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Kulturnachrichten

Donnerstag, 20. April 2017

Proteste gegen Aktionskünstler Nitsch

Österreichischer Künstler Hermann Nitsch plant Performance mit totem Ochsen in Australien

Tausende Australier haben sich mit einer Petition gegen eine Performance des österreichischen Aktionskünstlers Hermann Nitsch gewandt. Während der im Juni geplanten dreistündigen Performance auf der zu Australien gehörenden Insel Tasmanien wird zwar kein Tier getötet, doch gehören Blut und der Kadaver eines frisch geschlachteten Bullen dazu. Nitsch ist dafür bekannt, Tierkörper, Blut und Teile geschlachteter Tiere zu benutzen. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Wiener Aktionismus. Die Aufführung, die als "blutiges Opferritual" beschrieben wird, soll im Rahmen des Dark-Mofo-Kunstfestivals in einem Museum in der Inselhauptstadt Hobart stattfinden. Der Gründer des Museums für Alte und Neue Kunst, David Walsh, verteidigte die Aufführung. "Ich will, dass die Zuschauer darüber nachdenken, warum Fleisch als Lebensmittel in Ordnung ist, aber Fleisch für Rituale oder Unterhaltung nicht", schrieb er im Museumsblog.

PEN-Präsident Josef Haslinger gibt Amt ab

Österreichischer Schriftsteller übt Amt sei 2013 aus

Der Präsident des PEN-Zentrums Deutschland, Josef Haslinger, werde auf der Jahrestagung der Schriftstellervereinigung am 28. April in Dortmund nicht mehr für eine weitere zweijährige Amtszeit zur Verfügung stehen, sagte der 61-jährige österreichische Autor ("Opernball", "Jáchymov"). Hauptgrund für seinen Rückzug sei seine Professur für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, die er seit 1996 innehat. Außerdem sei der Wunsch groß, wieder selbst zu schreiben. Haslinger ist seit Mai 2013 PEN-Präsident. Haslinger verwies auch auf die zusätzliche Arbeitsbelastung im deutschen PEN-Zentrum seit dem Putschversuch in der Türkei im vergangenen Juli. So habe sich die Schriftstellervereinigung seitdem um zahlreiche türkische Kulturschaffende und Journalisten kümmern müssen, ihnen finanzielle Hilfen und Kontakte zu Medien vermittelt.

Elbphilharmonie schon mehr Besucher als Neuschwanstein

Konzerthaus ist einer der meist besuchten Orte Deutschlands

Mehr als 1,6 Millionen Besucher haben die Anfang November eröffnete Plaza der Elbphilharmonie in Hamburg besucht. Damit habe sich das Konzerthaus innerhalb kürzester Zeit zu einem der meistbesuchten Orte Deutschlands entwickelt, sagte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda. Die Plaza habe jetzt schon mehr Besucher gehabt als das Schloss Neuschwanstein in einem Jahr. Der Konzertbetrieb in der Elbphilharmonie läuft jetzt seit genau 100 Tagen. Seit Eröffnung am 11. Januar habe es im Großen und im Kleinen Saal sowie im Kaistudio 190 ausverkaufte Konzerte mit rund 250.000 Gästen gegeben, so Brosda weiter. "Die Elbphilharmonie hat Hamburg auch international als Kulturmetropole wieder auf die Landkarte gesetzt und so die Wahrnehmung der Stadt nachhaltig verändert."

Erste Bücher am documenta-Tempel hängen

Athener Akropolis am Kasseler Friedrichplatz mit gespendeten Büchern behängt

Eines der spektakulärsten Kunstwerke der documenta in Kassel nimmt Gestalt an: Am Mittwochabend sind die ersten Exemplare am "Parthenon der Bücher" aufgehängt worden. Bis dahin hatten Arbeiter das Gerüst auf dem Kasseler Friedrichsplatz montiert, das die Athener Akropolis nachbildet. Das Anbringen der Bücher soll weitergehen - auch nach dem Start der documenta 14 in Kassel. 42.000 Bücher seien bisher für die Installation der argentinischen Künstlerin Marta Minujin gespendet worden, heißt es von den Organisatoren der Ausstellung. Es handelt sich dabei um Bücher, die verboten waren oder es in einigen Ländern noch sind. Die Künstlerin will ein Zeichen gegen das Verbot von Texten und die Verfolgung ihrer Verfasser setzen. Um die Bücher am Tempel vor Umwelteinflüssen zu schützen, werden sie in Hüllen vakuumverpackt.

