Seit 09:05 Uhr Im Gespräch
 

Donnerstag, 18.01.2018

Interview | Beitrag vom 03.11.2017

Neurowissenschaft trifft Musik"Musik ist wahrscheinlich die älteste Kunst"

Antonio Damasio im Gespräch mit Ute Welty

Beitrag hören Podcast abonnieren
(imago / Global Images)
Der portugiesische Neurowissenschaftler und Autor Antonio Damasio. (imago / Global Images)

In seinem neuen Buch befasst sich der portugiesische Neurowissenschaftler Antonio Damasio mit dem biologischen Fundament der menschlichen Kultur. Denn ohne Gefühle gebe es keine Kultur. Eine besondere Rolle spielt für Damasio in diesem Zusammenhang die Musik.

Ohne Gefühle gäbe es keine Kultur, meint der portugiesische Neurowissenschaftler und Bestsellerautor Antonio Damasio ("Descartes' Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn").

"Gefühle braucht der Mensch einfach, um sich die kulturellen Instrumente zu schaffen, seine Ideen auszudrücken", sagte Damasio im Deutschlandfunk Kultur. "Ohne Gefühle funktioniert das nicht, weil, der Mensch erinnert sich an solche starken Gefühle wie zum Beispiel das Leiden, den Schmerz, den Wunsch oder auch die Lust, das Verlangen. All das braucht er, um sich später auszudrücken."

Komplexe Musik schon vor 50.000 Jahren

Um dieses biologische Fundament der menschlichen Kultur geht es in Damasios neuen Buch "Am Anfang war das Gefühl: Der biologische Ursprung der menschlichen Kultur", das er am Freitag in Berlin im Rahmen der Wasmuth-Lectures vorstellt, gemeinsam mit dem Dirigenten Daniel Barenboim.

"Ich erwarte am heutigen Freitag sehr interessante, spannende Diskussionen", sagt Damasio. "Barenboim ist ein genialer Musiker, der über ein phänomenales musikalisches Gedächtnis verfügt, vielleicht über das beste musikalische Gedächtnis überhaupt."

Die Musiker der Staatskapelle Berlin und Dirigent Daniel Barenboim – hier beim Open Air Konzert "Staatsoper für alle" im Juli 2016 ((c) dpa)Die Musiker der Staatskapelle Berlin und Dirigent Daniel Barenboim – hier beim Open Air Konzert "Staatsoper für alle" im Juli 2016 ((c) dpa)

Thema der Veranstaltung wird auch der Zusammenhang von Musik und Emotionen sein: "Musik hat eine wichtige Rolle in der Trauer, aber natürlich auch in der Freude. Auch die Energie, mit der wir gerade ausgestattet sind, ist etwas, das man mit Musik ausdrücken kann", betont der Neurowissenschaftler. Und Musik ist für Damasio die wahrscheinlich älteste Kunst und kam noch vor der Sprache. "Vor etwa 50.000 Jahren, in den Höhlen, hat man schon Trommeln gehabt, man hat schon Flöten gehabt und man konnte schon wirklich komplexe Musik spielen."

(uko)

 

Mehr zum Thema

Emotionssoziologie - Die Entdeckung der Gefühle
(Deutschlandfunk, Aus Kultur- und Sozialwissenschaften, 20.08.2015)

Balance auf komplexer Ebene
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 09.11.2011)

Reihe: "Kopf oder Bauch" - "Bei uns spielen die Gefühle einfach eine ganz wichtige Rolle"
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 01.01.2017)

Interview

GrippeWie wir eine "Herdenimmunität" erreichen
Ein Mann putzt sich die Nase. (imago/Paul von Stroheim)

Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen. Wir sind mitten in der Grippe-Saison. Doch die Impfung mit dem gängigen Dreifachimpfstoff wirkt nach einer ersten Einschätzung von Experten in dieser Saison nur bedingt. Das beste wäre eine "Herdenimmunität".Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur