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Fazit / Archiv | Beitrag vom 24.09.2016

Neue Werkbund-Siedlung in BerlinZwischen Spree und Industriebrache

Von Martina Groß

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Modell der Werkbundsiedlung (© WerkBundStadt Berlin)
Modell der Werkbundsiedlung (© WerkBundStadt Berlin)

Zum Auftakt des Werkbundtages 2016 wird ein spektakuläres Projekt in einer Ausstellung vorgestellt. 33 Architekturbüros entwickeln gemeinsam ein neues Stadtquartier in Berlin-Charlottenburg. 2018 könnte Baubeginn sein - erste Anfragen gibt es schon.

Das Werkbund Haus in der Quedlinburger Straße 11 in Berlin wird gerade saniert. Erste Räume im Erdgeschoss sind fertig gestellt, rechtzeitig zum Werkbund Tag. Im Zentrum des Ladenraumes steht ein in hellem Holz gehaltenes Architekturmodell, so groß wie ein Esstisch. 39 Häuser in verschiedensten Größen, Stilen und Formen, mit unterschiedlichen Traufhöhen, mit Flach- und Giebeldächern. Strukturiert sind die Bauten in fünf Blöcke und eine lange Reihe, die das Quartier zur Spree hin öffnet. Auf den 29.000 Quadratmetern sollen 1.250 Wohnungen entstehen, für bis 2.500 Menschen leben; in unmittelbarer Nähe zum Heizkraftwerk Charlottenburg. Noch ist das kaum vorstellbar, denn auf dem Areal stehen zur Zeit noch zwölf riesige Öltanks.

"Bauen und Wohnen. Die Geschichte der Werkbundsiedlungen", so der Titel der Ausstellung in der ersten Etage. Sie bietet den historischen Kontext für das neue Vorhaben. Fotos, Pläne und Filme von realisierten und nicht realisierten Werkbund Siedlungen aus den letzten 90 Jahren. Die Stuttgarter Weißenhof Siedlung ist die Bekannteste, geplant von Mies van der Rohe, fertiggestellt 1927.

Claudia Kromrei, sie ist die Vorsitzende des Werkbundes Berlin: 

"Wir haben den Terminus Werkbund Siedlung sofort abgelehnt und haben gesagt, wir schaffen ein städtisches Quartier, deswegen schaffen wir einen neuen Namen."

Was ist zeitgemäßes Bauen?

Und Komrei betont:

"Damit ist die Stoßrichtung des Ganzen klar. Aber natürlich haben sie etwas miteinander zu tun, als insofern, als die anderen natürlich genau so entstanden sind, aus dieser Werkbund Idee, dass da Künstler, Gestalter, Politiker, Unternehmer, Handwerker alle etwas miteinander erarbeiten."

Der Werkbund wurde 1907 als interdisziplinärer Fachverband gegründet. Mit seinen Bauprojekten hat er immer wieder zu Diskussionen über das zeitgemäße Bauen angeregt und die Frage gestellt: wie wollen wir wohnen? Für das Berliner Projekt, erklärt Claudia Kromrei, war schon allein aufgrund der vielen vorhandenen Konversiionsflächen in der Stadt klar: es muss innerstädtisch geplant und gebaut werden. Das Projekt will Antworten geben auf die Frage nach dem modernen Wohnen von heute: "Städtisches Wohnen ist urbanes Wohnen, ist das mischen von Funktionen, also arbeiten, leben, wohnen an einem Ort, mit kurzen Wegen. Das ist für uns Ausdruck von zeitgemäßem, modernen Wohnen, und das ist nicht mit dem Auto, mit dem schönen Auto zu dem weißen Haus am Rande der Stadt."

Das erste Bauvorhaben des Berliner Werkbundes ist ein kühnes Projekt, sowohl architektonisch als auch schon in seinem Planungsprozess. Es gab keine Juryentscheidungen. Stattdessen haben die 33 eingeladenen Architekturbüros die Regularien für das Projekt von Anfang an gemeinsam erarbeitet. Innerhalb eines Jahres trafen sie sich zu sieben Klausuren.

2021 könnten die ersten Mieter einziehen

Corinna Scheller leitet das WerkbundStadt Projekt:

"Politik, Finanzierung, Immobilienwirschaft. Damit haben wir angefangen. Dann ging es um Nachhaltigkeit und Energie.

Dann haben wir uns mit der Problematik des öffentlichen Raumes und der Mobilität auseinandergesetzt und natürlich auch mit der Architektur, Gestaltung und Design und zu diesen Klausuren haben wir jeweils Experten eingeladen, die nicht Architekten sind, das war uns ganz wichtig und haben dann gemeinsam mit dem beteiligten Planern, aber auch mit Vertretern des Bezirkes, den Eigentümer, gemeinsam die Klausur abgehalten", sagt Scheller.

Im Juli diesen Jahres wurden die Entwürfe in Amsterdam präsentiert und gemeinsam ausgewählt.Die eingeladenen Architekten repräsentieren eine Bandbreite aktueller Architektur. Sie kommen aus Deutschland, Italien, der Schweiz und den Niederlanden. Der international renomierte Architekt Christoph Ingenhoven, er hat auch den neuen Stuttgarter Bahnhof geplant, hat für den Werkbund ein zehnstöckiges Haus mit einer grünen Ziegelsteinfassade entworfen:

"Es bietet eine große Freiheit in der Frage, wie will man darin wohnen? Also welche Wohngrößen, welche Zusammenschnitte von Wohnungen usw. Wir haben ein Haus, das sehr Grün sein wird, wir haben sowohl die Dachgärten und die Dächer als auch die Balkone komplett bepflanzt. Wir haben uns überlegt, dass wir eine sehr intensive, soziale Mischung haben wollen, die geht bis hin zu, wir nennen das Gästeräume für Obdachlose."

Bis die Pläne umgesetzt werden können, sind allerdings noch einige Hürden zu überwinden. Zuerst muss das Industriegelände in Bauland umgewidmet werden und sich Bauherren finden, die das Projekt mittragen und finanzieren. Wenn alles gut geht, könnte 2018 Baubeginn sein. 2021 könnten die ersten Mieter einziehen, erste Anfragen gibt es schon.

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