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Kulturnachrichten

Sonntag, 9. Juli 2017

Österreichischer Dramatiker gewinnt Bachmann-Preis

Mit 25000 Euro dotierter Hauptpreis geht an Ferdinand Schmalz

Der österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz hat sich beim Wettlesen um den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Der Grazer konnte den mit 25 000 Euro dotierten Hauptpreis der 41. "Tage der deutschsprachigen Literatur" in Klagenfurt für sich entscheiden. Der 1985 geborene Theaterwissenschaftler, der als Kunstfigur auftritt und mit bürgerlichem Namen Matthias Schweiger heißt, überzeugte die Jury mit seinem inbrünstig vorgetragenem Text "mein lieblingstier heißt winter". Das in Kleinbuchstaben geschriebene Stück ist leicht verständlich, ohne trivial zu wirken und sorgte für einige Lacher. Die Geschichte dreht sich um den geplanten Suizid eines krebskranken Mannes, seine Vorliebe für gefrorenes Rehragout und die ungewöhnliche Bitte an seinen Tiefkühlkost-Lieferanten. Von der Jury gab es einhelliges Lob für den Grazer. "Der Text ist tatsächlich makellos", befand die Kritikerin Sandra Kegel, auf deren Einladung Schmalz am Wettlesen teilnahm. Für Jurorin Meike Feßmann gelang Schmalz die Mischung zwischen Klamauk und Ernsthaftigkeit und für Kritiker Stefan Gmünder war es ein Text, "der wirklich rockte".

Fast 100 000 Besucher bei Rudolstadt-Festival

Festival-Hauptpreis geht an bayerischen Liedermacher Georg Ringsgwandl

Deutschlands größtes Festival für Folk- und Weltmusik in Rudolstadt hat in diesem Jahr nach Schätzungen der Veranstalter knapp 100 000 Besucher angelockt. Das sei ein neuer Rekordwert nach etwa 90 000 Fans in den vergangenen Jahren, erklärten die Veranstalter zum Abschluss. "Wir stoßen an Kapazitätsgrenzen", sagte eine Sprecherin. Die Auftritte von etwa 130 Bands aus 41 Ländern seit Donnerstag seien ausverkauft. Diesmal stand Musik aus Schottland im Mittelpunkt. Folk-Pop-Sängerin Amy Macdonald hatte das Festival eröffnet. Der Hauptpreis des diesjährigen Festivals geht an den bayerischen Liedermacher und Kabarettisten Georg Ringsgwandl. "Für die Fähigkeit, seine Heimat Bayern künstlerisch ganz und gar zu erfassen, ihre Eigenheiten seinen Landsleuten vor Augen zu führen und sie den anderen - den Nichtbayern - verständlich zu machen, erhält Ringsgwandl die RUTH 2017", heißt es in der Jury-Begründung. Geehrt werden außerdem die Dresdner Gruppe Banda Internationale, zuvorderst für ihre Musik, aber auch für ihr kulturpolitisches Engagement gegen Pegida und Co in der sächsischen Landeshauptstadt, der Musikethnologe Max Peter Baumann und das Österreicher Quintett Alma.

documenta-Reiter erreichen Kassel

3000 Kilometer in drei Monaten zurückgelegt

Für ein Kunstprojekt sind eine Frau und drei Männer mit Pferden 3000 Kilometer durch Europa geritten. Die Reiter erreichten die Kunstausstellung documenta in Kassel. Auf den letzten Kilometern schlossen sich zahlreiche Hobbyreiter dem Tross an. Tausende Zuschauer erwarteten die 30 Reiter am "Parthenon der Bücher", einem der bekanntesten Kunstwerke der documenta 14. "Es ist alles klasse gelaufen, nur die Grenzen waren ein Ärgernis", sagte Wanderreiter Peter van der Gugten. Bei den Grenzübertritten kam es immer wieder zu Wartezeiten. Für das Projekt "Die Durchreise des Hermes" waren die Reiter am 9. April in Athen gestartet und drei Monate zu Pferd unterwegs. Mit ihrer Tour wollten sie für Erhaltung und Wertschätzung der Pferde sowie für das Grundrecht von Mensch und Pferd auf einen freien Zugang zur Natur werben. Der Ritt ist ein Projekt des schottischen Konzeptkünstlers Ross Birrell. Die Reise startete in Athen, weil die Stadt zweiter Standort der documenta ist. In Griechenland endet die Ausstellung am 16. Juli, in Kassel dauert sie bis zum 17. September.

Schweigen für die Volksbühne in Avignon

Frank Castorf erhält Ovationen für seinen Festival-Beitrag

Mit Ovationen wurden Regisseur Castorf und seine Schauspieler für das Stück "Die Kabale der Scheinheiligen - Das Leben des Herrn de Molière" beim Theaterfestival Avignon gefeiert. Castorf genoss den Erfolg der Frankreich-Premiere, die zu einer Hommage an seine Zeit als Intendant der Berliner Volksbühne wurde. Er wolle jetzt nicht mehr spielen, verkündete der französische Schauspieler Jean-Damien Barbin. Er habe die Kabale spielen wollen, die in Avignon zum letzten Mal aufgeführt werde, rief er aus. Nun gebe es keine Volksbühne mehr. Dann bat er um einige Sekunden Schweigen für das Berliner Theaterhaus und sagte: "Danke Frank". Castorf hat zum Theaterfestival in Avignon nicht nur seine Inszenierung mitgebracht, sondern auch das rostige Rad auf zwei Beinen. Es gilt als Symbol seiner 25-jährigen Intendanz an der Berliner Volksbühne, die vor kurzem zu Ende ging. Aus Protest gegen seine Nachfolge, die der belgische Kurator Chris Dercon mit der Spielzeit 2017/2018 nun antreten wird, wurde die riesige Skulptur vor wenigen Tagen vor der Volksbühne abmontiert. Das "Räuberrad" war mit dem Amtsantritt von Castorf im Jahr 1992 als Symbol für Fortschritt installiert worden und galt als Metapher für seinen Anspruch an das Theater.

"Höhlen der ältesten Eiszeitkunst" sind Weltkulturerbe

Welterbe Bauhaus erfährt Erweiterung - Naumburger Dom scheitert erneut

Die Unesco hat die "Höhlen der ältesten Eiszeitkunst" in Baden-Württemberg zum Weltkulturerbe ernannt. Die dort gefundenen rund 40000 Jahre alten Musikinstrumente und figürlichen Darstellungen von Menschen, Tieren und Mischwesen gelten als Beleg für die Entstehung des modernen menschlichen Geistes. Die wichtigsten Funde können in Museen in Ulm, Tübingen und Blaubeuren besichtigt werden. Die Skulpturen aus Mammutelfenbein sind meist nicht größer als sechs Zentimeter. Meist wurden Tiere nachgebildet, die einst in der Region vorkamen - Höhlenlöwen, Bären, Wisente und immer wieder Mammuts sowie verschiedene Vögel. Die ersten Musikinstrumente der Menschheit sind Flöten aus Vogelknochen oder Mammutelfenbein. Zudem hat die Unesco das Welterbe Bauhaus um die Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau und die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes ADGB in Bernau erweitert. Dagegen wurde der Naumburger Dom in Sachsen-Anhalt nach 2015 ein zweites Mal abgelehnt. Jedoch werde innerhalb von drei Jahren eine erneute Nominierung erbeten, wie die UN-Kulturorganisation auf Twitter mitteilte. Außerdem bekamen auch die Städte M'banza Kongo und Asmara den Titel zuerkannt. M'banza Kongo veranschauliche wie sonst nirgendwo in Subsahara-Afrika die tief greifenden Veränderungen nach der Einführung des Christentums und der Ankunft der Portugiesen im 17. Jahrhundert, hieß es zur Begründung. Die eritreische Hauptstadt Asmara stellt den Experten zufolge ein außergewöhnliches Zeugnis des Städtebaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts dar. Bis zum 12. Juli entscheidet das Unesco-Komitee in Südpolen über mehr als 30 Nominierungen aus aller Welt.

