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Feiertag / Archiv | Beitrag vom 07.10.2012

Offen für die Moderne

Von der bleibenden Bedeutung des Konzils

Von Joachim Opahle, Berlin

Eine Sitzung in Anwesenheit von Papst Johannes XXIII. im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils. (picture alliance / dpa)
Eine Sitzung in Anwesenheit von Papst Johannes XXIII. im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils. (picture alliance / dpa)

Vor 50 Jahren, am 11.Oktober 1962, wurde das II.Vatikanische Konzil eröffnet. Drei Jahre lang haben die Bischöfe in Rom um den künftigen Weg der katholischen Kirche beraten, gerungen und manchmal auch gestritten. Dann war die Weiche in Richtung "aggiornamento"(Heutigwerden) gestellt. Vieles hat sich seither geändert, im Kirchenverständnis, in der Liturgie, im Verhältnis zu den anderen Religionen. Doch Dialog und Öffnung werden nicht von allen gleich gut geheißen. Es knirscht hörbar im kirchenpolitischen Gebälk. Was wollte das Konzil und was ist daraus geworden?

Papst Johannes XXIII:
"Gaudet mater ecclesia…...heute jubelt die Kirche, denn Dank der göttlichen Vorsehung wird hier am Grab des heiligen Petrus das Zweite Vatikanische Ökumenische Konzil feierlich eröffnet."

Ein symbolträchtiger Augenblick: Vor fast genau 50 Jahren sprach der damalige Papst Johannes der XXIII. diese Worte in seiner Rede vor mehr als 2500 Bischöfen und Beratern aus aller Welt. Das Konzil brachte einen Erneuerungsprozess mit sich, wie ihn die zweitausendjährige katholische Kirche kaum jemals zuvor erlebt hatte. Dass es dazu kommen konnte, war dem damals bereits 80jährigen Papst zu verdanken, den manche wegen seiner gemütlich-freundlichen Ausstrahlung "den Gütigen" nannten. Angelo Guiseppe Roncalli stammte aus einer norditalienischen Bauernfamilie, wo er mit 12 weiteren Geschwistern aufwuchs. Nach seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt wurde Roncalli wegen seines hohen Alters und seiner konservativen Frömmigkeit als Übergangspapst bezeichnet. Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass ausgerechnet dieser Papst den Mut zu historischen Veränderungen hatte und eine so weitreichende Entscheidung treffen würde, ein katholisches Weltkonzil einzuberufen. Die Versammlung der Bischöfe setzte Maßstäbe und führte zu Reformen und Veränderungen, die die Kirche bis heute beschäftigen. Es sollte buchstäblich ein Sprung nach vorne sein, denn der Papst betonte ausdrücklich:

Papst Johannes XXIII:
"Neque opus nostrum.....der springende Punkt dieses Konzils ist es also nicht, nur die Lehre der Kirche aus alter und neuer Zeit ständig zu wiederholen. Die gesamte katholische Christenheit erwartet einen Schritt vorwärts."

Konzilsteilnehmer, die sich an die damaligen Ereignisse erinnern, betonen immer wieder die Überraschung und die Euphorie, die das damalige Ereignis auslöste, etwa der frühere Wiener Kardinal Franz König, eine der prägenden Gestalten des Konzils:

Kardinal Franz König
"Wir sind von oben heruntermarschiert nach St.Peter. Zweieinhalbtausend Konzilsteilnehmer...ich war damals noch ein junger Erzbischof in Wien...eine unübersehbare Menge...ich hab mir gedacht: ja wie wird das gehen? Kann man sich da verständigen?"

Ein anderer prominenter Konzilsbeobachter war Hans Küng. Als junger Theologe war er geradezu elektrisiert von der Vorstellung, dass es der Kirche gelingen könnte, sich in der modernen Welt Gehör zu verschaffen. Ihm imponierte vor allem die Person des damaligen Papstes:

Hans Küng
"Er nahm eben die Probleme auf wie sie waren in der damaligen Kirche...er öffnete die Fenster, um frische Luft in die Kirche zu lassen...das war ein Wort, das bei ihm berühmt wurde."

Und Johannes der XXIII. muss geahnt haben, dass es nicht leicht sein würde, das große Schiff der Kirche auf einen neuen Kurs zu bringen. Denn in seiner Eröffnungsrede verwendete er immer wieder fast schon beschwörend Worte des Aufbruchs und der Zuversicht. Von einem "unerschrockenen Blick in die Zukunft" war die Rede. Man dürfe sich nicht nur mit dem befassen, "was alt ist", sondern es gelte vielmehr, sich mit dem zu beschäftigen, "was unsere Zeit erfordert". Und der Papst sprach auch gleich die sogenannten "Unglückspropheten" an, mit denen es auch die Kirche zu tun habe. Menschen, die in der Welt nur Schlechtes sehen, und nur Unheil um sie herum wahrnehmen, "als ob die Welt vor dem Untergang stünde". Er hielt dagegen mit unerschütterlichem Optimismus und einem menschenfreundlichen Glauben, indem er – in lyrischen Worten - betonte: "Mit dem beginnenden Konzil hebt in der Kirche ein Tag strahlenden Lichtes an. Noch ist es wie Morgenröte, und schon berühren die Strahlen der aufgehenden Sonne Unser Herz. Alles atmet hier Heiligkeit, alles erweckt Jubel."

Die Unerschrockenheit des damaligen Papstes wird noch heute als eine entscheidende Sternstunde der Kirchengeschichte wahrgenommen. Der Freiburger Theologe Eberhard Schockenhoff begründet es so:

Eberhard Schockenhoff
"Weil damals - das war für die Weltöffentlichkeit etwas ganz Unvorhergesehenes – die katholische Kirche sich in einer ganz anderen Offenheit und Vitalität präsentierte, als man sie bis dahin gekannt hatte. Sie galt doch eher als ein monolithischer Block, als eine geschlossene Größe, die zwar für viele etwas sehr Achtenswertes war und Faszinierendes, aber eben doch mehr eine uniforme, in sich geschlossene Größe, ein Einheitsblock, und nun plötzlich zeigte sich die Kirche in einer weltoffenen Katholizität von beeindruckender Vielfalt."

Die Konzilsväter hatten wirklich Mut zu Neuem: Im Verständnis der Kirche, in der Liturgie, in der Sicht der Bibel, in der Ökumene oder beim Thema Religions- und Gewissensfreiheit. Um eine neue Mitverantwortung der Bischöfe in der Leitung der Weltkirche wurden genauso gerungen, wie um das sogenannte "gemeinsame Priestertum" der Gläubigen. Große Linien wurden ausgelegt, aber auch Detailfragen wie etwa eine neue Ehelehre standen auf der Tagesordnung. Alles war irgendwie auf Zukunft hin ausgerichtet. Der Freiburger Theologe Eberhard Schockenhoff fasst die damalige Situation so zusammen:

Eberhard Schockenhoff
"Die katholische Kirche in der Neuzeit hatte sich im 19.Jahrhundert unter den Päpsten auch verrannt in einer Sackgasse. Sie wollte einen Abwehrkampf gegen die moderne Welt führen, und sah die katholische Kirche als einen Rückzugsort der Gläubigen, und sie wollte ihnen Halt und Stand geben, damit sie in den Wirrnissen der modernen Welt die Orientierung nicht verlieren. Und dieses Wagenburgdenken, in dem die katholische Kirche sich verfangen hatte, konnte das II.Vatikanische Konzil aufbrechen, nicht indem es mit der Tradition brach, sondern indem es erkannte: dieses letzte Segment der Tradition im 19. Jahrhundert, das ist nur eine Verengung, das ist gar nicht die ganze Tradition. Und es erkannte wieder die Weite, die Offenheit der katholischen Tradition, auch die innere Vielfalt, die sie repräsentiert, und indem es einmal auf die Heilige Schrift, vor allem in der Lehre über die Kirche, und dann auch auf die Kirchenvätertheologie zurückgriff und das Konzept der Einheit der Kirche als Communio, als Gemeinschaft von lebendigen Kirchen, die miteinander die eine Kirche Jesu Christi bilden, da hat sie ihre eigene Tradition in ihrer ganzen Weite wiederentdeckt."

