Nicht nur die fünf Oscar-Nominierten für die weibliche Hauptrolle sind weiß. (AFP - Mark Ralston)

Prominente Schauspieler, wie etwa Will Smith, boykottieren in diesem Jahr die Oscar-Verleihung, weil keine schwarzen Kollegen nominiert sind. Filmkritikerin Anna Wollner erklärt, wie Hollywood bereits bei der Finanzierung von Filmen Minderheiten ignoriert und kommentiert die angekündigten Reformen.

Nach dem Streit um mangelnde Oscar-Nominierungen für schwarze Schauspieler reagiert die Academy of Motion Picture Arts mit Reformen. Sie will drei neue Vorstandsposten einrichten, um Minderheiten besser zu repräsentieren. Weil zum zweiten Mal in Folge dunkelhäutige Schauspieler auf der Liste der Oscar-Nominierten fehlten, hatten prominente Künstler einen Boykott der Verleihung angekündigt. Dazu gehören Regisseur Spike Lee und der Schauspieler Will Smith.

Lebenslange Mitgliedschaft

Die Filmkritikerin Anna Wollner hält die Reform für historisch und dringend notwendig. 94 Prozent der Mitglieder der Academy seien weiß, die große Mehrheit von ihnen sei männlich, sagt sie im Deutschlandradio Kultur. Dieses Verhältnis habe sich über Jahrzehnte etabliert, da die Mitgliedschaft bislang lebenslang galt. Künftig sollen nur Oscar-Preisträger und Nominierte eine lebenslängliche Mitgliedschaft erhalten, die anderen werden alles zehn Jahre nachweisen müssen, dass sie noch in der Filmwirtschaft tätig sind.

Es herrscht das alte System der Studios

Wollner hofft darauf, dass frei werdende Posten mit Vertretern von Minderheiten besetzt werden und dadurch die Academy an Vielfalt gewinnt. Auch wenn die Reformen für Academy bedeutungsvoll seien, so sei der bisherige Umgang der Academy mit Minderheiten "nur die Spitze des Eisbergs". Es werde "ein Symptom bekämpft, aber nicht die Ursachen". In Bezug auf die gesamte Filmindustrie in Hollywood herrsche noch immer das alte System der großen Filmstudios. Die meisten Geldgeber seien weiße Männer, sie würden entscheiden, nach welchem Geschlecht und ethnischer Herkunft Rollen besetzt werden.

Mehr zum Thema

Kritik an Nominierungsverfahren - Oscar-Akademie will vielfältiger werden
(Deutschlandfunk, Die Nachrichten, 23.01.2016)

Aus den Feuilletons - Sorry, "Star Wars"!
(Deutschlandradio Kultur, Kulturpresseschau, 14.01.2016)

Interview

GesellschaftBrauchen wir einen Minister für Einsamkeit?
Ein Mann auf einem Steinweg (Unsplash / Julian Laurent)

Mit der Bekämpfung der Einsamkeit soll sich ab dieser Woche eine Ministerin in Großbritannien beschäftigen. Etwa neun Millionen Briten leiden nach Angaben des Roten Kreuzes darunter. Das Gefühl sei oft auch selbst verschuldet, kritisiert der Psychiater Borwin Bandelow.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur