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Im Gespräch | Beitrag vom 16.04.2018

Pianist Robert Levin "Bach hat musikalisch alles vorhergesehen"

Moderation: Matthias Hanselmann

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Der Pianist Robert Levin  (Clive Barda)
Der Pianist Robert Levin (Clive Barda)

Als Kind nahm Robert Levin eine Fernsehaufführung der Matthäus-Passion in seinen Bann. Noch heute nennt der Pianist Johann Sebastian Bach einen "Vater". Er hat fast dessen ganzes Repertoire eingespielt. Warum Kompetenz alleine langweilt, erzählt Levin, der auch Musikpädagoge ist, im Interview.

Als er 1958 als Zehnjähriger zum ersten Mal die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach in einer Aufführung mit Leonard Bernstein im Fernsehen sah und hörte, war es um ihn geschehen:

"Ich war hin und weg. Das war für mit der Wendepunkt. Ich wollte alles von Bach haben, hören und spielen, was es gab."

Robert Levin wusste, dass er sein Leben der Aufführung, Erforschung und Vermittlung des Werkes von Bach widmen würde.

"Ich war tief beeindruckt und bin es noch. Bach ist wie unser Vater. Musikalisch hat er alles vorhergesehen."

"Damals hat Kultur eine viel größere Rolle gespielt als heute"

Der Komponist, Pianist und Musikpädagoge Levin wurde schon mit zwölf Jahren in Paris unterrichtet, mit 16 Jahren studierte er in Harvard, mit 21 schloss er ab – mit Bravour und summa cum laude.

"Damals hat Kultur eine viel größere Rolle gespielt als heute. Man glaubte noch, mit Konzerten und Theateraufführungen im Fernsehen die Menschen besser machen zu können. Das ist heute in Amerika schon lange nicht mehr der Fall. Eine Oper im Fernsehen zu sehen, ist kaum noch möglich."

"Die Zuhörer müssen angesprochen werden"

Er hat fast das ganze Bach-Repertoire eingespielt und unvollendete Werke von Mozart komplettiert. Die Vermittlung und Erneuerung der Bach-Tradition liegt ihm mehr als alles andere am Herzen, aber sein Repertoire reicht bis in die Musik der Gegenwart:

"Ich lege sehr großen Wert auf Redlichkeit beim musikalischen Vortrag. Die Zuhörer müssen angesprochen werden. Sie müssen eine Botschaft erhalten. Diese Botschaft heißt, dass man etwas erzählt. Es geht um den musikalischen Werdegang. In dem Moment, wo der ganz oben steht, gibt es einen Spannungsbogen, man fühlt sich in den Diskurs gezogen und ist gespannt, wie es zu Ende geht. Der Rest ist rein mechanisch. Kompetenz allein langweilt."

Heute pendelt der Musikpädagoge zwischen New York und Deutschland. Und die Stadt Leipzig verleiht Robert Levin in diesem Jahr für seine Verdienste die renommierte Bach-Medaille.

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