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Donnerstag, 14.12.2017

Tonart | Beitrag vom 01.12.2017

Neues Album von Neil Young"Der Kampf geht weiter"

Andreas Müller im Gespräch mit Martin Böttcher

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Der kanadische Musiker Neil Young bei einem Freiluftkonzert in Nebraska. (picture alliance / dpa / Steve Pope)
Neil Young: Der amerikanischste Kanadier (picture alliance / dpa / Steve Pope)

Neil Young hat sein neues Album “The Visitor“ veröffentlicht. Es ist das insgesamt 39. Studio-Album, solo oder mit einer Band, des 72-Jährigen. Es ist ein gutes, sagt Andreas Müller. Und es gebe sogar einen Sound, den es bei Young noch nie gegeben habe.

"Youngs Schaffen ist ja von seinem erratischen Charakter geprägt", sagt unser Kritiker Andreas Müller. "Selten hat er was geliefert, was von ihm erwartet wurde", sagt Müller. Das neue Album bilde Youngs Karriere in gewisser Weise ab: "Psychedelischen Folkrock, lupenreinen Country und Western. Er hat die depressivsten Singer-Songwriter-Stücke aufgenommen, die je veröffentlicht wurden, Rockabilly, distopischen Postpunk, Elektro-Experimente. (...) Ich bin versucht zu sagen, dass sich das alles hier wieder finden lässt."

Kubanische Klänge

Es gibt aber auch noch etwas, was in Youngs Katalog, der bis in die 60er Jahre zurückreicht, noch nicht gegeben hat. "Neu auf dieser Platte sind kubanische Klänge in einem Stück namens Carnival." Young verwaltet also nicht nur, sondern geht auch immer weiter.

Zudem arbeite Young viel mit seiner Stimme: "Manchmal klingt er wie ein halbtoter Johnny Cash, dann wie ein Gangster-Erzähler an der mexikanischen Grenze aus einem Quentin-Tarantino-Film. (...) Was die Qualität der Songs insgesamt angeht, ist ‚The Visitor‘ sicher besser als das letzte Studioalbum, ‚The Monsanto Years‘, es ist eine gute Platte."

In dieser Art ist auch die neue Platte eine kämpferische. "Ja, man kann sagen, der Kampf geht weiter."

Es geht natürlich gegen Trump, den er einen Angeber-Gameshow-Gastgeber nennt und in einem Lied singt er "Sperrt ihn ein". Young  hat erkennbar schlechte Laune, wenn es um die US-Politik gibt. Und in Bezug auf Trumps "Make America Great Again" setzt Young, wohl der amerikanischste Kanadier überhaupt, ein Lied mit dem Titel "Already Great" – die USA seien doch schon großartig.

Das Lied "Children of Destiny" findet Müller hingegen eher misslungen, es sei fast eine Parodie eines Protest-Songs.

Regelung des Nachlasses

Was gibt es sonst im Leben des Kanadiers: Es sehe danach aus, als wolle Young seinen Nachlass regeln, inklusive einer Versteigerung seiner sehr wertvollen Spielzeug-Eisenbahn-Sammlung. Was die Musik angehe, scheine es, als wolle Young verhindern, dass es ihm wie anderen Rockstars gehe, deren Katalog nach dem Tod ganz schlimm geplündert würden. Aber noch, das mache Young auch klar, wolle er produktiv sein.

In der Nacht wird Young zudem sein Archiv für begrenzte Zeit frei zugänglich online stellen. Davon erwartet Müller aber nicht zu viel, wenngleich sich noch nichts wirklich sagen lasse. Erst um zwei Uhr nachts ist es zugänglich.

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