Seit 05:05 Uhr Studio 9
 

Freitag, 24.11.2017

Kulturnachrichten

Montag, 4. September 2017

Poet und Pulitzerpreisträger John Ashbery gestorben

US-Dichter wurde 90 Jahre alt.

In seinen Gedichten spiegelte sich der Zusammenhang von Chaos und Kunst. John Ashbery galt als einer der einflussreichsten Dichter des 20. Jahrhunderts in den USA. Seine Poesie war geprägt von Humor und Spontanität. Besonderen Ruhm erhielt Ashbery für seinen 1975 erschienen Gedichtband «Self-Portrait in a Convex Mirror». Das Werk wurde sowohl mit dem Pulitzerpreis als auch dem National Book Award und dem National Book Critics Circle Award ausgezeichnet. Wie Ashberys Ehemann bestätigte, starb der Dichter gestern im Alter von 90 Jahren US-Bundesstaat New York.

BBC zieht sich wegen Zensur aus Myanmar zurück

Staatliche Eingriffe in Berichterstattung über Rohingya-Minderheit

Aus Protest gegen staatliche Zensurversuche hat die britische BBC ihre Nachrichten-Zusammenarbeit mit einem TV-Sender in Myanmar aufgekündigt. Die BBC könne "Zensur und Einmischung" nicht tolerieren, weil dadurch das Vertrauen des Publikums Schaden nehme, teilte die britische Rundfunkanstalt mit. Hintergrund sollen staatliche Eingriffe in die Berichterstattung über die Minderheit der muslimischen Rohingya sein. Von der Kündigung betroffen ist die tägliche birmanischsprachige Nachrichtensendung, die die BBC seit 2014 für den Sender MNTV produziert hatte. Sie hatte täglich 3,7 Millionen Zuschauer. Der Rückzug der BBC ist ein weiterer Rückschlag für die Hoffnung, dass sich Myanmar nach dem Ende der Militärherrschaft zu einem Land mit echter Pressefreiheit entwickelt. Zuletzt stieg die Zahl von Verleumdungsklagen gegen kritische Journalisten, Satiriker und Aktivisten deutlich an.

Bürgermeister von Florenz sorgt sich um Uffizien

Direktor Eike Schmidt will 2019 gehen

Nachdem Eike Schmidt, der deutsche Direktor der Uffizien, seinen Weggang für 2019 angekündigt hat, sorgt sich der Bürgermeister von Florenz um die Gemäldegalerie. Grund sei, dass der Abgang so früh bekannt gemacht wurde, sagte Dario Nardella der italienischer Nachrichtenagentur Ansa. "Es ist, als würde ein Trainer einer großen Fußballmannschaft schon zu Beginn sagen, dass er zu einer anderen Mannschaft geht." Die Uffizien seien ein Aushängeschild Italiens, man könne nicht anderthalb Jahre in Unsicherheit leben. Nardella forderte das weltberühmte Museum auf, sofort mit der Suche nach einem Nachfolger zu beginnen. Vergangene Woche hatte Eike Schmidt mitgeteilt, dass er nach Ablauf seines Vierjahresvertrages an das Kunsthistorische Museum in Wien wechselt.

Satire-Partei übernimmt AfD-Fan-Accounts

Shapira: "Ab jetzt werden Sie von echten Menschen verarscht"

Die Satire-Partei "Die Partei" hat die Accounts von 31 AfD-Unterstützergruppen auf Facebook gekapert. Ziel sei es gewesen, dieses Netzwerk "nicht ungestört walten" zu lassen, sagte der Satiriker Shahak Shapira im Deutschlandfunk Kultur. Zum anderen habe man aufzeigen wollen, "was für eine Manipulation da stattfindet und wie Menschen mit Hilfe von Fake-Accounts und gewissen Algorithmen ganz klar manipuliert werden". Die Accounts wurden bislang von Bots gegründet und verwaltet. "Ab jetzt werden Sie von echten Menschen verarscht", erklärt Shapira in einem Video. Auf die Kritik, eine solche Aktion sei kontraproduktiv, da dies die AfD-Fans noch enger zusammenschweiße, da sie sich als Opfer wähnen, antwortete Shapira: "Den Opfermythos fährt die AfD schon immer, dazu brauchen wir nicht ihre Gruppen zu übernehmen, damit sie sich in die Opferrolle reinfinden." Das könne die AfD schon immer gut: "Es sind immer die anderen schuld. Es ging wirklich darum, den Menschen zu sagen: 'Hey, ihr werdet verarscht hier!' Wenn da jemand sich als Opfer betrachtet, dann möchte er das", fügte der Satiriker hinzu.