Dabei ging es dem Konzilspapst gar nicht um eine Revolution. Er wollte vielmehr eine neue Kommunikation. Nicht die Beilegung von Lehrstreitigkeiten oder Disziplinarfragen standen im Focus, wie dies bei früheren Konzilien oft der Fall war. Es ging mehr um Fragen der Seelsorge. Das Konzil versuchte, die Tür der Kirche zu öffnen zu einer größeren Einheit der Christen und zu einer zeitgemäßen Fassung des Glaubens, ohne diesen dadurch der Zeit anzugleichen. Die größte Veränderung betraf die neue Liturgie. Der Gottesdienst konnte ab sofort nicht mehr ausschließlich in Latein gehalten werden. Jetzt war die Liturgie auch in den jeweiligen Landessprachen erlaubt. Gleichzeitig wurde den Gläubigen eine aktive Rolle im Gottesdienst zuerkannt, wie überhaupt die Aufgaben der Laien, neben den Klerikern, für das kirchliche Leben enorm aufgewertet wurden. Für Eberhard Schockenhoff einer der Meilensteine des Konzils:

Eberhard Schockenhoff
"Für das innerkirchliche Leben war ein ganz großer Meilenstein, dass man den Laien, den Gläubigen, die miteinander das Volk Gottes bilden, den Sinn für ihre eigentliche christliche Berufung gegeben hat, dass sie Kraft Taufe und Firmung einen eigenständigen Auftrag in der Welt haben. Das führte ja in vielen Ländern dazu, dass es viele Räte gab, Kirchengemeinderäte, die Mitverantwortung der Laien...Das ist ja noch heute ein großes Plus, ein großes Kapital, das die Kirche hat. Etwas anderes sehr wesentliches war die Neugestaltung der Liturgie, dass man nicht allein negativ sagt: das Latein wurde abgeschafft! - es wurde ja gar nicht abgeschafft, sondern es wurde die Liturgie in der Muttersprache als zusätzliche Form eingeführt – aber vor allem, dass man die Heilige Schrift reicher in die Liturgie eingeführt hat. Und dass man die Gläubigen mitbeteiligt, das ist eine neue Feiergestalt, die nicht mehr nur auf den Klerus zentriert ist, wie das für die tridentinische Liturgie galt, das war eine Klerikerliturgie, das glaub ich war das wichtigste für das innerkirchliche Leben."

Kardinal Kurt Koch
"Reform verbindet Kontinuität und Diskontinuität, Treue und Dynamik miteinander. Sie geht davon aus, dass das Konzil keine neue Kirche im Bruch mit der Tradition gewollt hat, sondern eine erneuerte Kirche aus dem Geist der Botschaft des christlichen Evangeliums."

Von Kurienkardinal Kurt Koch stammt diese Einschätzung des Konzils. Er ist Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, bisweilen wird er einfach der "Ökumeneminister" des Vatikans genannt. Seine Aufgabe besteht darin, Brücken zu den anderen christlichen Kirchen zu schlagen. Dabei geht es nicht nur um die protestantischen Kirchen, die aus der Reformation in Deutschland hervorgegangen sind, sondern genauso auch um die Beziehungen zur Orthodoxie. Kardinal Koch erinnert gerne an Papst Paul den VI., den Nachfolger Johannes XXIII., der in der Eröffnungsrede der zweiten Konzilsphase daran erinnert hatte, dass die Wiederherstellung der Einheit der Christen zu den wichtigsten Aufgaben der Kirche gehört. Das gemeinsame Zeugnis des Glaubens, das Sprechen in einer Sprache und die Überwindung von Lehrstreitigkeiten gehören für Kardinal Koch zu den wichtigsten Aufgaben, die auch 50 Jahre nach dem Konzil eine bleibende Herausforderung darstellen:

Kardinal Kurt Koch
"Es handelt sich dabei keineswegs um ein Nebenthema des Konzils, sondern um ein Anliegen, das in seine Innerste Mitte hineingehört. Im ersten Satz kommt dies bereits deutlich zum Ausdruck: die Einheit aller Christen wieder herstellen zu helfen, ist eine der Hauptaufgaben des Konzils. Die Kirche ist der Wiederherstellung der Einheit der Christen bleibend verpflichtet."