Elberskirchen-Hirschfeld-Haus in Berlin geplant

Initiative Queer Nations will am Montag Machbarkeitsstudie vorstellen

In Berlin soll ein queeres Geschichts- und Bildungshaus entstehen. Das Elberskirchen-Hirschfeld-Haus werde das umfangreiche Archivmaterial zum Leben von Lesben, Schwulen, Trans- und Intermenschen beherbergen, kündigte die Initiative Queer Nations e.V. an, die am Montag eine Machbarkeitsstudie für das Haus vorstellen will. "Darüber hinaus soll in ihm die queere Museumslandschaft Berlins Heimat finden - auch im Sinne einer Kulturgeschichte der Sexualitäten". Das nach der feministischen Sexualreformerin Johanna Elberskirchen und dem Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld benannte Haus sei möglich und finanzierbar, heißt es in der Studie. Schon 2019 könnte es eröffnet werden - im 100. Jahr nach Gründung des von Magnus Hirschfeld in Berlin gegründeten und von den Nationalsozialisten zerstörten Instituts für Sexualwissenschaft.

Netanjahu plant jüdisches Museum in Hebron

Ankündigung gilt als Reaktion auf Unesco-Entscheid, Hebron als Weltkulturerbe aufzunehmen

Israel wird seine Zahlungen an die UN um weitere eine Million Dollar kürzen. Das Geld soll stattdessen in die Errichtung eines jüdischen Museums in Hebron investiert werden, wie Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zum Auftakt der wöchentlichen Kabinettssitzung ankündigte. Die Kürzungen sind demnach eine Reaktion auf den Unesco-Entscheid, die Altstadt der palästinensischen Stadt Hebron auf die Liste des gefährdeten Weltkulturerbes aufzunehmen. Die Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und der Stadt Hebron sowie den Patriarchengräbern sei "möglicherweise ohne Parallele in der Geschichte der Völker", so Netanjahu. Die Stadt und die Heilige Stätte als palästinensische Welterbestätte anzuerkennen, sei ein "weiterer wahnhafter Entscheid", angesichts dessen er sich entschieden habe, eine Million Dollar des israelischen UN-Beitrages zur Errichtung eines "Museums für das Erbe des jüdischen Volkes in Kiryat Arba und Hebron" umzuwidmen. Ferner sollen weitere Initiativen für das jüdische Erbe Hebrons gestärkt werden. Netanjahu kündigte außerdem an, den Bau eines umstrittenen Besucherzentrum im Ostjerusalemer Stadtteil Silwan voranzutreiben. Der sogenannte "Kedem Compound" soll südlich der Altstadtmauern in einem palästinensischen Wohnviertel entstehen.

Hunderttausende beim CSD-Umzug in Köln

Kölner Christopher-Street-Day ist der größte in Europa

Bei sommerlichen Temperaturen haben Hunderttausende die Christopher-Street-Day-Parade in Köln verfolgt. "Die Stimmung ist fantastisch", sagte ein Sprecher zu Beginn. Man gehe nach Lage der Dinge wieder von rund 950 000 Zuschauern am Straßenrand aus. Der Kölner CSD ist die größte Demonstration von Schwulen, Lesben, Bi-, Inter- und Transsexuellen in Europa. Die Fußgruppen und rund 85 Mottowagen zogen durch die Stadt. Sie demonstrierten damit für eine rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben und gesellschaftliche Akzeptanz. Mit der Ehe für alle gab es diesmal auch richtig was zu feiern. Motto war allerdings "Nie Wieder", um an die Verfolgung Schwuler und Lesben unter nationalsozialistischer Herrschaft zu erinnern.

