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Kulturnachrichten

Samstag, 27. Januar 2018

Polen will Bezeichnung "polnische Todeslager" verbieten

Begriff unterstelle Mitverantwortung für deutsche Verbrechen im 2.Weltkrieg

Wer die historisch falsche Bezeichnung "polnische Todeslager" benutzt für "deutsche Vernichtungslager im besetzten Polen während des Zweiten Weltkriegs", den will Warschau künftig mit bis zu drei Jahren Haft bestrafen. Das hat das polnische Parlament beschlossen, offiziell um den Ruf Polens zu schützen. Durch den Begriff "polnische Lager" für deutsche Vernichtungslager weise man Polen immer wieder eine Mitverantwortung für deutsche Verbrechen zu, sagte der Vize-Justizminister. Kritiker befürchten, die Neuregelung könnte es Polen leichter machen, die eigene Verantwortung an Verbrechen gegen Juden im Zweiten Weltkrieg zu leugnen. Der polnische Senat und der Präsident müssen dem Gesetz noch zustimmen, damit es in Kraft treten kann.

39. Max-Ophüls-Filmfestival geht mit Preisverleihung zu Ende

Die Filme "Landrauschen" und "Cops" erhalten mehrere Preise.

Die deutsche Produktion "Landrauschen" hat beim 39. Max-Ophüls-Filmfestival in Saarbrücken gleich drei Preise gewonnen. An das Werk der Regisseurin Lisa Miller gingen sowohl die Auszeichnung für den besten Spielfilm als auch der Preis für das beste Drehbuch sowie der Preis der ökumenischen Jury. Der Film erzählt von der jungen Toni, die frustriert aus Berlin zurück in ihr ländliches Heimatdorf kommt und dort auf die lebensfrohe Rosa trifft. "Mit großer Energie und Tiefe, Mut zum Risiko und sehr viel Liebe zu den Figuren führt uns dieser Film in eine Welt, in der wir uns erst einmal genauso zurechtfinden müssen wie die Hauptfigur", lobte die Jury. Drei Auszeichnungen gingen auch an den österreichischen Film "Cop": der Preis für die beste Nebenrolle, der Preis für den gesellschaftlich relevanten Film und der Publikumspreis Spielfilm. Das Max-Ophüls-Filmfestival zählt zu den wichtigsten Foren für Nachwuchsfilmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

Regisseurin Dörrie kritisiert deutsches TV-Programm

Mehr gezielte Förderung junger Filmemacher notwendig

Die Regisseurin Doris Dörrie hat das deutsche Fernsehprogramm kritisiert. Formatentscheidungen würden zu häufig von vermeintlichem Zuschauerinteresse abhängig gemacht, sagte sie im Deutschlandfunk Kultur. Die Verantwortlichen in den oberen Hierarchieebenen der Sender gäben vor, genau zu wissen, was die Zuschauer sehen wollten und ließen dann ausschließlich entsprechende Formate produzieren. Das Ergebnis sei dann ein Programm, dass sowohl die Verantwortlichen als auch die Fernsehmacher selbst "verachteten", indem sie sagen, eigentlich würden sie auch "nur Netflix und Amazon" nutzen. Vor allem junge Filmemacher müssten ermutigt werden, an Produktionen zu arbeiten, die ihrem eigenen Geschmack entsprächen. Dörrie hält in diesem Zusammenhang mehr gezielte Förderung für notwendig. Momentan sei der Druck, der auf Berufseinsteigern in der Branche laste, zu groß um freie kreative Entscheidungen zu treffen.

Farhad Showghi erhält den Peter-Huchel-Preis 2018

Preis für deutschsprachige Lyrik verliehen

Der deutsch-iranische Lyriker Farhad Showghi erhält den diesjährigen Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik. Die Jury würdigt somit seinen Gedicht-Band "Wolkenflug spielt Zerreißprobe" als herausragende Neuerscheinung des Jahres 2017. Der Psychiater und Schriftsteller Showghi wurde in Prag geboren und lebt in Hamburg. Er schreibt Prosatexte und Gedichte in deutscher Sprache und übersetzt aus dem Persischen. Seine Gedichte werden als "eigentümliche, zwischen Prosa und Poesie schwebende Gebilde" bezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird am 3. April in Staufen im Breisgau verliehen. Preisstifter sind der Südwestrundfunk und das Land Baden-Württemberg.

