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Tonart | Beitrag vom 27.05.2016

Paul McCartney im BBC-Interview"Ich war depressiv"

Von Korbinian Frenzel

Paul McCartney vor einem Auftritt im in Covent Garden London, 2013. 
Wusste nach der Auflösung der Fab Four nicht weiter: Paul McCartney (3.v.l.)

Niedergeschlagen und an der Flasche: In einem Interview mit der BBC spricht Ex-Beatle Paul McCartney offen über seine Schwierigkeiten nach der Auflösung der Band – und seine Begeisterung für den Rapper Kanye West.

"Sir Paul McCartney"

Es ist ein Auftritt auf bekanntem Terrain, die Maida Vale Studios in London. Hier hatte die BBC zum ersten Mal 1963 eine junge und damals ziemlich nach vorne strebende Band zu Gast: die Beatles. 53 Jahre später, Paul McCartney kommt rein und setzt sich erstmal an den Flügel.

Die Beatles, wie man sie kennt. Und dann kommen schnell ganz andere Töne vom großen Verblieben, von Paul McCartney:

"Ich habe zur Flasche gegriffen, zum Whiskey. Zuerst war alles großartig – und dann wachst du morgens auf und es ist keine gute Zeit mehr. Es hat einfach nicht mehr funktioniert."

Paul McCartney taucht ein in die Jahre 1969/1970. "Let it be" ist das letzte Album, das die Band damals schon weitgehend ohne John Lennon aufnimmt, dann die offizielle Trennung der Vier – und auf einmal stellt sich diese große Frage für einen damals noch ziemlich jungen Mann:

Wie kann man auf eine solche Karriere noch etwas draufsetzen?

"It was kind of difficult to know what to do after the Beatles. How do you follow that?"

Wie kann man auf eine solche Karriere noch etwas draufsetzen? Paul McCartney sitzt im Studio der BBC, vor ausgewählten Publikum – und Moderator John Wilson fragt ohne Umwege: Waren Sie damals depressiv?

"Yes, it was very depressing. I was depressed. You would be, too, if it happened to you, you know. I was breaking from lifelong friends."

Der Bruch lebenslanger Freundschaften, bekennt McCartney, hat ihm zu schaffen gemacht, Streit um Verträge und das Erbe der Beatles – und schließlich die Ungewissheit: Werde ich weiter Musik machen?

"Not knowing whether it continues in music – that was kind of depressing."

Wilson: "Seriously, you thought for a moment that is it?"

"Wie machst Du es ganz praktisch betrachtet auf der Bühne, wenn Du weitermachen willst, wer spielt die Instrumente?"

Er hat bekanntermaßen weitergemacht – Paul McCartney nutzt die knappe Stunde in der BBC für eine Liebeserklärung an die Frau, die dafür ganz offensichtlich sehr entscheidend war: Linda, seine langjährige Partnerin, die 1998 an Krebs starb.

"One of the lucky things after the Beatles broke up – I found Linda. The two of us had that bond that could fight the world."

"Wir waren nicht besonders gut"

Linda war es, erzählt Paul McCartney, die ihn zum Weitermachen überredet hat. Und nicht nur das: Sie selbst setzt sich ans Keyboard in seiner ersten Nach-Beatles-Band "The Wings". Musikalisch, das gesteht McCartney im Interview, kein Vergleich zu den Fab Four.

"Wir waren nicht besonders gut – und Leute kamen zu mir und sagten, Linda kann kein Keyboard spielen. Und sie hatten ja recht, aber John konnte übrigens auch nicht besonders gut Gitarre spielen, als wir anfingen."

Apropos John, John Lennon, apropos Liebe. Kein großes Interview zu den Beatles, in dem die Frage nach dem Verhältnis der beiden fehlen dürfte. Paul McCartney dreht sich zur Seite, greift zur Gitarre.

Eine Liebeserklärung an John Lennon

"Here Today", 1982 geschrieben, zwei Jahre nach dem Tod Lennons. Ein Weg, so sagt es Paul McCartney, ihm zu sagen: I love you, John. Zum Glück hatten sie ihren Jahre schwelenden Streit beigelegt, bevor Lennon erschossen wurde, sagt Paul McCartney im Interview.

"Denn es wäre ziemlich schwierig gewesen, damit umzugehen, wenn wir das nicht geschafft hätten. Und es war auch so schon schwierig genug."

Und dann greift er wieder zur Gitarre – wer ihn heute musikalisch inspiriere, fragt eine junge Frau aus dem Publikum.

"Ich liebe Rihanna"

"I love Rihanna. I love Kanye. He's a monster…"

Mit beiden Musikern hat McCartney im letzten Jahr den Titel "Four, Five Seconds" eingespielt – wobei: Eigentlich hatten sie, erzählt McCartney, nur ein bisschen gejamt, aufgenommen alleine von einem iPhone. Und dann bekam Paul McCartney irgendwann diese Aufnahme zugeschickt.

Wo bin ich da, fragt Paul McCartney. Und er hat sichtlich kein Problem mit dieser recht kleinen Rolle für den großen Ex-Beatle.

BBC Four strahlt das ganze Interview am Samstag ab 10:00 Uhr aus. Zu finden ist es auch online der Webseite der BBC.

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