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Tonart | Beitrag vom 10.01.2018

Popmusik in DeutschlandWarum schreiben so wenige Frauen Songs?

Natascha Augustin im Gespräch mit Mathias Mauersberger

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Kulturarena Jena im Jahr 2017: Konzert mit Judith Holofernes Judith Holofernes, deutsche Musikerin, Songschreiberin und Autorin. Bekanntheit erlangte sie vor allem als Sängerin und Gitarristin der Band Wir sind Helden. (imago/VIADATA)
Judith Holofernes eine Ausnahme? Gerade mal 11,5 Prozent der Toptitel im deutschen Radio im Zeitraum von 2001 bis 2016 wurden von Frauen geschrieben. (imago/VIADATA)

Beyonce, Lady Gaga, Taylor Swift – drei der größten Popstars unserer Zeit sind weiblich. Anders sieht es in Deutschland aus: In den Top 100 Singlecharts aus den Jahren 2000 bis 2016 wurden nur 26 Prozent der Songs von Frauen gesungen. Woran liegt das?

Eine Untersuchung der GEMA zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk hat festgestellt: In den Top 100 Singlecharts aus den Jahren 2000 bis 2016 wurden nur 26 Prozent der Songs von Frauen gesungen. Auch bei den Urheberinnen, also den Komponistinnen und Texterinnen, gibt es eine Schieflage: Gerade mal 11,5 Prozent der Toptitel im deutschen Radio im Zeitraum von 2001 bis 2016 wurden von Frauen geschrieben.

Im Vergleich zur Situation in den USA und in England habe Popkultur in Deutschland nicht einen derartigen Stellenwert, meint Natascha Augustin, Creative Director beim Verlag Warner Chapell Music Germany.

"Das Songschreiben an sich in den USA oder in England, das ist ein Kulturgut, das wird total ernst genommen. Da wird man ermuntert, und natürlich entsteht alles auch immer durch Vorbilder."

"In Nashville ist Songwriter ein ehrbarer Beruf"

Songwriter habe in den USA einen Stellenwert, den es so in Deutschland nicht gebe: In Nashville sei Songwriter "ein ganz und gar ehrbarer Beruf", sagt Augustin.

Aber natürlich trüge der Schein auch ein bisschen, weil auch bei Lady Gaga hätten teilweise 25 Leute an einem Song mitgeschrieben. "Und davon sind 80 Prozent Männer."     

Augustin organisiert auch sogenannte Songwriter Camps. Hier stellt sie Unterschiede bei den Geschlechtern fest:   

"Ich finde schon, dass man oft feststellt, dass Frauen kompromissbereiter sind, wenn es um Ideen geht. Sich dann auch mal die Ideen von einem anderen anzuhören, im Zweifelsfall vielleicht auch mal nachzugeben."

(mhn)  

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