Sven Regener ist lieber Musiker

"Herr Lehmann"-Autor ist auch Bandmitglied von Element of Crime

Der mit seinen "Herr Lehmann"-Romanen bekannt gewordene deutsche Schriftsteller Sven Regener ist eigentlich lieber Musiker. Musik sei schöner, erklärte der 57jährige gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag: "Sie können einen Song tausendmal spielen, und es ist jedes Mal wieder gut und etwas Tolles. Mit der Literatur sei das anders: "Wenn Sie ein Buch geschrieben haben, ist das vorbei, das haben Sie geschrieben, das war's." Regener ist Mitglied der 1985 gegründeten Band Element of Crime. Er singt, spielt Gitarre sowie Trompete und verfasst Liedtexte. Trotzdem wolle er nicht auf das Bücherschreiben verzichten, sagte Regener der "NOZ": "Wenn ich eine gute Idee habe für einen Roman, ist es eine große Befriedigung und ein großes Vergnügen, diesen Roman zu schreiben." Außerdem könne er sich mit all seinen Romanfiguren identifizieren. Er sei "zu 37 Prozent Herr Lehmann", sagte er über seine Hauptfigur. Das gehe ihm auch mit seinen anderen Figuren so.

Kristeva: "Geschlechterdebatte zu frauenlastig"

Psychoanalytikerin erkennt Krise der Männlichkeit

Die Psychoanalytikerin Julia Kristeva kritisiert die aktuelle Geschlechterdebatte. Sie sei "zu sehr auf das Weibliche konzentriert", sagte sie der "Neuen Zürcher Zeitung". Sie forderte, "die Symptome dieser Krise der Männlichkeit mit einzubeziehen, um nicht in den Puritanismus abzugleiten oder in Ignoranz". Kristeva erkennt eine Krise der Männlichkeit und macht den "einseitigen Feminismus" unserer Tage dafür verantwortlich. Es gäbe Männer, die ihre Libido verlören oder Probleme hätten, ihre Sexualität auszuleben. Sie fühlten sich kastriert, "in der Identität abgetötet", "erniedrigt und orientierungslos": "Es handelt sich hier um sehr komplizierte Formen der Depression, unterstrich sie. Der heutige Feminismus vernachlässige genauso wie der frühere die Frage nach der Gewalt als Teil der Erotik des Mannes: Die männliche Sexualität sei "ein unerschlossener Kontinent", so Kristeva weiter.

Lévy: "Nicht alle Deutschen waren Mörder"

Holocaust-Überlebende beklagt zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Deutschland

Die Holocaust-Überlebende Hanni Lévy hat auf dem Grünen-Parteitag in Hannover eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Deutschland beklagt. Früher habe man gesagt, die Juden seien an allem schuld, heute seien es die Flüchtlinge, sagte die 93-Jährige. Man dürfe nie vergessen, wie schwer es für Menschen sei, alles zurückzulassen, um zu leben. Die Grünen hatten Lévy anlässlich des Holocaust-Gedenktags als Rednerin zum Parteitag eingeladen. Lévy betonte, sie stehe heute auch hier als Beleg dafür, dass nicht alle Deutschen Mörder gewesen seien. Lévy gehört zu den etwa 2.000 Juden, die die Verfolgung durch die deutschen Nationalsozialisten in Berlin überlebten.

"Offene Gesellschaft" und "Labor Europas"

Leeuwarden startet als neue Kulturhauptstadt Europas

Im niederländischen Leeuwarden beginnt an diesem Wochenende das Programm der neuen Kulturhauptstadt Europas. Zum Auftakt erzählten sich die Friesen Geschichten über besonders strenge Winter oder den Seeräuber und Freiheitskämpfer Grutte Pier. Die gesamte Provinz Friesland will sich in den kommenden Monaten als "offene Gesellschaft" und als "Labor Europas" präsentieren. Weltoffen und kreativ will sie sich mit drängenden Zukunftsfragen wie Armut, Überalterung und Klimawandel auseinandersetzen. Das Kulturhauptstadtprogramm beginnt am heutigen Abend mit großem Musik- und Lichtspektakel. An der Eröffnungszeremonie nimmt das Königspaar teil.

Stalin-Komödie verboten

Russisches Kulturministerium zensiert Kino-Programm in Moskau

Ein Moskauer Kino hat eine Komödie über den sowjetischen Diktator Josef Stalin aus dem Programm genommen. Das sei unter Druck der Behörden geschehen, hieß es zur Begründung. Das Kino "Pioner" sei von heute an gezwungen, den Film "The Death of Stalin" nicht mehr zu zeigen, teilte das Kino bei Facebook mit. Vergangene Woche hatte das russische Kulturministerium den Streifen des britischen Regisseurs Armando Iannucci kurz vor der Premiere verboten. In der Komödie werden die letzten Tage Stalins (1878-1953) und der Machtkampf nach seinem Tod thematisiert. Duma-Abgeordnete hatten den Film als untragbar bezeichnet und ein Verbot gefordert. In Deutschland soll die Komödie Ende März in die Kinos kommen.