50 Millionen Euro für Kunstankäufe

Grütters: "Starkes Signal einer verantwortungsvollen Kulturpolitik"

Der Bund unterstützte in den Jahren 2016 und 2017 mit rund fünf Millionen Euro Kunstankäufe. Zusammen mit weiteren privaten und öffentlichen Partnern wurden in diesem Zeitraum national wertvolle Kunstwerke in Höhe von rund 50 Millionen Euro angekauft, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in Berlin. Darunter seien etwa die autografe Bach-Partitur "O Ewigkeit, du Donnerwort", das Kirchner-Gemälde "Urteil des Paris" und zwei Blätter mit Originalaufzeichnungen Beethovens aus dem Jahr 1826. Jüngst wurde unter anderem mit Bundesmitteln in Höhe von 500.000 Euro das "Liesborner Evangeliar" angekauft. Das Evangeliar ist eines der wenigen vollständig erhaltenen karolingischen Evangeliare aus einem westfälischen Kloster. Im kommenden Jahr soll der Etat für Kunstankäufe im Bundeshaushalt statt der bisherigen 2,5 Millionen dann 10 Millionen Euro betragen.

Serebrennikow bleibt im Hausarrest

Starregisseur darf pro Tag zwei Stunden spazieren gehen

Der unter Hausarrest stehende russische Starregisseur Kirill Serebrennikow bekam von einem Moskauer Gericht die Erlaubnis für Freigänge. Der regierungskritische Leiter des Moskauer Gogol-Theaters darf seine Wohnung jeden Tag zwischen 18 und 20 Uhr für Spaziergänge verlassen. Er dürfe jedoch nicht außerhalb seines Stadtbezirkes unterwegs sein. Anträge auf Beistand durch einen buddhistischen Geistlichen oder Yoga wurden abgelehnt. Die Ausreise nach Deutschland zu den Proben an der Stuttgarter Oper ist auch nicht möglich. Serebrennikow steht seit knapp zwei Wochen unter Hausarrest. Das Staatliche Ermittlungskomitee wirft ihm vor, 68 Millionen Rubel (knapp eine Million Euro) staatlicher Gelder unterschlagen zu haben. Der Regisseur bestreitet die Vorwürfe.

Fragment des Satelliten-Theaters vorgestellt

Kéré: "Man kann das als schöner Traum sehen"

Architekt Francis Kéré und Volksbühnen-Intendant Chris Dercon haben ein erstes Fragment ihres geplanten Satelliten-Theaters vorgestellt. In einem Hangar des Flughafen Tempelhof ließ Kéré ein Tribünenelement mit acht mobilen Sitzgelegenheiten errichten, die mit Holz verkleidet und mit Stoff verhüllt werden wird. Die Tribüne hat derzeit 400 Plätze. Als "flexibel und radikal einfach" bezeichnete Dercon die Arbeit Kérés für die Volksbühne. "Wir stehen auf einer Baustelle, aber es ist doch ein guter Beginn. Man kann das als schöner Traum sehen", sagte Kéré. Die Umsetzung seines Entwurfs, eines kompletten Theaters für 1000 Zuschauer, sei jedoch ungewiss. Mitten im Projekt gab es "harte Auseinandersetzungen". Als Grund dafür nannte Intendant Chris Dercon zu spät bewilligte Lottomittel. "Ende Mai, haben wir erfahren, dass das Projekt doch weiter geht, in der Hoffnung, dass es Geldgeber geben wird, so dass diese Utopie doch wahr wird", fügte Kéré hinzu. Premiere feiert der neue Theaterraum am 14. September bei der Uraufführung des Tanzstücks "A Dancer's Day".

