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Tonart | Beitrag vom 20.01.2017

Neue AlbenFoxygen liefern ausgeklügeltes Musiktheater

Von Vincent Neumann

Frontsänger Sam France der US-Band Foxygen beim Konzert auf dem 27. Eurockeennes Festival in Belfort im Juli 2015 (picture alliance / dpa / Hugo Marie)
Der Sänger Sam France von der US-Band Foxygen (picture alliance / dpa / Hugo Marie)

Das zum Größenwahn neigende Indiepop-Duo Foxygen ist mit "Hang" nun angekommen, wo es hingehört: auf der großen Showbühne. Mike Oldfield fällt durch, aber Lisa Who überrascht mit ihrem Debüt "Sehnsucht" und zeigt, dass deutschsprachiger Pop auch ohne Plattitüden auskommt.

Es gibt eine Menge Leute, die Sam France und Jonathan Rado für zwei völlig überdrehte Pop-Nostalgiker halten, mit Hang zum Größenwahn. Damit haben sie zweifellos Recht. Als Beleidigung ihres gemeinsamen Projekts Foxygen taugt diese Beschreibung trotzdem nicht, denn man könnte die Faszination dieser Band kaum besser beschreiben: jede Menge Retro-Flair, maßlose Übertreibung und eine Theatralik, die vollkommen lächerlich wirken würde, wenn sie nicht so ernst gemeint wäre.

Foxygen: angekommen auf der großen Showbühne

Und so ist es nur konsequent, dass sich Foxygen für ihr neues Album ein 40-köpfiges Orchester ins Studio geholt haben. Mit "Hang" sind sie da angekommen, wo sie hingehören: auf der großen Showbühne. Ein dick aufgeblasenes und doch überraschend differenziertes und ausgeklügeltes Stück Musiktheater, das in nur 35 Minuten mehr zu bieten hat als so manches Doppel-Album. Ein Riesen-Spaß – nicht nur für die Beteiligten.

Bei Mike Oldfield hielt sich der Spaß dagegen in den letzten Jahren in engen Grenzen: Rechtsstreitigkeiten, persönliche Schicksalsschläge und wenig schmeichelhafte Kritiken zu seinen letzten Arbeiten ließen in ihm den Entschluss reifen, sein musikalisches Glück mal wieder in der Vergangenheit zu suchen, in den 70er-Jahren, wo er mit "Tubular Bells" und "Ommadawn" seine großen Erfolge feiern konnte.

Mystisches Gedudel von Mike Oldfield

Das Ergebnis dieses Nostalgie-Trips heißt "Return to Ommadawn": zwei Tracks mit jeweils 21 Minuten Länge, rein instrumental und alles in Handarbeit. Er sei der einzige Musiker, der auf dem Werk zu hören ist, verkündet Mike Oldfield stolz. Dafür gibt es ein Fleißkärtchen – und doch fehlt dem Album jeglicher Esprit und Innovationsgeist: jene Experimentierfreude, die ihn in den 70er-Jahren quasi über Nacht berühmt gemacht hatte; übrig bleiben lediglich 40 Minuten mystisches Gedudel – nicht mehr als ein müder Abklatsch einstiger Größe.

Aber es gibt auch die positiven Überraschungen – und zwar dort, wo man am wenigsten damit rechnet: Lisa Who, im echten Leben Lisa Nicklisch, Freundin von Sebastian Madsen und Teilzeit-Mitglied in dessen Band – sie gibt mir ein Stück weit den Glauben an die einheimische Popmusik zurück.

Kein Schlager, kein stumpfer Mitklatsch-Rock, keine traurig klampfenden Liedermacher – mit ihrem Debüt-Album "Sehnsucht" schickt sich die Berlinerin an, in der verödeten deutschsprachigen Poplandschaft neue Blüten spießen zu lassen. Psychedelische Gitarren setzen die Stimmung, verspielte Elemente wechseln sich ab mit verträumten Passagen, die Texte widerstehen den üblichen Plattitüden; alles ist angenehm gedämpft, wie in eine Samtdecke eingepackt. Ein souveränes Understatement, das als Antwort taugt auf die Frage, warum es sich lohnt, mit dem Solo-Debüt bis Mitte 30 zu warten.

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