Deutscher Fernsehpreis 2018 verliehen

"Babylon Berlin" gewinnt in vier Kategorien

Die Fernsehserie "Babylon Berlin" hat in vier Kategorien den Deutschen Fernsehpreis 2018 gewonnen. Sie wurde als beste Drama-Serie sowie für die beste Kamera, beste Musik und beste Ausstattung geehrt. Die Serie spielt im Berlin der Zwanzigerjahre und erzählt die Geschichte des Kommissars Gereon Rath, der in einem Erpressungsfall ermittelt. Als bester Fernsehfilm wurde das ZDF-Drama "Eine unerhörte Frau" ausgezeichnet. Der Film handelt von einer verzweifelten Mutter, die für ihre kranke Tochter kämpft. Julia Jentsch ("Sophie Scholl - Die letzten Tage") wurde als beste Schauspielerin gewürdigt. Kida Khodr Ramadan hat für seine Leistung in der Serie "4 Blocks" als bester Schauspieler gewonnen. In "4 Blocks" geht es um eine arabische Großfamilie in Berlin. Die Serie wurde auch für beste Regie ausgezeichnet. Den Preis für die beste Comedy erhielt die ARD-Satire-Sendung "Extra 3".

Lokalpolitik agiert auf der Bühne

Inszenierte Stadtratssitzung am Schauspiel Düsseldorf

"Düsseldorf first!" sei ein dankbarer Titel, anders als Trump wolle man da allerdings niemanden ausschließen, sagt die Regisseurin Miriam Tscholl über ihr Theaterstück. Man wolle da konstruktiv schauen, "vielleicht kann doch die Politik auch vor der Haustür schon beginnen", unterstrich sie im Deutschlandfunk Kultur. In der inszenierten Bürgerversammlung treten Mitglieder des Düsseldorfer Stadtrats als Laiendarsteller auf. Es geht um Probleme der Stadt, seien es neue Fahrradwege oder der Mietmarkt in Düsseldorf. Die Darsteller müssten als "Experten des Alltags" dann auf die Publikumsabstimmung reagieren. "Das ist auch eine Herausforderung", sagt Regisseurin Tscholl, die mit diesem Format der Bürgerbühne seit Jahren experimentiert. Die aktive Bürgergesellschaft soll im Theater lebendig werden.

Drehbuchautoren fordern bessere Arbeitsbedingungen

Lex: "Ich kann es wirklich nicht mehr hören"

Vor Verleihung des Deutschen Fernsehpreises fordern Drehbuchautoren bessere Arbeitsbedingungen: Wenn deutsche Sender mehr stark erzählte Serien im Stile von Netflix wollten, müsse es einen Kulturwandel geben, erklärte Christian Lex vom Verband Deutscher Drehbuchautoren. Oft werde gesagt, es gebe keine guten Autoren in Deutschland. "Ich kann es wirklich nicht mehr hören. Es gibt einfach zu wenig gute Bedingungen", sagte Lex. Den Autoren geht es um mehr Zeit, mehr Geld und mehr Vertrauen bei der Entwicklung von Stoffen.

Uni Frankfurt erwirbt Habermas-Literatursammlung

Aus Privatarchiv des Amsterdamer Philosophen Görtzen

Die Frankfurter Universitätsbibliothek hat eine umfangreiche Privatsammlung zum Philosophen Jürgen Habermas erworben. Die nahezu komplette Sammlung der publizierten Primär- und Sekundärliteratur von und über Habermas in mehr als 30 Sprachen umfasse mehr als 5.250 Bücher, teilte die Hochschule mit. Darunter seien Publikationen in chinesischer, arabischer und serbokroatischer Sprache sowie 216 Aktenordner mit kopierten Zeitschriftenaufsätzen. Die Sammlung aus dem Privatarchiv des Amsterdamer Philosophen Rene Görtzen, der im kommenden Jahr eine umfassenden Habermas-Bibliografie veröffentlichen will, entstand nach Hochschulangaben über einen Zeitraum von 40 Jahren. Die Sammlung soll in der Universitätsbibliothek für die wissenschaftliche Benutzung aufgearbeitet werden.

Deutsche Oper: Reinigungspersonal löste Überschwemmung aus

Unabsichtlich Sprinkleranlage auf Bühne angestellt

Die Ursache für die Überschwemmung in der Deutschen Oper Berlin an Heiligabend ist geklärt: Personal der Reinigungsfirma habe ohne Absicht die Sprinkleranlage auf der Bühne in Gang gesetzt, teilte das Opernhaus mit. Die Reparaturarbeiten bei laufendem Spielbetrieb würden voraussichtlich noch bis zur Sommerpause dauern. Die Polizei werde demnächst die Ermittlungen einstellen. Von dem Schaden sind besonders die Ober- und Untermaschinerie sowie die Bühnenbeleuchtung betroffen.

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