Youtube muss bei Verstößen Mail-Adresse angeben

Oberlandesgericht Frankfurt entscheidet zugunsten einer Filmverwerterin

Youtube und Google müssen bei Urheberrechtsverstößen die Mail-Adresse der verantwortlichen Nutzer angeben. Das entschied das Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Geklagt hatte eine deutsche Filmverwerterin. Sie besitzt die Rechte an zwei Filmen, die von Nutzern auf Youtube unter einem Pseudonym veröffentlicht wurden. Die Herausgabe von der Telefonnummer und IP-Adresse lehnte das Gericht dagegen ab. Youtube sei laut Urheberrechtsgesetz verpflichtet, Auskunft über Namen und Anschrift zu erteilen. Darunter falle auch die Mail-Adresse. Dass mit Anschrift ursprünglich die Postanschrift gemeint war, sei "historisch begründet" und gehe auf das Jahr 1990 zurück. Die Möglichkeit, jemanden anzuschreiben, sei mit der Mail-Adresse gegeben. Das Landgericht Frankfurt hatte die Klage vor gut einem Jahr abgewiesen, das Unternehmen ging aber in Berufung. Da noch eine Revision möglich ist, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Weniger Menschen als 2013 sahen das TV-Duell

Merkel und Schulz verbuchten 16 Millionen Zuschauer

Das TV-Duell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Herausforderer Martin Schulz sahen weniger Menschen als die entsprechende Übertragung vor der Bundestagswahl 2013. Gut 16 Millionen Zuschauer schauten sich das Aufeinandertreffen der beiden Kandidaten an, wie die ARD mitteilte. Vor vier Jahren waren das noch über anderthalb Millionen Menschen mehr, die das Merkel-Steinbrück-Duo verfolgten. Den Rekord hält weiterhin das Duell von Merkel und dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder aus dem Jahr 2005, das es auf rund 21 Millionen Zuschauer brachte. Heute Abend sendet die ARD eine weitere Wahlkampfsendung mit den Spitzenkandidaten Joachim Herrmann (CSU), Cem Özdemir (Grüne), Christian Lindner (FDP), Sahra Wagenknecht (Linke) und Alice Weidel (AfD).

Uffiziendirektor beklagt die Museumsarbeit

Schmidt: "Verkrustung und italienische Bürokratie hindern die Museumsarbeit"

Verkrustung und italienische Bürokratie seien große Hindernisse für eine erfolgreiche Museumsarbeit in Italien, meint Eike Schmidt, Direktor der Uffizien in Florenz. Wenn es lange keinen personellen Austausch gebe, heiße es schnell: Das geht nicht anders, das haben wir immer schon so gemacht, sagte er im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Schmidt übernahm im November 2015 als erster Ausländer die Leitung der Uffizien, dem größten und wichtigsten Museum Italiens. Als weitere Probleme in Florenz bezeichnete der Kunsthistoriker die italienische Bürokratie und einen ständigen Konflikt zwischen der Stadt Florenz und dem Staat, der die Uffizien trägt. Kürzlich hatte er überraschend mitgeteilt, dass er zum 1. Januar 2019 die Leitung des Wiener Kunsthistorischen Museums übernimmt. Schmidt sagte, im Gegensatz zu den Uffizien sei die Wiener Einrichtung ein Museum, das "schon sehr gut funktioniert".

Song von George Harrison wird versteigert

Unveröffentlichter Song soll 1968 in Indien entstanden sein

Ein bislang unveröffentlichter Song des 2001 verstorbenen Ex-Beatles George Harrison soll am 11. September versteigert werden. Das teilte das Auktionshaus Omega Auctions in Warrington bei Liverpool mit. Das Tonband, auf dem sich auch mehrere Beatles-Hits befinden, wird auf umgerechnet rund 16 400 Euro geschätzt. Der Song "Hello Miss Mary Bee" soll im Jahr 1968 in Indien entstanden sein und war einer Freundin Harrisons gewidmet. Das geht aus Briefen hervor, die gemeinsam mit dem Tonband versteigert werden. Außerdem sollen rund 70 bisher unbekannte Fotos der Beatles unter den Hammer kommen.