Klein, gelb, günstig - Reclam wird 150

Schillers "Wilhelm Tell" ist das meist verkaufte Reclam-Büchlein

Klein, gelb, günstig – mit den Reclam-Büchlein haben sich Generationen von Schülern durch die Weltliteratur geackert - jetzt feiert die älteste Reihe auf dem deutschen Buchmarkt Geburtstag. Vor 150 Jahren wurde das Unternehmen in Ditzingen bei Stuttgart gegründet. Damit ist die gehasste wie geliebten Universal-Bibliothek, die älteste Reihe auf dem deutschen Buchmarkt. Nummer 1 von "Reclams Universalbibliothek" ist Goethes "Faust". Mit 4,9 Millionen verkauften Exemplaren belegt das Buch in der Top-10-Liste seit 1948 nach Verlagsangaben heute noch Platz zwei. Für die Zahlen davor hat der Verlag keine verlässlichen Zahlen. Ganz vorn steht Schillers "Wilhelm Tell" mit 5,4 Millionen Exemplaren. Die Schulklassiker eben, genauso wie Kellers "Kleider machen Leute" und Lessings "Nathan der Weise" mit jeweils 4,4 Millionen Büchern auf den Plätzen drei und vier.

Galerist Michael Kewenig gestorben

Galerie Kewenig mit Standorten in Berlin und Mallorca zählt zu renommiertesten in Deutschland

Der rheinländische Galerist Michael Kewenig ist überraschend im Alter von 68 Jahren gestorben. 2013 hatte Kewenig den Hauptsitz seiner Galerie aus Köln nach Berlin verlegt. Dort eröffnete das Haus zunächst einen Ausstellungsraum in einem Umspannwerk im Stadtteil Moabit, dann im historischen Palais Happe, ein durch die Galerie aufwendig und denkmalgerecht saniertes Bürgerhaus aus dem 17. Jahrhundert in Mitte. 1986 hatte Kewenig gemeinsam mit seiner Frau Jule in Frechen bei Köln eine eigene Galerie gegründet. Die Galerie spezialisierte sich auf die italienische Arte Povera und auf Konzeptkunst. 2003 zog das Haus in die Kölner Innenstadt, 2004 eröffnete eine Dependance in Palma de Mallorca. Die Kewenig Galerie, die zu den renommiertesten Galerien Deutschland gehört, vertritt namhafte Künstler, darunter Nan Goldin, Leiko Ikemura, William Kentridge, Mario Merz und A.R. Penck.

Facebook will Gedanken lesen

US-Konzern stellt neues Projekt vor

Das Online-Netzwerk Facebook arbeitet an Technologien zum Gedankenlesen. Das US-Unternehmen stellte bei seiner jährlichen Entwicklerkonferenz ein Projekt vor, das es Nutzern ermöglichen soll, Nachrichten wie Emails oder SMS zu verfassen, ohne sie zu schreiben. Ziel sei es, Gedanken direkt in Sprache umzuwandeln, sagte Facebook-Managerin Regina Dugan im kalifornischen San José. Es solle ein System erschaffen werden, das hundert Wörter pro Minute direkt aus dem Gehirn in einen geschriebenen Text umwandelt. Facebook will nach eigenen Angaben Sensoren entwickeln, die auf dem Kopf getragen werden. Es gehe nicht darum, "wahllos Gedanken zu lesen", betonte Dugan. "Wir reden von Gedanken, die man teilen will; Wörter, die zum Sprachzentrum des Gehirns gesandt wurden." Eines Tages werde es möglich sein, einen Gedanken wie Fotos oder Videos zu teilen, erklärte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Langfristiges Ziel sei die Entwicklung einer "tragbaren Technologie" für den Massenmarkt.

Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Elif Shafak

Türkische Autorin kritisierte Erdogans Präsidialsystem

Die Autorin Elif Shafak erhält den "Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln". Das gab der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels bekannt. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert, wann er verliehen wird, stand noch nicht fest. Die in London lebende Shafak gehört zu den Kritikerinnen des Präsidialsystems, für das die Türken bei einem Referendum am Sonntag gestimmt haben. Präsident Erdogan habe die Nation gespalten und strebe ein Machtmonopol an, schrieb sie in der britischen Zeitung "The Guardian". Sie gehört zu den meistgelesenen Autorinnen in der Türkei. Shafak hat mehr als ein Dutzend Bücher veröffentlicht, darunter 2013 "Die vierzig Geheimnisse der Liebe", "Ehre" (2014), "Der Architekt des Sultans" (2015) und zuletzt 2016 "Der Geruch des Paradieses". Die gebürtige Straßburgerin ist Politikwissenschaftlerin und Romanautorin. Sie hat an verschiedenen Universitäten in der Türkei, Großbritannien und den USA unterrichtet.

TMZ: Gericht stoppt Veröffentlichung neuer Prince-Songs

Eigentlich sollte am Freitag das posthume Album "Deliverance" erscheinen

Doch keine neuen Prince Songs: Die Veröffentlichung von bisher unbekannten Songs des Popstars ist gestoppt worden. Wie das US-Promiportal "TMZ.com" unter Berufung auf Gerichtsdokumente berichtete, erließ ein US-Bundesrichter auf Antrag des Nachlassverwalters eine einstweilige Verfügung, wonach das Kurzalbum mit dem Titel "Deliverance" nicht wie geplant am Freitag auf den Markt gebracht werden darf. Der Produzent George Ian Boxill wollte am ersten Todestag des Künstlers sechs neue Songs veröffentlichen. Das Gericht allerdings stellte fest, Boxill habe augenscheinlich nicht das Recht dazu. Der Richter bezog sich nach dem Bericht auf eine Vertraulichkeitsvereinbarung, die der Produzent unterschrieb, als er vor mehr als zehn Jahren mit Prince zusammenarbeitete. Das Album, das schon von mehreren Millionen Fans vorbestellt worden ist, kann zurzeit nicht mehr geordert werden, die betreffende Internetseite ist aus dem Angebot von iTunes verschwunden. Mit der Vorbestellung war allerdings automatisch der Titelsong "Deliverance" zum Download bereitgestellt worden.

USA verweigern japanischer Metal-Band "Loudness" Einreise

Japaner hatten Trumps strikte Einreiseregeln nicht erfüllt

Japans international bekannter Heavy Metal-Band "Loudness" ist die Einreise in die USA verweigert worden. Das gab der Musikclub "Reggies" in Chicago auf seiner Facebook-Seite bekannt. Zur Begründung wurde auf die "strikte" Einreise-Politik der neuen Regierung unter US-Präsident Donald Trump verwiesen. Japanischen Medienberichten zufolge reisten die japanischen Alt-Rocker mehrere Stunden, nachdem ihnen an einem Flughafen in Chicago die Einreise verweigert worden sei, wieder zurück nach Japan. Der seit Jahrzehnten bestehenden Band sei noch nie die Einreise in die Vereinigten Staaten verwehrt worden. Ihre Agentur wurde mit den Worten zitiert, für von ihr betreute japanische Musiker hätten bislang Einladungsschreiben ausgereicht. Von den Bandmitgliedern von "Loudness" hätten die US-Behörden jedoch Visa verlangt, hieß es.

