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Donnerstag, 14.12.2017

Zeitfragen | Beitrag vom 09.11.2017

Radio-Feature: Die Bewegung des Effektiven AltruismusWeltverbesserer 2.0

Von Christian Möller

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(imago / stock&people)
Wie kann man am effizientesten helfen? Mit dieser Frage beschäftigen sich Anhänger des Effektiven Altruismus. (imago / stock&people)

Mal eben einem Obdachlosen einen Euro in die Hand drücken? Nicht effizient genug, finden Vertreter des Effektiven Altruismus. Man könne viel besser helfen, wenn man wissenschaftliche Kriterien berücksichtige. Ist das übertrieben oder eine gute Idee?

Ich sehe den Mann fast jeden Morgen an meiner U-Bahn-Haltestelle, meist so gegen neun. Leicht gebückter Gang, kurzgeschorene blonde Haare, wettergegerbtes Gesicht. Mit einem Pappbecher in der Hand bittet er um eine kleine Spende. Und ich ich gebe ihm fast immer was. Ein paar Cent, einen Euro, was grad so an Kleingeld im Portemonnaie ist. Das tut mir nicht weh, und ihm hilft es durch den Tag. Ist das eine gute Tat?

Die Antwort von William MacAskill, Experte für Effektiven Altruismus, kommt ohne Zögern. Er findet, ich könnte schon etwas Besseres mit meinem Geld anfangen:

"Wenn wir Gutes tun, dann sollten wir uns nicht nur um die Fälle kümmern, die wir rein zufällig gerade vor unserer Nase haben."

Effektiv Gutes tun

Menschen in extrem armen Ländern sind gleich doppelt schlecht dran: Sie werden unter Bedingungen geboren, die weit schlimmer sind, als das in westlichen Ländern jemals der Fall sein wird. Und weil sie außerdem komplett außerhalb unseres Blickfelds liegen, profitieren sie dann auch noch weniger von unserer Hilfsbereitschaft. 

MacAskill ist 30 Jahre alt und seit zwei Jahren Professor an der Universität Oxford. Er hat sich viele Gedanken über solche Fragen gemacht. 

"Wenn wir aber davon überzeugt sind, dass jeder Mensch gleich viel wert ist – ein Mensch in Subsahara-Afrika oder einer bei uns – dann, ja, würde ich sagen: Sie können mit ihrem Geld viel mehr Gutes tun, wenn Sie es dort spenden als für einen Obdachlosen, der Ihnen auf der Straße begegnet."

Moralisches Handeln auf wissenschaftlicher Basis 

William MacAskill treffe ich in Berlin. Er ist der Star-Redner auf einer Konferenz über Effektiven Altruismus, einer Bewegung, die er mitbegründet hat. 

"Beim Effektiven Altruismus geht es darum, mit Empirie und rationalem Denken herauszufinden, wie man seine Zeit und sein Geld so einsetzen kann, dass man damit das Leben von anderen so weit wie möglich verbessert. Und dann auf dieser Grundlage zu handeln."

"Gutes Besser tun", so heißt das Buch, das er darüber geschrieben hat. Untertitel: "Wie wir mit effektivem Altruismus die Welt verändern können". Ein optimistisches Buch. Wir können etwas gegen globale Armut tun, das ist, kurz gesagt, die Botschaft, und zwar vor allem durch gezielt eingesetzte Spenden. Ein Buch voll mit Geschichten. Und mit Zahlen und Diagrammen. Moralisches Handeln auf wissenschaftlicher Grundlage, so scheint es. Ich bin beim Lesen ziemlich begeistert. Aber bald auch skeptisch. Wer hat das denn zu entscheiden, was gut und was besser ist? Und ich bin mit meinen Zweifeln nicht allein... 

Das vollständige Manuskript können Sie hier nachlesen.

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