Damit rennt er offene Türen ein bei einer Gruppe von Politkern und Prominenten, die vor einigen Wochen einen öffentlichen Aufruf zur Überwindung der Kirchenspaltung in Deutschland gestartet haben. So unterschiedliche Namen wie Bundestagspräsident Norbert Lammert, sein Kollege Wolfgang Thierse, SPD-Fraktionschef Frank Walter Steinmeier, Bildungsministerin Annette Schavan, Verteidigungsminister Thomas de Maiziere, der Schriftsteller Arnold Stadler, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes Thomas Bach und der Fernsehmoderator Günter Jauch gehören zu den Erstunterzeichnern eines Aufrufs für "neuen Schwung" in der Ökumene. Auch sie fordern keine Revolution. Aber aus ihren Worten klingt doch eine deutliche Ungeduld mit den stagnierenden ökumenischen Fortschritten. Die Zeit sei reif für viele praktische Lösungen, die den Alltag der Christen an der Basis erleichtern könnten.

Fünfzig Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil fragen viele: was hat das Konzil gebracht? Ist es gelungen, den Glauben neu zu verkünden? Oder überwiegen Verwirrung und Spaltung? Sind Glaube und Kirche in der Welt glaubwürdiger geworden? Oder hat das berühmte "Aggiornamento", das Heutig-Werden des Glaubens, zu Verunsicherung geführt? Der Prager Theologe und Bürgerrechtler Thomas Halig versucht eine Antwort auf diese schwierige Frage mit einem Vergleich: Es ist so, als feiere die Kirche mit den Gläubigen eine Art "Goldene Hochzeit":

Thomas Halik
"Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute sind Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Es klingt fast wie ein Eheglöbnis, die Kirche gebot dem Menschen von heute Liebe, Achtung und Treue in guten wie in schlechten Zeiten. Und jetzt, 50 Jahre nach dem Konzil, sollten wir uns die Frage stellen, ob die Kirche ihrem Versprechen treu geblieben ist. Kann sie heute nach 50 Jahren nach dem Konzil mit gutem Gewissen eine Goldene Hochzeit mit den Menschen von heute feiern? Ich meine, es bleibt noch viel zu tun. Und die neue Evangelisation soll wirklich neu sein, also keine Re-Katholisierung, keine Rekonquista."

Die Gegenwart ist nach Beobachtung des tschechischen Theologen von Richtungsstreitigkeiten geprägt. Dahinter steht eine große Verunsicherung, wie es überhaupt weitergehen soll mit dem christlichen Glauben in Europa. Die neue Evangelisierung, von der immer wieder die Rede ist, ist nötig, daran lässt Thomas Halig keinen Zweifel. Allerdings muss sie partnerschaftlich sein und den Gesprächspartner als einen Suchenden ernst nehmen:

Thomas Halik
"Viele sagen, die Kirche geht zugrunde. Aber schon Nietzsche hat gesagt, zu Grunde gehen, das ist eine Gelegenheit, den Grund neu zu entdecken. Und ich bin der Meinung, dass die neue Evangelisierung, die neue Evangelisation, sollte dialogisch sein. Also besonders in der nachkommunistischen Welt, die monologische Christianisierung, die Evangelisation ohne Inkulturation, ist bloß eine Indoktrination, ist bloß eine religiöse Propaganda. Und besonders in der nachkommunistischen Welt sind die Leute besonders auf die Indoktrination allergisch. Wir brauchen eine dialogische Evangelisation."