Schriftsteller Rushdie will "die reale Welt beschreiben"

Neues Buch des Schriftstellers erscheint am Dienstag

Anlässlich seines neuen Buches "Golden House" hat sich der Schriftsteller Salman Rushdie grundsätzliche Gedanken über sein Schaffen gemacht. Es sei angsteinflößend und "sehr gefährlich, dass es diese fortgesetzten Angriffe auf die Wahrheit gibt": "Wenn sehr mächtige Menschen ständig Lügen propagieren, ist dies vielleicht keine gute Zeit für Menschen wie mich, die sich ja Geschichten ausdenken", sagte Rushdie der "Welt am Sonntag". Es sei nicht die Zeit, um, "wie in meinem letzten Roman, Geschichten zu schreiben, in denen es von fliegenden Teppichen wimmelt. Ich will die reale Welt beschreiben". Er habe die Hoffnung, dass die Leser dadurch "ein besseres Gespür" für die reale Welt bekämen, sagte Rushdie weiter. Rushdies neuer Roman beschreibt den Zeitgeist im heutigen New York und den Aufstieg einer despotischen Comic-Figur zum Präsidenten. Das Buch erscheint am Dienstag.

"Klimawechsel" an deutschen Kliniken gefordert

Hecker: "Meldesysteme müssen nicht nur angeboten, sondern auch gelebt werden"

Die Medizinerin Ruth Hecker fordert einen "Klimawechsel" an deutschen Kliniken. Es müsse "eine Stimmung herrschen, in der sich jeder trauen kann und verantwortlich fühlt, einen Verdacht oder Fehler zu äußern, ohne Angst haben zu müssen, dass dies negative Folgen für ihn hat", sagte Hecker, die Vorstandsmitglied des Aktionsbündnisses Patientensicherheit ist, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Mordserie des ehemaligen Krankenpflegers Niels H. sei indes "ein Einzelfall von einer Grausamkeit, die man vermutlich nur schwer verhindern kann". Als Leiterin des Qualitäts- und klinischen Risikomanagements an der Uniklinik Essen kennt Hecker Meldesysteme, in denen Fehler, aber auch Beinahefehler wie "fast hätte ich die Blutproben vertauscht" oder Verdachtsfälle angegeben werden könnten. Diese Meldesysteme müssten allerdings "nicht nur angeboten, sondern auch gelebt werden". In Kliniken fehle es am Gedanken "aufeinander aufzupassen": "Es geht nicht ums Anschwärzen, sondern darum, im Sinne des Patienten darauf zu achten, dass alles optimal läuft", fügte die Expertin hinzu. Bessere Meldesysteme für Krankenhäuser hatten zuletzt auch die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Ingrid Fischbach (CDU), sowie Patientenschützer gefordert.

Steely-Dan-Gitarrist gestorben

Walter Becker wurde 67 Jahre alt

Der amerikanische Gitarrist Walter Becker, Mitbegründer der Jazz-Rock-Band Steely Dan, ist gestorben. Das wurde auf der Webseite des Musikers mitgeteilt. Nähere Angaben zur Todesursache gab es nicht. Becker wurde 67 Jahre alt. Er sei ein "exzellenter Gitarrist und großartiger Songschreiber" gewesen, schrieb sein Bandkollege Donald Fagen in einem Nachruf für das Musikmagazin "Rolling Stone". Songs wie "Rikki Don't Lose That Number" und "Dirty Work" zählten zu den größten Hits der Band. Fagen und Becker hatten sich 1967 auf dem Bard College im Bundesstaat New York kennengelernt. 1972 gründeten sie dann ihre eigene Formation Steely Dan. Das Debütalbum "Can't Buy A Thrill" mit dem Song "Do It Again" wurde gleich ein Hit. In den 1980er Jahren trennten sich ihre Wege, doch im Jahr 2000 feierten sie mit dem gemeinsamen Album "Two Against Nature" ein Comeback. Für die Platte heimste das Duo vier Grammys ein, unter anderem für das "Album des Jahres".

Kulturnachrichten hören

September 2017
MO DI MI DO FR SA SO
28 29 30 31 1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 1

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur