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Tonart | Beitrag vom 12.05.2017

Neue AlbenPaul Weller schafft wieder ein Meisterwerk

Von Martin Risel

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Paul Weller 2015 bei seinem Auftritt im Colosseum in Watford  (Imago / ZUMA Press)
Der changing man des britischen Rock: Paul Weller (Imago / ZUMA Press)

Als nach Bowie-Nachfolgern gesucht wurde, hatte kaum einer Paul Weller auf dem Zettel. Dabei wandelt und beweist sich der britische Songwriter immer auf solch hohem Niveau wie kaum jemand sonst. Auch sein neues Album "A kind revolution" zeigt keine Anzeichen von Vergreisung.

Mando Diao: "Good times"

Solche – auch noch unsauber gespielten – zweistimmigen Gitarrensoli sind sichere Zeichen für die fortgeschrittene Vergreisung von Rockmusikern. Dabei sind die Männer von Mando Diao mit Mitte 30 noch gar keine sooo alten Schweden. Aber ihre besten Zeiten sind vorbei, da kann auch "Good times", der Titel ihres neuen achten Studioalbums nicht darüber hinweg täuschen.

Kein größeres Rockfestival in den vergangenen 15 Jahren ohne Mando Diao. Jetzt sollte es nach Jahren der Stagnation und Umbesetzungen ein Neustart werden. Wurde aber eine Bauchlandung im Matsch. Verglichen mit der Spannung und Modernität von Schweden-Krimis ist das hier fade wie "Der Kommissar" Erik Ode.

Masaa: "Outspoken"

Vor anderthalb Jahren habe ich Masaa hier in unserer Newcomer-Rubrik "Soundscout" vorgestellt. Inzwischen haben die vier Musiker, die sich in Dresden kennenlernten, Jazz- und Weltmusikpreise gewonnen. Und legen jetzt mit "Outspoken" ihr grandioses drittes Album vor.

Nicht nur für Deutschland ziemlich einmalige Klangwolken umschweben die vertonte Poesie des aus dem Libanon stammenden Sängerdichters Rabih Lahoud. Der singt mal auf Französisch, mal auf Arabisch, Englisch oder Deutsch, mal ein bisschen zu prätentiös wie arabische Kunstmusik.

Musik und Message von Masaa sind das Gegenteil von Abschottung und Hass. Aber nicht nur gut gemeint, sondern vor allem gut gemacht.

Paul Weller: "A kind revolution"

Zwischen schönen poetischen Bildern und scharfer politischer Beobachtung, zwischen Weltschmerz und Hoffnung, zwischen fast all den Stilen seines Schaffens der vergangenen 45 Jahre changiert der changing man des britischen Rock auf seinem neuen Album "A kind revolution". Paul Weller sieht hier als sanfter Revolutionär gleichzeitig tausende Kraniche landen und tote Babys stranden.  

Entwirft dort die Vision, all die Tränen über die traurigen Zustände werden die Welt reinwaschen. Und klingt dabei im Duett mit Boy George wie der, der seinen Tod Anfang 2016 selbst mit Tränen inszeniert hat.

Als nach Bowie-Nachfolgern gesucht wurde, hatte kaum einer Paul Weller auf dem Zettel. Aber welcher andere britische Songwriter hat sich seit den 70ern immer wieder auf solchem Niveau gewandelt und bewiesen? Sein neues Album ist nur ein weiteres Meisterwerk. Mit 59 keine Anzeichen von Vergreisung.

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