Patriotischer russischer Maler Glasunow gestorben

Ilja Glasunow galt als einer der bekanntesten zeitgenössischen Maler Russlands

Der für seine patriotische Malerei bekannte russische Künstler Ilja Glasunow ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Ihr Vater habe einen Herzstillstand erlitten, sagte dessen Tochter Vera Glasunowa der Agentur Interfax in Moskau. Glasunow galt als einer der bekanntesten zeitgenössischen Maler in Russland und unterhielt enge Verbindungen zum Kreml. Präsident Wladimir Putin habe eine lange Freundschaft mit dem Maler gepflegt, sagte Sprecher Dmitri Peskow. "Der Präsident hat Glasunow immer für einen herrausragenden Künstler gehalten." Zu Glasunows zentralen Werken gehört das monumentale Gemälde "Ewiges Russland", das 1000 Jahre russischer Kultur und Geschichte abbildet.
Ein Werk zum Beitrag der sowjetischen Völker für die Weltkultur hängt bei der Unesco in Paris. Auch als Porträtmaler und Bühnenbildner für das Bolschoi-Theater in Moskau machte er sich einen Namen.

Glocke mit Hitler-Aufschrift sorgt für Gesprächsstoff

Landeskonservatorin Kaiser plädiert für Erhalt

Die sogenannte Hitler-Glocke aus der Kirche im pfälzischen Herxheim am Berg sorgt seit Wochen für Gesprächsstoff. Der 240 Kilo schwere Klangkörper trägt ein Hakenkreuz und die Aufschrift "Alles für's Vaterland Adolf Hitler". Die rheinland-pfälzische Landeskonservatorin Roswitha Kaiser hat sich nun dafür ausgesprochen, die Glocke im Turm der 1000 Jahre alten Kirche hängenzulassen und sie auch weiter zu benutzen - als mahnendes Andenken an etwas, "was man lieber vergessen möchte". Die Glocke gehört der Gemeinde. Daneben hängen seit 1951 zwei weiter Glocken. Das Geläut ist aufeinander abgestimmt. Gesprächsstoff ist die "Hitler-Glocke" seit die pensionierte Musiklehrerin Sigrid Peters, die in Kirchen mitunter Orgel spielt, nach eigenen Angaben auf das Thema aufmerksam gemacht hatte. Sie ist empört, dass die Glocke noch genutzt wird und nichts auf ihre Geschichte hinweist.

Mittelalter-Saga gewinnt beim Karlsbader Filmfestival

Sonderpreis der Jury an deutsche Koproduktion

Der Hauptpreis des Filmfestivals im tschechischen Karlsbad, der Kristallglobus, geht erstmals nach 15 Jahren wieder an eine heimische Produktion. Regisseur Vaclav Kadrnka nahm die Auszeichnung für seine Mittelalter-Saga mit dem Titel "Der Kreuzritter" ("Krizacek") entgegen. In der Rolle des Vaters der neunjährigen Hauptfigur Janik ist Karel Roden ("Die Bourne Verschwörung") zu sehen. Der Sonderpreis der Jury ging an die deutsche Koproduktion "Muškarci koji ne plaču" ("Männer weinen nicht") des Regisseurs Alen Drljevic. Das Psychodrama handelt im Stil eines Kammerspiels von den traumatischen Erinnerungen einer Gruppe Veteranen an den Bürgerkrieg in Jugoslawien. Das Festival in Karlsbad (Karlovy Vary) ist eines der größten und ältesten in Mitteleuropa. Zehntausende Filmfans waren seit dem 30. Juni in die Bäderstadt gekommen, um Weltpremieren und Hollywood-Stars aus der Nähe zu sehen.

Schauspieler Nelsan Ellis mit 39 Jahren gestorben

Serienstar erliegt Komplikationen infolge eines Herzfehlers

US-Filmstar Nelsan Ellis, bekannt durch seine Rolle in der Vampir-Serie "True Blood", ist mit nur 39 Jahren gestorben. Seine Managerin sagte dem Fernsehsender CNN, Ellis sei an Komplikationen infolge eines Herzfehlers gestorben. Ellis spielte in der Vampirserie "True Blood" einen schwulen Koch und wurde von den Zuschauern zu der beliebtesten Figur der Serie gewählt. "Wir und alle seine Fans werden Nelsan sehr vermissen", erklärte der Fernsehsender HBO. Der Kanal strahlte "True Blood" von 2008 bis 2014 aus. Ellis, der seine Ausbildung an der renommierten New Yorker Julliard School absolvierte, spielte unter anderem auch in dem Oscar-prämierten Film "The Help" von 2011 mit.

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