Von Richtungsstreitigkeiten zwischen Konservativen und Progressiven hält der Theologe wenig. Dabei gehe es zuviel um die Strukturen und zu wenig um die Inhalte. Er fordert stattdessen geistige Tiefe und eine Besinnung auf die spirituellen Grundlagen des Glaubens. Zugleich wendet er sich entschieden gegen Religionsvertreter, die den Glauben missverstehen, so als wäre er eine festgezurrte Anweisung für alle Lebenslagen:

Thomas Halik
"Es gibt auch den Glauben als eine geschlossene Ideologie, und diese zu-viel-sichere Leute sollten wir ein bisschen unsicher machen....also in Frage stellen und noch etwas Tieferes anbieten."

Das Konzil hat viele Einzelfragen gestellt und neu zu beantworten versucht. Liturgie, Kirche, Offenbarung, Heilige Schrift, andere Religionen und die moderne Welt, kaum ein Bereich wurde nicht behandelt. Leicht haben es sich die Konzilsteilnehmer nicht gemacht. Schon damals wurde teilweise heftig gerungen und auch gestritten um die Frage, wohin der christliche Glaube sich entwickeln und wie er den kommenden Generationen plausibel gemacht werden kann. Papst Benedikt XVI. hat, als er noch Kardinal war - vor ungefähr zehn Jahren - eine Einschätzung der gegenwärtigen kirchlichen Herausforderungen formuliert, die auch heute noch aktuell ist. Er stellt den vielfältigen Strömungen in der Kirche den gemeinsamen Grund des Glaubens gegenüber, ohne den es das Christentum gar nicht gäbe:

Papst Benedikt XVI.
"Das ist einfach der Glaube der Kirche, wie er im Bekenntnis ausgesprochen ist. Und das muss allerdings heraustreten, dass das unser "common ground" ist. Die Vorgabe, die wir nicht erfunden haben, und auf die hin wir katholisch sind, und die uns zueinander bindet und in der wir wirklich über Fraktionen hin uns finden können. Und dann kann es große Unterschiedlichkeiten und Spannweiten in der Kirche geben. Das war auch immer die Stärke der katholischen Kirche, dass sie ganz unterschiedlichen Temperamenten, Charismen, Farben Form gegeben hat und es weiterhin tun soll."

Auf diesem Fundament kann dann auch die Mission, also das werbende Zeugnis des Glaubens für andere, erfolgreich sein. Und zwar, wenn ich den Heiligen Vater richtig verstehe, mit Optimismus und Lebensfreude:

Papst Benedikt XVI.
"Mit einem Wissen darum, dass wir heute vor allen Dingen den Menschen, die irgendwie nach Gott oder mindestens nach einer Antwort auf ihr Leben suchen, Antworten schuldig sind, gerade dort hin das Evangelium zu bringen, wo es nicht da ist. Und das heißt ja Evangelisierung, dass die Botschaft, die wir auszurichten haben, vernehmlich gemacht wird, dass sie aus dem Innenbereich der Kirche hinaustritt und an die Menschen gelangt, die ja alle Gottes bedürfen. Das bedeutet nicht, dass der Innenraum der Kirche vernachlässigt werden soll, und dass wir uns sozusagen nur noch im Außen begegnen. Im Gegenteil: nur wenn die Kirche innen stark lebt, nicht in sich hinein verkrümmt und in ihre Probleme hinein verkrümmt lebt, sondern mit einem lebendigen Glauben an Gott lebt, nur wenn sie Freude am Glauben hat, und erkennt, dass er Freude macht, kann sie auch den anderen die Botschaft bringen.

Mir dringt immer wieder in die Seele das Wort, das Nehemia im Alten Bund nach dem Exil dem sich mühsam wieder sammelnden Israel gesagt hat, wo zum ersten Mal wieder das Wort Gottes verkündet, nämlich die Thora vorgelesen wird , und alle weinen – es ist ein Heimweh nach dem Verlorenen und fast Fremdgewordenen – er sagt dann: weint nicht, die Freude an Gott ist unsere Stärke …"

Musik dieser Sendung:
• CD: Brahms/Glenn Gould, 10 Intermezzi for Piano, Columbia Masterworks, Sony Music 2002

Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag hat der katholische Senderbeauftragte für Deutschlandradio Kultur, Pfarrer Lutz Nehk.

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