ROG fordert Garantien für russische Reporterin

Elena Milaschina wird von tschetschenischer Führung bedroht

Die Journalistenorganisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG) fordert die russischen Behörden auf, die Sicherheit der Journalistin Elena Milaschina und ihrer Kollegen von der Zeitung "Nowaja Gaseta" zu garantieren. Zudem sollten die Urheber der Drohungen gegen die Journalisten zur Rechenschaft gezogen werden, forderte ROG in Berlin. Die Drohgebärden der tschetschenischen Führung nannte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr "unerträglich". "Leider muss man solche Drohungen sehr ernst nehmen, weil im Nordkaukasus schon öfter kritische Berichterstatter ermordet wurden." Nach Angaben von ROG haben Milaschina und ihre Kollegin Irina Gordijenko Anfang April in der "Nowaja Gaseta" über schwere Menschenrechtsserletzungen an Homosexuellen in Tschetschenien berichtet. Seitdem seien die beiden massiven Drohungen der politischen und religiösen Führung der russischen Teilrepublik ausgesetzt. Wegen der Drohungen sei Milaschina aus Moskau geflohen und erwäge, auch Russland für eine Zeit lang zu verlassen, so die Journalistenorganisation. Insgesamt wurden nach ROG-Angaben in Russland seit dem Beginn von Präsident Wladimir Putins erster Amtszeit im März 2000 mindestens 33 Journalisten in direktem Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit ermordet.

Musikproduzent Frank Dostal stirbt mit 71 Jahren

Er textete "Yes Sir, I can boogie" und das "Lied der Schlümpfe"

Der Musikproduzent Frank Dostal ist tot. Der Texter von Baccaras Hit "Yes Sir, I can boogie" oder Vadder Abrahams "Lied der Schlümpfe" starb unerwartet in der Nacht von Montag auf Dienstag in Hamburg, wie die Verwertungsgesellschaft Gema mitteilte. Er wurde 71 Jahre alt. Der in Flensburg geborene Musiker machte sich in den 1960er-Jahren als Sänger der Hamburger Beat-Band Rattles und später bei der Band Wonderland einen Namen, die der Musiker Achim Reichel mitgegründet hatte. Später arbeitete Dostal vor allem als Liedtexter. So geht das von Dieter Hallervorden gesungene Stück "Du, die Wanne ist voll" auf ihn zurück. Außerdem kämpfte er für die Rechte von Musikern. Dostal, seit 2006 stellvertretender Aufsichtsratschef der Gema, hinterlässt zwei erwachsene Kinder und seine Frau Mary.

Berlin bremst Jazz-Musiker Till Brönner aus

Linker Kultursenator lehnt "House of Jazz" im Herzen der Hauptstadt ab

Das von Till Brönner geplante "House of Jazz" in Berlin könnte an Klaus Lederer, dem Kultursenator der Hauptstadt, scheitern. Wie der Linken-Politiker der Nachrichtenagentur dpa sagte, will er sich beim Bund für eine Umwidmung der bereits bewilligten Mittel einsetzen. Statt einer Spielstätte für Jazz-Musiker will Lederer ein "Haus für die Basiskultur" aufbauen. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte 12,5 Millionen Euro ausdrücklich für Brönners Konzept bewilligt. "Dieses Angebot nehmen wir so nicht an", sagte Lederer. Die Stadt bräuchte "nicht nur Leuchttürme, wir brauchen vor allem Arbeits- und Produktionsräume für Musiker der freien Szene." Brönner hatte in Absprache mit dem früheren Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) die Alte Münze in der Nähe der Roten Rathauses zu einer zentralen Spielstätte für den Jazz ausbauen wollen. "Natürlich freuen wir uns, wenn der Bund uns bei der Entwicklung kultureller Areale unter die Arme greift", so Lederer. "Aber wir lassen uns keine Vorschriften machen, wo und wie wir diese Areale entwickeln sollen." Das historische Gebäude solle Arbeitsmöglichkeiten für Kulturschaffende bieten, die sonst durch die steigenden Mieten in Berlin vertrieben würden.

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