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Studio 9 | Beitrag vom 19.06.2017

Onlinespiel "Die Weltherrschaft"Verschwörungstheorien aus dem Baukasten

Von Stephan Oszváth

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Stilisierte Darstellung dreier Ārzte: eine Persone hält sich die Ohren zu, eine die Augen, eine den Mund. (imago )
Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. (imago )

Katzen, die einen dritten Weltkrieg anzetteln wollen, um die Weltherrschaft zu erlangen. Absurd? Mag sein, aber genauso funktionieren Verschwörungstheorien - und mit dem interaktiven Online-Spiel "Die Weltherrschaft" lassen sie sich ganz einfach selber bauen.

Zitat aus "Die Weltherrschaft": Wer greift nach der Weltherrschaft?

Sind es die Hauskatzen? Die Clowns? Die Zahnärzte? Oder die Schlagerstars? Das fragt das interaktive Online-Spiel "Weltherrschaft". Per Mausklick kann man auswählen. Und darauf eine eigene Verschwörungstheorie aufbauen.

Zitat: Was genau wollen die Verschwörer erreichen? Wähle jetzt den zweiten Baustein..

Geht es darum, sich persönlich zu bereichern, die Weltbevölkerung zu dezimieren, die Demokratie abzuschaffen oder den dritten Weltkrieg anzuzetteln? Die Katzen – soviel wird im Spiel sonnenklar – wollen einen dritten Weltkrieg anzetteln, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Absurd, denken Sie? Mag sein, aber genau so funktionieren Verschwörungstheorien: Oder haben Sie noch nie davon gehört, dass wir Journalisten von oben gesteuert werden? Oder warum Juden angeblich bei den Anschlägen vom 11. September nicht ums Leben kamen? Angesichts von Populismus, Internet-Filterblasen und Fake-News ist "Weltherrschaft" ein Online-Spiel auf der Höhe der Zeit, erklärt ORF-Kulturchef Martin Traxl.

"Wir befinden uns in einer digitalen Informationsflut auf der einen Seite. Auf der anderen aber genügen bloße Behauptungen, um Teile der Realität auszublenden oder auch andere, alternative Realitäten zu schaffen. Wieso haben die Rattenfänger wieder Hochsaison? Warum glauben die Menschen so viel und hinterfragen so wenig? Das ist ja das Grundcharakteristikum von diesen ganzen Verschwörungsgeschichten und das wollen wir transparent machen. Ein Stück Aufklärung, das aber nicht so bierernst daher kommen soll."

Politische Bildung im besten Sinne

Zitat: Wie wollen die Verschwörer ihr Ziel erreichen? Wähle jetzt den dritten Baustein..

Zur Auswahl stehen: Medien manipulieren, die Machtzirkel unterwandern, oder biologische und chemische Mittel – Stichwort Chemtrails, im Bild sieht man die Aluhüte. In der interaktiven Webdoku kann sich jeder Nutzer durch den Verschwörungsbaukasten klicken – und lernt dabei gleichsam als Heimwerker im Selbstversuch, wie Verschwörungstheorien funktionieren. Politische Bildung im besten Sinne. ORF-Projektleiter Siggi Steinlechner.  

"Das hat dazu geführt, dass wir – in einer Zeit, wo das plötzlich noch aktueller wird aufgrund der politischen Lage – jetzt davon überzeugt sind, ein Projekt zu haben, das allen hilft, zum einen, über das Webprojekt zu erkennen, wie absurd einfach es ist, Verschwörungstheorien zu erzeugen und zu teilen, und hoffentlich darüber zu reflektieren, und wie notwendig es ist, dass wir uns – gerade als öffentlich-rechtliche Medien – damit fundiert auseinander setzen."

Zitat: Was ist der Beweis für deine persönliche Verschwörungstheorie?

Fertige Verschwörung als bitterböses Filmchen

Geheime Studien, die so geheim sind, dass sie keiner kennt, oder alle darüber schweigen, weil die angebliche Wahrheit zu schmerzhaft für die Mächtigen sein könnte. Es geht um den Kern, den Bauplan von Verschwörungstheorien, erläutert ORF-Projektleiter Siggi Steinlechner.

"Die Plots, die die gemeinsam haben, aus unserer Sicht, sind: Ängste, die wir alle haben, Unwissenheit, Unbildung, gezielte Desinformation und schlussendlich auch – jeder von uns hat die – Geheimnisse. Wenn man das in Gruppen hat und mit anderen nicht teilt, ist das natürlich sofort auch eine Art von Verschwörung."

Beteiligt an dem Projekt sind ORF, Schweizer Rundfunk, ARTE und Bayerischer Rundfunk, gefördert wird es vom Filmfonds Wien, dem Fernsehfonds Austria und dem Zukunftsfonds. Entwickelt hat es die Wiener Kreativschmiede Junge Römer zusammen mit Metafilm. Zwei Jahre waren es von der Idee zur fertigen Web-Doku. Die fertige Verschwörung bekommt der User am Ende als bitterböses Filmchen präsentiert.

Zitat: Experten sind einig: Das Ende ist nah.

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