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Buchkritik | Beitrag vom 10.01.2017

Neuer SammelbandDer beste Einstieg in die Superman-Saga

Von Stefan Mesch

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Superman-Emblem (picture-alliance/ dpa/dpaweb / epa PA Warner Bros. Pictures)
Superman-Emblem (picture-alliance/ dpa/dpaweb / epa PA Warner Bros. Pictures)

Es brauchte zwar einen Zeitreise- und Paralleluniversums-Trick, aber er macht den neuen Panini-Superman-Sammelband so richtig lesenswert: Mit Doppelgängern und Doppelrollen entstehen herrliche und klug absurde Konstellationen.

Fast jeder kennt Superman, Batman oder Wonder Woman. Die meist 20 Seiten kurzen, oft monatlich erscheinenden Comic-Hefte werden in den USA verlegt von DC Comics und werden in deutscher Übersetzung meist als Sammelband bei Panini publiziert. Hierzulande werden sie aber nur noch etwa dreißig- bis siebzigtausend Mal verkauft.

Zwar sind die Helden in Kino und TV gefragter Mainstream, doch die fast 50 Heftreihen, in denen DC Comics die alten Figuren und Geschichten weiter entwickelt, wirken daneben oft sinnlos brutal oder verquast, sexistisch, drittklassig, unzugänglich. Groschenhefte? Fließbandware?

Ein neuer Sammelband tut viel, um diesen schlechten Ruf zu bessern: "Superman: Lois und Clark" heißt er, die Geschichte ist von Dan Jurgens erdacht, die Zeichnungen stammen von Lee Weeks. Clark Kent und Lois Lane sind mittlerweile seit vielen Jahren verheiratet. Sie haben einen fast zehn Jahre alten Sohn, Jonathan, und sie fragen sich, ob er die Kräfte seines Vaters erbte. Lois ist Undercover-Journalistin. Und auch Clark/Superman arbeitet im Verborgenen: Er darf auf keinen Fall nach Metropolis. Denn dort könnte er entdeckt werden - von Superman oder von Lois Lane.

So gut geschrieben wie seit Jahrzehnten nicht mehr

Zwei Supermans. Der eine erlebt die großen Abenteuer, der andere hilft nur heimlich: Das klingt nicht einsteigerfreundlich, sondern eher übertrieben kompliziert. Tatsächlich aber ist "Lois & Clark" der denkbar beste Einstieg in mehrere Comic-Reihen, die 2017 auf Deutsch bei Panini erscheinen: die Superman-Abenteuer aus "Action Comics" und "Superman" und die Neben-Reihen "Superwoman", "Trinity" und "Super-Sons". Es gibt zwei Supermen und drei Clark Kents. Zwei Lois Lanes. Supermans Sohn Jon will Abenteuer erleben mit Batmans Sohn Damian. Lex Luthor will die Welt retten. Und sogar Supermans erste Liebe, Lana Lang, hat plötzlich Kräfte. 

All das sind herrliche, klug absurde, originelle neue Konstellationen. Superhelden-Schachspiele, so gut geschrieben und leicht verständlich wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Dabei ging vorher erzählerisch fast alles schief - vor allem seit 2011: Damals entschied der Verlag, ein verheirateter Superman sei nicht mehr zeitgemäß. Die Figur wurde, genau wie alle anderen Helden, verjüngt. In allen Comics seit 2011 waren Lois und Clark niemals ein Paar. Alle Vorgeschichten waren ausradiert. Die Helden hießen gleich, sahen gleich aus - doch waren ersetzt worden durch jüngere, jähzornigere, unerfahrenere Versionen ihrer selbst.

Der Comic "Lois und Clark" zeigt diese neue, jüngere Welt mit den neuen, jähzornigen Helden. Doch er enthüllt: Der Ursprungs-Clark, die Ursprungs-Lois, die Vorläufer und Originale aus den Comics von circa 1986 bis 2011 sind noch am Leben. Als würde Roger Moores James Bond plötzlich in einem Bond-Remake mit Daniel Craig aufwachen und diesem neuen Bond die Show stehlen! 

Bunt, barock und knallig erzählt

Verlegerisch war "Lois und Clark" wohl eine Notlösung: Durch einen Zeitreise- und Paralleluniversums-Trick holte DC Comics eine alten Lois und einen alten Clark zurück in die Heft-Gegenwart, die eigentlich aussortiert, ausradiert, ausgemustert worden waren. Man hätte diesen Schritt zurück viel kürzer und schmerzloser erzählen können: "So. Zauberei! Lois und Clark sind jetzt eben einfach doch wieder reifer, älter und ein glückliches Paar." 

Stattdessen jonglieren fünf Autoren in fünf Heftreihen monatelang mit Doppelgängern, Identitätsfragen, Zwillingen und Plots wie "Die alte Lois versucht, unbemerkt das Leben der jüngeren Lois zu übernehmen" oder "Der verheiratete Superman trifft eine Wonder Woman, die den unverheirateten Superman liebte". Geschichten, die - so bunt, so barock, so knallig, fantasievoll und verzweigt - bisher nur in Comics erzählt werden.

Und Doppelgänger hin und oder her: Es geht um einen Familienvater. Eine Frau. Einen Sohn. Alle drei klug, beherzt, idealistisch, engagiert. "Lois und Clark" zeigt die ersten 100 Seiten ihres Alltags. Jeder Mensch ab ungefähr acht Jahren, der hieran Gefallen findet, soll wissen: Es bleibt noch 200, 500, 1000 weitere bunte Comic-Seiten fast durchgängig genau so lesenswert, frisch, wild. Kein Meisterwerk. Aber kluge, herzliche Geschichten über kluge, herzliche Figuren - und ihre aggressiven jüngeren Doppelgänger. (inh)

Dan Jurgens (Text), Lee Weeks (Zeichnungen): "Superman: Lois und Clark 1"
Panini Comics, Januar 2017
ca. 100 Seiten, 12,99 EUR

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